Weikersheim

Leserbrief Zum Thema Gemeinderratssitzungen – hier unter anderem in Bezug auf Entscheidungen in Weikersheim

Wahlen als wirksames Bürger-Mittel

In den FN vom 13. April 2019 berichtete Lothar Frick, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, darüber, dass Gemeinderatsitzungen prinzipiell öffentlich sein sollten und es aber eine Tendenz gebe, „heikle Themen“ nicht öffentlich vorzubereiten. Dies sei oft nicht wirklich im Interesse der Bürger. Das trifft wohl besonders auf Weikersheim zu.

Dabei berichteten ältere Ratsmitglieder, dass Bürgermeister Kornberger früher durchaus mit allen Parteien sachlich, korrekt und gut zusammengearbeitet habe.

Niemand kann sich erklären, durch welchen Einfluss er jetzt bereit ist, Unsummen für die „gehobene Kultur“ auszugeben und dabei die kommunalen Hausaufgaben wie Jugendarbeit und Hallenbad zurückstellt. Es bleibt unverständlich, warum die Ratsmehrheit eine solche Politik mitträgt.

Ein trauriges Beispiel für die Zwei-Klassen-Politik in diesem Zusammenhang: Die Musikschule Hohenlohe, in der unsere eigenen Kinder mit Musik vertraut gemacht werden, fragt schon seit vielen Jahren vergeblich nach einem festen Übungsraum in Weikersheim. In allen anderen Gemeinden von Igersheim bis Gerabronn sind solche Räume zur Verfügung gestellt.

Dass der SPD vorgeworfen wird, sie sei gegen alles, ist eindeutig unrecht: Sie hat jahrelang alle Entscheidungen mitgetragen und erst jetzt die Notbremse gezogen, weil die Ausgaben für die Tauberphilharmonie ein Mehrfaches der Aufwendungen für unsere Schulen betragen. Allen übrigen Posten des Haushalts hat sie zugestimmt.

Die Tauberphilharmonie bringt Weikersheim in die Situation einer Familie, die sich einen 12-Zylinder Ferrari zugelegt hat, in den nicht einmal alle hineinpassen, nur weil er gerade günstig war, ohne die Folgekosten zu bedenken.

Schon Anfang 2019 schlug Bürgermeister Kornberger über einen Artikel in den FN vor, man müsse bei diesem Projekt die Bürger mitnehmen. Das war aber natürlich schwierig, weil der Zug dazu ja bereits abgefahren war. Damit die Bürger nicht ganz im Regen stehen, schlägt deshalb die Junge Union durch M. Bauer vor, die Weikersheimer Bürger in eine Turnhalle zu schicken.

Momentan hört man von allen Seiten, dass im Rathaus ein neues „Alleinstellungsmerkmal“ geplant wird.

Es soll ein Hotel mit ca. 70 Betten gebaut werden, das die Stadt über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft mitfinanzieren will.

Das würde bedeuten: Die Stadt selbst schafft eine Konkurrenz für unsere eigenen nur maximal zur Hälfte ausgelasteten Gaststättenbetriebe und die Bürger müssen noch dafür haften, wenn es finanzielle Verlust gibt (hoffentlich stimmen diesmal alle Parteien nicht zu).

Geheimtipp an unsere Lokalpolitiker: Wer mit unserem schönen Ort mit Schloss und guten Hotels und Sternekoch nicht zufrieden ist, darf ruhig auch zu Hause bleiben. Das waren etliche kritische und schlechte Nachrichten, jetzt aber die guten: Es stimmt nicht, dass man als normaler Bürger doch nichts ändern kann.

Das einzig wirksame Mittel steht jedem bald zur Verfügung: die Gemeinderatswahlen. Das ist auf Jahre die einzige Möglichkeit, in der alle die gleiche Macht und Bedeutung haben. Deshalb sollte man das unbedingt nutzen und mitmachen.

Die neuen Gemeinderäte sollten bedenken, dass sie nur dem Wohl der Bürger, nicht dem des Bürgermeisters oder ihrer Partei verpflichtet sind.

Ja-Sager haben schon viel Unglück bzw. Unrecht verursacht und Nein-Sager schon manches verhindert.

Wer seine Position gar dazu benutzt, um persönliche Vorteile, z. B. die Umgehung von Bauvorschriften zu erlangen, die für alle gelten, kommt für so ein Amt nicht infrage.