Werbach

500 Jahre evangelische Kirche Festgottesdienst zum Geburtstag rückte Geschichte und Bedeutung des Gotteshauses in den Blickpunkt

Ein Ort zum Auftanken und Erfrischen

Archivartikel

Die evangelische Kirchengemeinde Niklashausen feierte am Wochenende das große Jubiläum „Grundsteinlegung der Kirche vor 500 Jahren“.

Niklashausen. Nach dem Konzert am Samstagabend stand am Sonn-tagvormittag ein gut besuchter Festgottesdienst in besagter Kirche im Mittelpunkt. Dieser überspannte den gewaltigen Zeitraum von fünf Jahrhunderten ab 1519 auf sehr schöne Weise.

Lange Tradition

Der Festgottesdienst begann mit „Trumpet Voluntary“, einem stimmigen Orgelvorspiel von Martina Deufel. Pfarrerin Heike Dinse erinnerte in ihrer Begrüßung daran, dass der erste Gottesdienst in dieser Kirche zehn Jahre nach der Grundsteinlegung bereits ein evangelischer gewesen sei. Sie blickte zudem auf die noch längere Tradition, hier christliche Gottesdienste zu feiern, und auf die Zeit Niklashausens als Marienwallfahrtsort und die Zeit der sozialrevolutionären Thesen des Hans Böhm. Über 300 Jahre sei es nur möglich gewesen, so die Pfarrerin, im Raum des Kirchenschiffs Gottesdienste abzuhalten. Erst 1858 habe die Kirche ihre jetzige Gestalt erhalten und könne sich nach einigen Renovierungen heute in ihrer jetzigen stillen Schönheit präsentieren. Die besondere Atmosphäre einer Kirche sei jene als durchbeteter Raum. Generationen von Niklashäuser Christen hätten ihr Leben und ihren Glauben im Gebet vor Gott gebracht, in der Freude wie auch, wenn ihnen schwer ums Herz war. Die Niklashäuser Christengemeinde sei jeweils getröstet und gestärkt in den Alltag zurückgekehrt.

Die Pfarrerin äußerte, die Menschen in Niklashausen hätten, verwurzelt in ihrem Glauben, über Generationen hinweg mitgeholfen, damit die Niklashäuser Kirche heute noch hier stehe. Das Fest und die neuerschienene Chronik forderten dazu auf, sich der Geschichte zu stellen, dankbar zu sein für das Dorf, dessen Geschichte und seine Kirche. Diese Geschichte der Kirche und der Menschen könne helfen, den christlichen Glauben zu bewahren, zu pflegen und immer wieder zu erneuern.

Menschen erfahren Gott

Eine Zeile des folgenden Liedes lautete „Ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein“ und drückte die Gefühlslage Vieler trefflich aus. Im Bußgebet dankte man Gott für viel Gutes, das er die Menschen erfahren lasse, bat, weiterhin zu leiten, und dachte an Fehler und Versäumnisse.

Kirchengemeinderätin Ursula Brümmer las aus der Schrift, es folgte das apostolische Glaubensbekenntnis mit Prädikantin Margit Einzmann, die Organistin spielte „Sonatina“ aus der Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“.

Eintauchen in die Gemeinschaft

Pfarrerin Heike Kuhn unterstrich in ihrer Predigt, in dieser Kirche Gottesdienst zu feiern, sei wie das Eintauchen in die Gemeinschaft. Noch bevor in Niklashausen für die Kirche Stein auf Stein gesetzt worden sei, habe man wegen Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen hierher gefunden. Die Vision des Hans Böhm sei die Vision, die auch Martin Luther hatte, der in der Kirche ansetzte. Dieser Veränderungsprozess bestehe bis heute.

Kuhn lud ein, in Gedanken den Weg zu den Menschen und zu sich selbst zu gehen, „wo bist du, hörst du mich, ich suche nach dir“. Gott rufe die Durstigen zum Wasser, lehre, Sinn von Unsinn zu unterscheiden. Die Bedeutung der Kirche ändere sich, so die Pfarrerin, die Frage nach Gott sei für viele unverständlich wie Worte einer Fremdsprache. Manche bastelten sich individuelle Zufluchten.

Ob der Situation zu resignieren, so Kuhn, könne gerade jetzt zum 500 jährigen Bestehen der Niklashäuser Kirche nur verneint werden. Die Sehnsüchte der Menschen nach einem besseren Leben seien geblieben und man solle kreativ sein, Gottes Verheißungen neu zur Sprache zu bringen.

Die Kirche in Niklashausen sei geöffnet für Gäste, welche unterwegs seien und der Kraft vertrauten, welche der Kirche innewohne. Schon zu fernen Zeiten habe man sich im „kleinen Dom des lieblichen Taubertals“ erfrischen können. Hier könne man weiter zur Ruhe kommen, gestärkt werden in der Hoff-nung auf eine bessere Welt, auftanken für die nächste Wegstrecke.

Beim Lied der Kinderkirche erfreuten die Zeilen „gut, dass wir nicht uns nur haben, gut, dass wir ei-nander haben, gut, dass wir einander sehen und dass Gott in unsrer Mitte ist“. Zwischen den Grußworten [gesonderter Bericht] trug der Singkreis „Ti Elotse“ aus Külsheim unter der Leitung von Christa Gutmann auf gekonnte Weise zuerst „Singa Yesu Singa“ (Lobet den Herrn, preist ihn, der uns erlöst hat) vor und später das Traditional „Singt heilig“.

Dank an alle Helfer

Prädikantin Margit Einzmann sprach mit den Mitgliedern des Kirchengemeinderates Höhefeld das Fürbittgebet, viele Bereiche des menschlichen Lebens betreffend.

Pfarrerin Dinse meinte ob der Dauer des Gottesdienstes von fast zwei Stunden schmunzelnd, eine solche Überlänge gebe es nur ein Mal in 500 Jahren. Sie betonte, ein solches Jubiläum zu feiern, sei nur möglich, weil sehr viele aus der Gemeinde mitarbeiteten. Das Orgelnachspiel von Martina Deufel und Toccata“ beschlossen die Würdigung der „Grundsteinlegung der Niklashäuser Kirche vor 500 Jahren“.