Werbach

Ehemalige Synagoge Michael Bergmann liest am Freitag, 17. Mai

Ein Koffer als Zeitzeuge

Archivartikel

Wenkheim.Auf Initiative des Vereins „die schul – Gedenkstätte Synagoge Wenkheim“ kommt der Autor Michael Bergmann am Freitag, 17. Mai, am 20 Uhr zu einer Lesung in den Betsaal der ehemaligen Synagoge nach Wenkheim.

Eigentlich sucht der junge Berliner Journalist Elias Ehrenwerth nur ein Geburtstagsgeschenk für seine Freundin Lisa. Der alte Lederkoffer jedoch, den er bei einem Berliner Trödler erstand, setzt ihn auf die Spur einer Geschichte. Es ist eine verworrene Koffergeschichte. Entlang der Spurensuche – wie bei einer Schnitzeljagd – nimmt man Anteil an ihrem Besitzer: Ein jüdischer Schriftsteller, der, 1939 in Marseille auf die Ausreise wartend, vom Tod seiner ihm vorausgereisten Verlobten erfährt und deshalb selbst nie in Palästina ankommen sollte.

So der Plot des neuesten Buches des Schriftstellers Michel Bergmann. Ein hervorragender Kunstgriff, die Geschichte eines Deutschen jüdischer Religion in der Nazizeit nachzuzeichnen. Wie ein Puzzle lässt der Autor Michel Bergmann seinen Protagonisten die einzelnen Teilchen zusammensetzen. Er spricht mit Zeitzeugen und entdeckt nach und nach in dem Kofferbesitzer Weinheber, einen jüdischen Schriftsteller, der sich in den 30ern von Deutschland abwenden muss, da er nach Berufsverbot und Schikanen Anfang 1939 gezwungen ist, sein Vaterland zu verlassen.

Er entscheidet sich, nach Palästina zu emigrieren, wo seine Geliebte bereits lebt.

Michel Bergmann mischt in diesem jüngsten Roman geschickt unterschiedliche Erzählformen und spürt einem tragischen Einzelschicksal nach, das für viele andere steht. Dabei berührt er durch eine zart eingeflochtene Liebesgeschichte und zeichnet das konfliktbehaftete Bild zwischen Arabern und Juden.

Auch in diesem, seinem jüngsten Roman, forscht der Autor wieder einmal in der eigenen Familiengeschichte. Michel Bergmann wurde als Kind jüdischer Eltern 1945 in einem Internierungslager in der Schweiz geboren. Nach einigen Jahren in Paris zogen die Eltern nach Frankfurt.

Karten sind an der Abendkarten erhältlich. dieschul