Weikersheim

Kirchturmfest Benefizveranstaltung am 10. Juni in Schäftersheim zur Unterstützung der Kirchturmrenovierung

Turmhaube hat Sanierung verdient

Archivartikel

Schäftersheim.Egal, aus welcher Richtung man sich der Ortschaft nähert: der Turm der Schäftersheimer Nikolauskirche fällt unmittelbar ins Auge. Das galt schon vor Jahrhunderten. Errichtet worden sein dürfte das in die Jahre gekommene Wahrzeichen der Ortschaft wohl in der spätromanischen Epoche ums Jahr 1200. Inzwischen bedarf der Turm – der Sockel dürfte der älteste Teil der Schäftersheimer Kirche sein – gründlicher Sanierung.

Mit einem großen Fest rund um den Kirchturm will die Kirchengemeinde gemeinsam mit der ganzen Ortschaft Geld für die Turmsanierung einnehmen, Dem Turm neue Freunde vermitteln, Spender und Sponsoren für die große Sanierungsaufgabe gewinnen. Unter anderem ist es erforderlich, die Holzverbindungen zu erneuern und für die Neueindeckung eine stärkere Schalung einzubringen. Saniert werden muss und soll „von Kopf bis Fuß“: Turmsockel, Fassade und auch das Glockengeschoss-Fachwerk sind teilweise reparaturbedürftig. Noch im Juni sollen die Bauarbeiten beginnen.

Fröhliches Feiern

Zuvor aber wird gebetet, gefeiert und informiert: Am Sonntag, dem 10. Juni beginnt das Schäftersheimer Kirchturmfest mit einem vom Chor „Together“ mitgestalteten Gottesdienst, anschließend steht nterhalb von Turm und Kirche, im Gemeindehaus und im Pfarrgarten fröhliches Feiern auf dem Programm. Dir evangelische Kirchengemeinde ist begeistert: „Alle machen mit!“

Die Schäftersheimer Vereine sorgen nicht nur für Speis und Trank, sondern auch für bunte Unterhaltung für Groß und Klein. Auf die Kleinen wartet bei der Linde eine Spielstraße, die Großen dürften sich aufs Theaterspiel der Doredräwer und Sang und Klang des Schäftersheimer Liederkranzes freuen. Im Rahmen einer Benefizausstellung in der ehemaligen Werkstatt Kuhnle können Interessierte zugunsten der Sanierung des Nikolaus-Kirchturms Bilder von Karl-Ernst Sauer erwerben oder sich beim Bücherflohmarkt mit Lesestoff eindecken.

Der Turm und seine Geschichte

Spannend wird, was der Schäftersheimer Hobbyhistoriker Ralf Schälling alles über den Turm und seine Geschichte zusammengetragen hat. Seit rund einem Jahrzehnt vertieft sich der gebürtige Schäftersheimer immer tiefer in die Historie seiner Heimat. Vielleicht, so überlegt er, könnte der Turm auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus errichtet worden sein. Auch Karl-Ernst Sauer hatte in diese Richtung spekuliert; belegbar wäre das allerdings nur durch Grabungen - und jetzt geht es ja erst einmal um die Sanierung.

Keineswegs Spekulation allerdings ist, dass der Turm im Lauf der Jahrhunderte mit seinen recht unterschiedlichen Turmhauben vier verschiedene Gesichter zeigte: Karl-Ernst Sauer hatte drei von ihnen bereits in einem seiner Gemälde skizziert; eine vierte Haubenform dokumentiert eins der Gemälde im Rittersaal des Weikersheimer Schlosses.

Zeitliche Einordnung

Schälling ordnet die verschiedenen Gesichter zeitlich ein: In seiner Urform ragte der Kirchturm längst nicht so hoch hinauf: Ein schlichtes Spitzdach - bekannt als „Viereck-„ oder „Zeltspitze“ krönte die zunächst drei Geschosse. Ende des 16. Jahhunderts drohte Verfall - und der oberte Teil des Turms wurde neu erstellt, um ein Geschoss erhöht und mit einer den „Echtertürmen“ vergleichbaren, hoch hinauf zielenden „verschnittenen Achteckturmspitze“ versehen. Um 1594, so Schälling, dürfte der Turmknopf gefertigt worden sein.

Knapp ein Jahrhundert später war erneut eine Sanierung fällig, die den Turm mit „Welscher Haube“ versah. Das Gebilde erinnert an ein nicht ganz ausgereifte, leicht schlafmützenartig ausgeprägte Zwiebelturmform. So recht gefallen hat diese Haube anscheinend nicht allen, und wirklich haltbar war die Honzschindeldeckung wohl auch nicht: Es zogen nur drei Jahrzehnte ins Land, bis 1730 die neuerliche Renobierung beschlossene Sache war. Seither ziert die markante „Thüringer Haube“ - eine halbkugelige Kuppel auf vierseitigem Dachansatz mit offener Laterne und darüber achteckiger Spitze mit Wetterfahne - den Turm der Nikolauskirche.

„Nur“ Heilkur

Jetzt wird der Turm zwar grundsaniert, geht aber „nur“ in eine Heilkur ohne gesichtsverändernde Schönheits-OP. Wer mehr über den Turm erfahren will, ist bei Schällings Vorträgen am Turmfesttag (Beginn: 14.30 und 15.30 Uhr) am richtigen Ort.

Um 15 Uhr und 16.30 wird der Liederkranz Schäftersheim musikalische Highlights beisteuern, und Theaterfreunde dürfen gespannt sein, welche Überraschungen die Doredräwer um 16 Uhr präsentieren. ibra