Weikersheim

Einweihung Zwei sanierte Häuser (Hauptstraße 23 und Taubergasse 1) ihrer Bestimmung als Mietshäuser übergeben / Hohe Zuschüsse erhalten

Wichtige Maßnahme im Kampf gegen Wohnungsnot

Archivartikel

Röttingen.Der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum ist landauf, landab sehr groß. In Röttingen wurde etwas dafür getan.

Im Januar 1999 hatte die Stadt Röttingen das Anwesen Hauptstraße 23 (Schwarzmannhaus) zum Preis von 100 000 Mark gekauft und es teilweise vermietet. Knapp 20 Jahre später wurde die Nutzung des zweiten Obergeschosses als Wohnung aufgegeben, da eine Vermietung aufgrund des Zustandes nicht mehr vertretbar war.

Das Erdgeschoss war bis Ende 2015 an ein Blumen-Geschäft vermietet und stand seit Januar 2016 ebenfalls leer. Diverse Vermarktungsversuche waren gescheitert. Im Jahr 2011 wurde das Anwesen bereits komplett voruntersucht, da es auch als Außenstelle des gegenüberliegenden Rathauses angedacht war. Die Kostenschätzung für eine Gesamtsanierung lag damals bei rund 1,4 Millionen Euro. Ein Abriss kam aus Sicht der Denkmalpflege nicht in Betracht, da es ortsbildprägend im Einzugsbereich des angrenzenden historischen Marktplatzes liegt.

Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Wohnungsnot durch die Zuwanderung bot sich dank einer Sonderförderung durch den Freistaat Bayern „Ort schafft Mitte 2“ die Chance, mit außergewöhnlichen Mitteln aus der Städtebauförderung das Anwesen zu sanieren und drei große Wohnungen zu schaffen.

Maßstab für die Sanierung war hier der soziale Wohnungsbau für anerkannte Flüchtlinge mit einer Mietobergrenze. Das nun übergebene ehemalige Geschäftshaus aus dem Jahre 1584 entspannt die Lage. Die drei Wohnungen haben zusammen 390 Quadratmeter Wohnfläche zu 4,50 Euro pro Quadratmeter. Die Wohnungen sind für anerkannte Flüchtlinge und den sozialen Wohnungsbau mit einer Mietpreisobergrenze gedacht und haben eine siebenjährige Bindungsfrist.

Möglich gemacht wurde das Ganze durch den Wohnraumpakt Bayern und die daraus resultierende Förderung für genau solche Objekte. Die Gesamtkosten für die Sanierung betragen 1,48 Millionen Euro. Der Zuschuss beträgt 1,103 Millionen Euro, somit bleiben für die Stadt Röttingen rund 380 000 Euro Eigenanteil.

Das Anwesen Taubergasse 1 war bereits von einer Erbengemeinschaft an einen Privatinvestor verkauft, doch machte die Stadt Röttingen im Nachhinein von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch. Im Februar 2016 wurde dies für 30 200 Euro gekauft. Die drei neuen Wohnungen haben eine Wohnfläche von insgesamt 205 Quadratmetern. Die Gesamtkosten mit dem Abriss eines benachbarten Gebäudes betrugen 840 000 Euro, der Zuschuss 621 000 Euro, was einen Eigenanteil der Stadt in Höhe von 220 000 Euro ausmacht. Besonders stolz zeigte sich Bürgermeister Martin Umscheid, dass die Anzahl der leerstehenden Hauptgebäude von 42 im Jahre 2008 auf derzeit nur noch 22 reduziert werden konnte. Seit 2002 sind im Rahmen der Städtebauförderung insgesamt 17,8 Millionen Euro für Sanierungen verbaut worden, die mit knapp zehn Millionen Euro gefördert wurden. Darunter auch der kürzlich ausgezeichnete neue Ostflügel der Burg Brattenstein. Weitere Projekte wie „Alte Schule“ sind in Planung. Dafür bedankte sich der Rathauschef beim Chef der Unterfränkischen Städtebauförderung, Baudirektor Manfred Grüner, der für die Bewilligung der Anträge zuständig ist.

Corinna Urban vom Architekturbüro Reiner Roßbach zeigte sich stolz, dass es ihrem Büro gelungen ist, das Gebäude aus dem Jahre 1784 liebevoll ins Gesamtensemble der Stadt eingebunden zu haben. Architekt Stefan Schlicht vom Schweinfurter Architektenbüro Schlicht/Lamprecht lobte die Stadt Röttingen, dass sie den Mut hat, solche Objekte erhalten zu wollen, gerade beim „Schwarzmann-Haus“ war es ein Wunder, dass dies so lange gehalten hat.

Als Dank besitze man nun sechs zeitgemäße Wohnungen. Für den erst seit wenigen Wochen im Amt befindlichen Regierungspräsidenten von Unterfranken, Dr. Eugen Ehmann, der erstmals in Röttingen weilte, sei Röttingen ein gutes Beispiel für andere Orte, die sich solche Herausforderungen stellen. Er sieht das Taubertalstädtchen im positiven Sinn als guten Kunden in der Städtebauförderung. Die Altstadt sei dadurch fühlbar lebendiger und attraktiver geworden.

Röttingen sei ein Vorreiter für die 90-prozentige Zuwendung und das Geld sei im Sinne der Stadt gut angelegt. Für Landrat Eberhard Nuß sei der Tag nicht nur wegen dem Wetter schön, sondern wegen dem guten Wurf, der den Röttingern gelungen ist. Röttingen biete Lebensqualität und sei eine tolle Stadt. Dem Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder kommt es bald vor, dass im Taubertalstädtchen die Einweihungen fast im Monatsrhythmus stattfinden und er stellte fest, dass man hier sieht, was man aus Steuergeldern alles machen kann und gratulierte zu den gelungenen ortsbildprägenden Häusern.

Bevor die zahlreichen Röttinger Bürger vom „Tag der offenen Haustür“ regen Gebrauch machten, segnete Pfarrer Gerhard Hanft mit Cheta Aloysius Chikezie die beiden erneuerten Objekte.