Werbach

Gedenkfeier In der ehemaligen Synagoge in Wenkheim wurde der Geschehnisse des 9. November 1938 gedacht

Erinnerungen als Mahnung wachhalten

Die Erinnerungen an die Geschehnisse wachhalten, dies ist für die Teilnehmer an der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht eine immerwährende Verpflichtung.

Wenkheim. "Gemeinsames Erinnern ist Grundlage für gemeinsames Leben!", unter diesem Motto veranstalteten die Gemeinde Werbach, der DGB-Kreisverband Main-Tauber und der Verein "die schul. Gedenkstätte Synagoge Wenkheim" eine Gedenkstunde zur Reichspogromnacht am 9. November 1938. Mit dem original erhaltenen Betsaal der ehemaligen Synagoge in Wenkheim hatte man den würdigen Rahmen für diesen Anlass zur Verfügung.

Werbachs Bürgermeister Ottmar Dürr begrüßte die recht zahlreich erschienenen Gäste. Dabei ganz besonders die Vorsitzende des Vereins "die schul. Gedenkstätte Synagoge Wenkheim", Dr. Katharina Bähne, den Ehrenvorsitzenden des Vereins, Hansjörg Ghiraldin, den DGB-Vorsitzenden Rolf Grüning, sowie den ehemaligen Ortsvorsteher Wenkheims, Walter Schmidt. Dabei stellte er fest, dass bei der Veranstaltung vier Kreisräte aus vier Parteien und ein ehemaliger Kreisrat aus einer weiteren Partei anwesend waren. Das zeige doch, dass das Gedenken an diese dunkle Zeit Deutschlands parteiübergreifend wach gehalten werde.

In seiner weiteren Ansprache wies er darauf hin, dass die Schändung der Synagogen und die Zerstörung der Gebäude und Einrichtungen vor allem auf die religiösen und geistigen Zentren und somit in das Herz des Judentums zielten. Dies war aber erst das Vorspiel auf das, was dann mit der Ermordung von rund sechs Millionen europäischen Juden folgte.

"Hier in dieser ehemaligen Synagoge wollen wir die Erinnerung wach halten, wollen die Steine, die furchtbares gesehen haben, zum Sprechen bringen." Diese Steine und diese Synagoge sollen ein Ort der Erinnerung, des Gesprächs, gerade auch für die Jugend sein. "Nie wieder dürfen wir wegschauen, blind und ängstlich werden gegenüber jenen, die Intoleranz, Antisemitismus und Rassenhass predigen. "

Nicht wegschauen

Katharina Bähne trat in ihren Worten den ganz normalen Mitbürgern, die wegschauen wollen, die nicht an die Gräuel erinnert werden wollen, für die es nun "genug der Erinnerung" sei, entgegen. "Ein klares Nein, es ist nicht genug, wir müssen daran erinnern, wir müssen Stolpersteine aufstellen, Mahnmale errichten wie in Neckarzimmern, den Zeitzeugen zuhören so lange wir sie noch haben und die Erinnerung fortleben lassen. Wenn es jemals genug ist, dann haben wir einen großen Teil unserer Menschlichkeit aufgegeben."

In den Textlesungen durch Vereinsmitglieder wurde aus der Biografie von Chana Sass aus Tauberbischofsheim, von Bruno Stern aus Niederstetten und aus dem Buch "Der Judenacker" von Ulrich Völklein Ausschnitte vorgetragen. Die Betroffenheit der Besucher über diese Schicksale war geradezu greifbar.

Das Schlusswort zur Gedenkfeier hatte Rolf Grüning als Vertreter des DGB. Er sprach davon, dass wir als heutige Generation für diese Verbrechen zwar nicht schuldig, aber sehr wohl verantwortlich dafür sind, dass so etwas nie wieder geschieht. Die Ereignisse der Reichspogromnacht seien das zwangsläufige Ergebnis eines langen Prozesses gewesen, dem eine Phase vorausging, in der die Hassprediger immer mehr Oberwasser bekamen.

Wenn hier und heute der Opfer des Nazi-Regimes gedacht werde, dann stellen wir uns auch gegen das Vergessen, Verdrängen und Verharmlosen. Und w alle Teilnehmer setzen mit dieser Gedenkstunde gemeinsam ein Zeichen des Einsetzens für Menschlichkeit, Menschenrechte und für die Grundwerte unserer Demokratie.

Mathias Semel hatte die Feier am Klavier mit Werken von Bach, Beethoven und Chopin hervorragend musikalisch begleitet. wbp