Werbach

Gamburg 800 Jahre Barbarossa-Fresken / Zahlreiche Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

Die Erinnerungen eines Kreuzfahrers

Archivartikel

Die in Europa einzigartigen Barbarossa-Fresken auf der Gamburg wurden vom 1219 verstorbenen Edelfreien Beringer dem Jüngeren von Gamburg in Auftrag gegeben.

Gamburg. Sie gelten als die einzig erhaltenen Original-Ausmalungen eines Rittersaales und die ältesten weltlichen Wandmalereien nördlich der Alpen. Im Jubiläumsjahr 2019 bietet die Eigentümerfamilie von Mallinckrodt daher zahlreiche Veranstaltungen rund um das Thema 800 Jahre Barbarossa-Fresken an.

Auf drei Wänden zeigen die bis zu fast vier Meter hohen Malereibefunde Szenen des Kreuzzugs Kaiser Barbarossas. Außergewöhnlich frühe deutsch-lateinischen Inschriften benennen außerdem den Würzburger Bischof und ehemals kaiserlichen Kanzler Gottfried von Spitzenberg, einen der Hauptprotagonisten dieses Kreuzzugs, der sogar einen Augenzeugenbericht von seiner Reise hinterlassen hat.

Ebenso der österreichische Kleriker Ansbert, der Beringer von Gamburg, eigens als einen der bedeutenderen edelfreien Kreuzzugsteilnehmer erwähnt. Der Kaiser selbst, der mit einem seiner frühesten Bildnisse auf den Fresken dargestellt wird, ertrank während des Kreuzzugs im kleinarmenischen Fluss Saleph.

Beringer von Gamburg jedoch ließ nach seiner Heimkehr seine Erlebnisse als Teil kaiserlicher und persönlicher Memoria im Rittersaal verewigen.

Der ausführende Meister der Barbarossa-Fresken, der wohl im Rhein-Maas-Gebiet ausgebildet wurde, beeindruckte vor allem durch seine innovative Raumdarstellung der Städte, in deren Stadtmauern sich zudem Ornamentmotive der angrenzenden romanischen Doppelarkaden wiederholen und den Saal somit zum Gesamtkunstwerk werden ließen.

Als einer der Höhepunkte des Jubiläumsjahres wird der Kunsthistoriker und Illustrator Goswin von Mallinckrodt, der schon seit vielen Jahren die Geschichte der Gamburg erforscht und dazu publiziert, am Jahrestag des Todes Kaiser Barbarossas am 10. Juni im Rittersaal einen Vortrag zur kunst- und kulturhistorischen Bedeutung der Barbarossa-Fresken halten.

Dazu wird Hans-Georg von Mallinckrodt, der die Malereien 1986 entdeckte, Passagen aus den beiden Augenzeugenberichten des dargestellten Kreuzzugs vorlesen. So werden die Fresken während der Lesung sozusagen als dritte Augenzeugenerzählung dienen und die beiden Texte illustrieren.

Musikalisch begleitet wird dies von mittelalterlichen Weisen, die von Andrea Baumann und dem Gamburger „Burgbarden“ Michael Schmitt gesanglich wie instrumental vorgetragen werden. Als Teil des Chors Inselmut haben beide vom Badischen Chorverband die „Badische ChorPrämie 2018“ für ein vor genau einem Jahr aufgeführtes Chorkonzert auf der Gamburg erhalten.