Weikersheim

Gemeinschaftsschule Weikersheim GMS vor der ersten Realschul-Abschlussprüfung / Bei den Schülern von Lampenfieber keine Spur

Selbstbewusst und optimal vorbereitet

Archivartikel

Ab Ende April findet die erste Realschulprüfung an der Gemeinschaftsschule Weikersheim statt. Wir haben mit Schülern und Lehrern über ihre Erfahrung mit der neuen Schulform gesprochen.

Weikersheim. Gloria, Paul und Judith steuern auf ihren Realschulabschluss an der Gemeinschaftsschule (GMS) Weikersheim zu – eine doppelte Premiere gewissermaßen. Für die Bildungseinrichtung ist es die erste und „amtliche“ Mittlere Reife seit Einrichtung der GMS – die Schüler werden die ersten Prüflinge sein, die die Schule mit der Mittleren Reife in der Tasche verlassen. Von Lampenfieber bei den drei Jugendlichen aber keine Spur. Sie fühlen sich auf den anstehenden Prüfungsmarathon optimal vorbereitet.

„Bis jetzt hat alles sehr gut geklappt“, berichtet Gloria. Die „Eurokom“, eine Fremdsprachenprüfung zur „Europäischen Kommunikationsfähigkeit“, die an Realschulen in Baden-Württemberg in der zehnten Klasse durchgeführt wird, hat sie bereits erfolgreich absolviert. Nach dem jetzt anstehenden Abschluss will sie in Bad Mergentheim in „Internationaler Wirtschaft“ auf gymnasialer Ebene weitermachen.

„Am Anfang waren meine Leistungen in der Grundschule nicht so gut“, erinnert sie sich. An der GMS habe sie „große Unterstützung durch die Lehrer“ erfahren, ihre Leistungen verbesserten sich kontinuierlich, „und dann habe ich gemerkt, dass das immer besser klappt.“ Das Ziel, im Realschul-Zug den Abschluss zu machen, sei eine „späte Entscheidung“ gewesen – für sie eine uneingeschränkt positive.

Kontinuierliche Elternarbeit

Und genau dieses – im Vergleich zu den „Standardschulen“ – späte Festlegen auf einen Schulabschluss sieht Schulleiter Peter Pflüger als klaren Vorteil.

Normalerweise erfolgt die „Selektion“ der Kinder auf die weiterführenden Schularten nach der vierten Klasse. An der GMS bleibt alles unter einem Dach.

Die Schüler werden in ihren Klassen aber in drei Niveaustufen unterrichtet – je nach Leistungsvermögen. Wer sich im Laufe der Zeit verbessert, kann vom „grundlegenden Niveau“ (G-Stufe) zum mittleren Niveau (M) bis zum erweiterten Niveau (E) wechseln.

Informiert übers Lerntagebuch

Wichtig sei dabei die kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Eltern, sagt Konrektorin Gudrun Wolf, denn die GMS geht mit den Eltern eine „Erziehungspartnerschaft“ ein. In engem, regelmäßigem Kontakt verständigen sich Lehrkräfte und Eltern über den Leistungsstand der Kinder und treffen gemeinsam Absprachen über sinnvolle Fördermaßnahmen sowohl in der Schule als auch im Elternhaus. Zentrales Instrument ist dabei das für jeden Schüler geführte Lerntagebuch, das regelmäßig zuhause abgezeichnet wird. „Die Eltern wissen also immer, was die Schüler aktuell machen und wo zum Beispiel Lernbedarf besteht. Die Eltern können im Tagebuch auch Rückmeldungen an die Lehrer geben“, erklärt Pflüger. Pro Jahr gibt es außerdem zwei „Standortgespräche“ zwischen Eltern und Lehrern. Eine Schullaufbahnberatung ergänzt das Angebot. Doch die Erwachsenen entscheiden nicht über die Schüler hinweg. Immer wieder gibt es mit ihnen Coachinggespräche – wo „steht“ der Schüler, wobei braucht er Unterstützung? Oder mal auch ganz einfach und menschlich: „Wo drückt der Schuh?“

Genau diese enge Verzahnung und die persönliche Förderung begeistert Judith. Die Grundschule beendete sie mit wenig Selbstbewusstsein; im Elternhaus sah man sie zunächst eher als Hauptschülerin. „Ich war damals einfach unsicher. Dann haben mich die Lehrer ermuntert und ich habe gedacht: Vielleicht schaffe ich doch den Realschulabschluss, weil ich mit der Zeit immer besser wurde.“ Nach Gesprächen mit ihren Lehrkräften „habe ich zuhause irgendwann einfach gesagt: Ich schaffe das!“

Und: Judith hat Lust auf mehr bekommen. Nach dem Realschulabschluss will sie auf die Erzieherinnenschule plus Berufskolleg – weil dann am Ende auch ein Studium drin ist.

Für die höheren Niveaustufen beschäftigt die Gemeinschaftsschule auch Gymnasial- und Realschulkräfte. Isabell Häfner beispielsweise ist Realschullehrerin – und „sie hat für uns alle ein offenes Ohr“, lobt Gloria. Fachlich genauso wie persönlich, denn es werde ein „offener Umgang“ gepflegt, hält Häfner fest. Bei rund 220 Schülern in den Klassenstufen fünf bis zehn sei eben auch ein familiäreres Klima möglich, als an einer größeren Schule. „Hier im Schulhaus gibt es keinen Schüler, den ich nicht kenne“, ergänzt Schulleiter Peter Pflüger.

Praktika zur Orientierung Für Paul ist klar: „Nach der Realschule gehe ich in die Tourismusbranche.“ Auch er erinnert sich an den „Druck in der vierten Klasse“, der auf ihm gelastet habe. An der Gemeinschaftsschule „hatte ich dann einfach mehr Zeit für die Entscheidung“ für den gewünschten Schulabschluss. „Für mich war das perfekt – auch wegen der vielen Praktika.“ Er habe in Reisebüros „geschnuppert“ und im Bereich Einzelhandelskaufmann. Auch das „Lernstudio“ mit zusätzlichen Übungsstunden habe ihn weitergebracht.

Jetzt stehen für alle Drei die Realschulprüfungen an, die Ende April mit dem Fach Deutsch starten. „Ich bin eigentlich ziemlich entspannt“, sagt Judith. Das kommt nicht von ungefähr: Alle Prüflinge werden nämlich seit längerem von den Lehren auch mit der Prüfungssituation vertraut gemacht. „Sie wissen natürlich nicht, welche Texte genau drankommen“, sagt Peter Pflüger, aber die Schüler würden „sehr konkret vorbereitet und trainiert“ – auch, was die Prüfungsdauer angeht. Klassenarbeiten etwa fanden zunehmend im Prüfungsstil statt; die Schüler wissen ziemlich genau, was auf sie zukommt und können sich entsprechend vorbereiten.

Jetzt die erste Realschul-Prüfungsklasse „durchzubringen“ (die Schüler sind seit zwei Jahren in einem Zug zusammengefasst), das sei schon „spannend“, so der Schulleiter. Die Prüfungsaufgaben an sich werden für alle Schulen im Land zentral gestellt und finden „am gleichen Termin statt, wie in Creglingen und Niederstetten auch.“

Dann heißt es – nach viel Arbeit mit jedem einzelnen Schüler – Abschied nehmen. „Aber so ist das eben. Wir gehen eine Zeitlang einen intensiven Weg mit unseren Jugendlichen.“ Und dann gehen die Schüler ihren Lebensweg weiter.