Weikersheim

Evangelische Landessynode Schäftersheimer Synodalin Martina Klärle sieht Initiative „Neue Aufbrüche“ zur Schaffung neuer Gemeinden kritisch / Zahlreiche Themen besprochen

Zusätzliche Pfarrstellen für eine „Pseudo-Elite“ befürchtet

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis/Weikersheim.„Neue Aufbrüche“ soll es geben in der evangelischen Landeskirche von Württemberg. Was die Landessynode dazu plant, stößt aber auf Widerspruch bei der Schäftersheimer Synodalin Martina Klärle.

„Für eine Pseudo-Elite will man neue Pfarrstellen schaffen und anderswo fehlen die Pfarrerinnen und Pfarrer in den Gemeinden“, empört sich Prof. Dr. Martina Klärle. Eine Parallelstruktur neben den Kirchengemeinden passe nicht zu ihrem Verständnis von Kirche, erläutert sie im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Der Anlass ihres Ärgers: Bei ihrer letzten Sitzung in Ulm haben Mitglieder der Landessynode einen Gesetzentwurf eingebracht, um neue Gemeinden zu schaffen, die sich nicht an der Ortsgemeinde orientieren. Betrieben hatten das die pietistisch geprägten Gesprächskreise „Lebendige Gemeinde“ und „Kirche für morgen“. Auch im Kirchenbezirk Weikersheim „sparen wir uns die Pfarrstellen am Mund ab“, so die Schäftersheimer Synodalin, aber „da sollen landesweit zehn bis 15 Initiativen mit je etwa 100 Mitgliedern privilegiert und mit Geld und Personal ausgestattet werden“. Das führe zur Konkurrenz und diene nicht der Einheit der Landeskirche. Man brauche durchaus „frischen Wind in die Köpfe“, aber doch nicht so. Solches Elite-Denken hatte selbst Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July in seiner Predigt bei der Synode kritisch gesehen. „Kirche, das ist die Gemeinschaft der Auf-Christus-Angewiesenen, der Scheiternden … denen Christus entgegenkommt“, hatte er festgestellt. Dem könne man nur zustimmen, so Martina Klärle. Da könne man doch nicht gleichzeitig Gemeindemitglieder privilegieren, die sich „als Elite-Christen und besonders Heilige sehen und ihre Anschauung für die einzig richtige halten“.

Noch bestehe aber Hoffnung, dass dieser Plan nicht verwirklicht werde: Viele Synodale hätten Bedenken, vor allem in ihrem Gesprächskreis „Offene Kirche“ und bei der Mittelgruppe „Evangelium und Kirche“. Der Antrag wurde wie üblich erst einmal in vier Ausschüsse zur Weiterberatung verwiesen. Bei der nächsten Synodalsitzung im Herbst - bei der auch der umstrittene „Pfarrplan“ mit seinen Einsparungen beschlossen werden soll, werde man weiter diskutieren. Glücklicherweise, so Martina Klärle, habe man bei der Sitzung in Ulm auch zukunftsweisende Beschlüsse gefasst.

Mit fünf Millionen Euro unterstütze man den Immobilienfonds der Diakonie, um Wohnraum für Menschen in prekären Verhältnissen zu schaffen. Der „Aktionsplan Inklusion“ zur Förderung von Menschen mit eingeschränkten Teilnahmemöglichkeiten werde weiter aufgestockt und auch die Kindergartenarbeit bleibe ein Schwerpunkt. „Es soll verhindert werden, dass sich immer mehr Gemeinden aus der Kindergartenarbeit zurückziehen“, so der Synodale Dekan Siegfried Jahn, Blaufelden (früher Waldmannshofen). Auch der Umgang mit Migranten sei Gesprächsthema gewesen und die Synodalen hätten sich betroffen und empört darüber gezeigt, wie Flüchtlinge und Helfer in den vergangenen Monaten diffamieret und kriminalisiert worden seien. Als Christen in Europa, so Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, müsse man sich jetzt „stark machen, alle Flüchtlingshelfer zu stützen, die gefährdet und bedroht werden“. peka