Weikersheim

„Staatliche Schlösser und Gärten“ Zum Ende der Monarchie vor 100 Jahren gibt es am 10./11. November freien Eintritt in neun Residenzen

Unruhen gingen an Schloss Weikersheim vorbei

Archivartikel

Weikersheim.Genau ein Jahrhundert ist es her, dass der erste Weltkrieg endete, die Monarchen abdankten und in Deutschland die Zeit der Demokratie begann. Am 9. November 1918, vor 100 Jahren, wurde die Republik ausgerufen und Baden und Württemberg wurden Republiken. Zugleich wurden damit die Residenzschlösser zu Museen und zu Orten, die nun allen gehörten. Das ist für die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg Grund zum Feiern. Am 10. und 11. November gibt’s daher freien Eintritt in neun Schlössern – auch in Schloss Weikersheim.

Mit dem Tod des letzten Grafen der Linie Hohenlohe-Weikersheim im Jahr 1756 verlor die Stadt ihre Funktion als Residenz. Da Graf Carl Ludwig ohne Nachkommen starb, erbten andere Familienzweige das Schloss.

Man nutzte das Schloss aber nur zeitweilig, da überall eigene Residenzen zu Verfügung standen: etwa in Langenburg, Neuenstein und Öhringen. Vor 100 Jahren wurde Schloss Weikersheim von der Bevölkerung daher längst nicht mehr mit einer Regierung oder mit der Monarchie verbunden und bei den Unruhen im November stand es nicht im Fokus. Weikersheim steht damit nicht alleine: Denn im 19. Jahrhundert hatten die regionalen Kleinfürstentümer in ganz Deutschland ihre Souveränität verloren und an die größeren staatlichen Einheiten abgeben müssen. Hohenlohe war seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts ein Teil des Königreichs Württemberg und die Regierung saß in Stuttgart.

Am Ende des Ersten Weltkrieges war Ernst II. Wilhelm Friedrich Karl Maximilian „Chef“ des Hauses Hohenlohe-Langenburg.

Bis zur Novemberrevolution 1918 hatte er als Oberhaupt der Adelsfamilie damit den erblichen Sitz in der württembergischen Kammer der Standesherren; diese Institution wurde mit dem Ende der Monarchie und der Gründung der Republik aufgelöst.

In Schloss Weikersheim war von dieser Veränderung aber nichts zu merken. Die einstige gräfliche Residenz wurde bis in die Gegenwart nur teilweise bewohnt. 1967 schließlich erwarb das Land Baden-Württemberg das Schloss von der Familie Hohenlohe-Langenburg. Seither ist es vollständig als Besucherschloss zugänglich.

„Stürmt eure Schlösser!“ - diesen Titel haben die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ihrer Aktion gegeben, mit der sie an die Ausrufung der Republik vor einem Jahrhundert erinnern. Mit dabei sind neun Monumente im ganzen Land: Schloss Bruchsal, das Residenzschloss Ludwigsburg, das Neue Schloss Meersburg, das Barockschloss Mannheim, das Residenzschloss Rastatt, Schloss und Schlossgarten Schwetzingen, Schloss Solitude bei Stuttgart, das Neue Schloss Tettnang und Schloss und Schlossgarten Weikersheim. Von Samstag, 10. November bis Sonntag, 11. November, erhalten in diesen Schlössern alle freien Eintritt. Als Extra gibt es an diesem Wochenende der offenen Schlossportale noch eine Fotoaktion: Alle, die ihr Selfie aus einem der neun teilnehmenden Schlösser und mit dem Hashtag #StürmteureSchlösser versehen auf Facebook oder Instagram hochladen, nehmen an einer Verlosung teil.

Damit die Fotos besonders stimmungsvoll werden, gibt es in den Schlössern zum Verkleiden Hüte, Mützen und andere Accessoires, die an die bewegte Zeit vor 100 Jahren erinnern, in der die Republik begann – als Bürger, Revolutionärin, Republikaner oder Monarchistin.

Die Fotos kann man noch zwei Tage nach dem Wochenende posten: bis Dienstag, 13. November. Alle Informationen finden sich auch im Internetportal www.schloesser-und-gaerten.de oder direkt unter www.stuermteureschloesser.de.

Viele der Schlösser waren schon vor 100 Jahren nicht mehr Wohnsitz oder gar Regierungssitz. Die Jahrhunderte waren an den vielen repräsentativen Anlagen vorübergegangen und viele Schlösser waren längst schon zu Museen geworden. Mit dem Ende der Monarchie wurde der Schritt endgültig.

Heute betreuen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg diese Monumente.