Werbach

Grußworte Zahlreiche Prominente äußerten sich zur evangelischen Kirche und zu ihrer Stellung im gesellschaftlichen Leben

Ein lebendiger Mittelpunkt der Gemeinde

Archivartikel

Niklashausen.Eine Reihe von Grußworten rundeten den Festgottesdienst anlässlich des Jubiläums „Grundsteinlegung der Kirche vor 500 Jahren“ in Niklashausen umfassend ab.

Dekan Hayo Büsing überbrachte Glück- und Segenswünsche namens des Kirchenbezirks Wertheim. Der Kirchenraum sei ein ganz besonderer Ort, Stein gewordene Glaubenserfahrung und Ort der Herausforderung bis heute. Er selbst nehme gerne die lange Strecke im Taubertal in Kauf, um in der Stille der Niklashäuser Kirche zu verweilen. Diese wüssten auch andere zu schätzen, lade die gastfreundliche Gemeinde doch ein, besondere Spiritualität zu spüren.

Der Dekan verwies auf die „lesenswerte Festschrift“, die Bedeutung der Steinhauergemeinde Niklashausen und darauf, dass in der Kirche auch in Zukunft Mut machende Gottesdienste gefeiert werden. Und zwar in einem Haus der lebendigen Steine, wo in Wort und Tat füreinander eingestanden werde.

Werbachs Bürgermeister Ottmar Dürr meinte, wenn die Mauern der Kirche sprechen könnten, würden sie viel erzählen von stürmischen Zeiten, jedoch auch von Frieden und Mitmenschlichkeit, von vielen menschlichen Schicksalen. In der Kirche werde zur Sprache gebracht, was die Menschen wirklich bewege, und den Aktivitäten der Kirchengemeinde komme in der Kommune eine wichtige Rolle zu.

Kirchen seien in manchen Fragen Partei, so der Bürgermeister, legten Finger in die Wunden, „die Kir-che hat noch etwas zu sagen, das ist gut so“. Dürr sah in Niklashausen ein harmonisches Miteinander von kirchlicher und politischer Gemeinde, man habe ein gemeinsames Ziel, nämlich den Einsatz für den Nächsten, für den Menschen. Die Kirche sei als moralische Instanz von Bedeutung, spreche Wahrheiten aus und werde auch im 21. Jahrhundert gebraucht.

Dr. Monika Schaupp (Leiterin des Staatsarchivs Wertheim) bezeichnete sich als Hüterin historischer Quellen und wolle zur Geschichte der Niklashäuser Kirche in die Zeit vor 500 Jahren mitnehmen. Der Kaplan von Ort habe sich im Oktober 1524 gefragt, welche Lehre denn die richtige sei. 23 strittige Punkte zwischen der alten und der neuen Kirchenlehre seien auch 500 Jahre später keine leichten Fragen.

Die Fachfrau erläuterte, der Graf von Wertheim in den 1520er Jahren sei ein überzeugter Anhänger Luthers gewesen, habe in der Grafschaft die Reformation durchgeführt. Andererseits hätten fehlende Ablassgelder und auch der Bauernkrieg den Bau der Niklashäuser Kirche stoppen lassen. Weitere ge-schichtliche Zusammenhänge, so Schaupp, seien anschaulich bebildert in der Festschrift zu finden.

Für die katholische Seelsorgeeinheit Großrinderfeld/Werbach sprach Pfarrgemeinderätin Rita Mittnacht-Schmitt. Sie sagte, man könne angesichts des Jubiläums in eine lange und spannende Ge-schichte schauen. Die Kirche erinnere an die tiefe Verwurzelung des Landstrichs in den christlichen Glauben. Es sei ein herrliches Gotteshaus, in dem Christen singen und beten, die Liturgie feiern in einem lebendigen Mittelpunkt der Gemeinde. Menschen hätten viele Bauwerke erstellt, aber nur wenige hätten die geistige Kraft wie die eigene Kirche.

Pfarrer Wolfgang Walch äußerte zu diesem „besonderen Tag“, bei ihm auf dem Schreibtisch stehe auch ein Bild der Kirche in Niklashausen, „großer Chorraum, tolle Akustik“. Diese Kirche erinnere ihn an viele persönliche Ereignisse. So habe er hier seine erste Pfarrstelle gehabt, sei hier eingeführt und später dann nach Afrika verabschiedet worden. Er wünschte, die Menschen könnten Gott neu entdecken. Die drei Pfarrerinnen Barbara Müller-Gärtner, Ulrike Beichert und Andrea Schweizer hatten „Worte und Töne mitgebracht“. Sie sangen als „Damentrio“ mit musikalischer Begleitung „eine halbwegs ernst gemeinte Huldigung auf die Kirche“ in Niklashausen. Dazu trugen sie diverse Verse vor, gewidmet „allen Menschen, die für diese Kirche Zeit eingesetzt haben“ und jeweils mit dem Refrain „im Dom von Taubertal“, welchen die Besucher des Festgottesdienstes freudig mitsangen.

Die Grußwortredner fanden allesamt lobende Worte für das Jubiläum und sprachen gute Wünsche für die Zukunft aus. hpw