Werbach

Gamburg Am Freitag, 5. Juli, gibt es einen interessanten Vortrag zum Kampf gegen Adolf Hitler

Fritz Gehrlich und der Widerstand

Archivartikel

Gamburg.1930 erwarb der Archivar, Autor und ehemalige Chefredakteur der Münchner „Neuesten Nachrichten“, Fritz Gerlich, zusammen mit dem Unternehmer Erich Fürst von Waldburg-Zeil die Wochenzeitschrift „Illustrierter Sonntag“, die 1932 in „Der gerade Weg“ umbenannt und zu einem katholischen Kampfblatt gegen Nationalsozialismus und Kommunismus entwickelt wurde.

Tagungen als Ausgangspunkt

Ausgangspunkt waren zwei vom Fürsten auf Schloss Zeil sowie vom Journalisten und ehemaligem Sekretär des Kardinals Faulhaber, Hans-Georg von Mallinckrodt senior, auf Schloss Sünching organisierte Tagungen.

Aus diesen entstand bald die „Katholische Tatgemeinschaft“ mit Sitz in der Abtei Neuburg, die eine seelische und politische Erneuerung im „spürbar kommenden Geisteskampf“ herbeiführen wollte.

Unter den Redakteuren des „Geraden Wegs“ waren neben von Mallinckrodt auch der Kapuzinerpater Ingbert Naab, der im Blatt unter anderem einen offenen Brief an Hitler schrieb, der auch als Flugblatt verbreitet wurde.

Gerlich selbst schrieb mit rot gedruckten Schlagzeilen bissig bis höhnisch gegen Hitler an, während die Auflage bis zu 110 000 Exemplare erreichte.

Scharfer Kritiker

Seit dem Hitlerputsch war er ein immer schärferer Kritiker der Nazis geworden.

Ebenso prägend war eine Reise, um den „Schwindel“ der stigmatisierten Mystikerin Therese Neumann zu entlarven. Er kam jedoch tief bewegt zurück, ließ sich von ihr beraten und konvertierte schließlich zum katholischen Glauben.

Brisante Informationen

Für seine Arbeit griff er außerdem auf „Moskauer Geheimberichte“ und auf brisante Informationen des Doppelagenten Georg Bell über die NSDAP, unter anderem zum Reichstagsbrand, zurück.

Versuche, den Reichspräsidenten persönlich vor der drohenden Gefahr der Machtergreifung zu warnen, blieben erfolglos.

Schließlich wurde die Redaktion von der SA gestürmt und Gerlich zusammengeschlagen und verhaftet. Am 1. Juli 1934 wurde er im Konzentrationslager in Dachau von den Nazis erschossen.

Anlässlich des 85. Todesjahres findet auf der Gamburg am 5. Juli 2019, um 19.30 Uhr ein Vortrag über Fritz Gerlich statt, dessen früher Widerstand gegen Hitler erst in den letzten Jahrzehnten gewürdigt wurde.

Enkel des Mitstreiters

Der vortragende Goswin von Mallinckrodt ist ein Enkel von Gerlichs Mitstreiter, dem späteren Burgherren Hans-Georg von Mallinckrodt senior. Er beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Geschichte der Gamburg, welche von seiner Familie bewohnt und wiederbelebt wird, und hält dazu regelmäßig Vorträge.