Werbach

Ehemalige Synagoge Schriftstellerin Mirjam Pressler ist am Montag, 8. Oktober, in Wenkheim zu Gast

Lesen und schreiben, um zu überleben

Wenkheim.Mirjam Pressler ist am Montag, 8. Oktober, 19 Uhr in der ehemaligen Wenkheimer Synagoge zu Gast.

Dem Verein „die schul – Gedenkstätte Synagoge Wenkheim“ ist es gelungen, die erfolgreiche Schriftstellerin und Übersetzerin zu einer Lesung zu verpflichten. Ihr Werk ist seit den 80ern bestens bekannt: Viele Kinder- und Jugendgenerationen waren begeistert von ihren Romanen. Solche wegweisenden Romane wie „Bitterschokolade“ „Kratzer im Lack“ oder das vielfach ausgezeichnete „Malka Mai“ wirken über die Zeit und stehen noch immer für eine emanzipatorische Jugendliteratur.

Ein Grund dafür, dass die Autorin trotz ihrer 79 Jahre noch immer schreibt, Bücher herausgibt und zudem viel und gern gelesen wird, ist, dass sie selbst als Kind und Jugendliche das Lesen als „Überlebensmittel“ erfahren hat.

Mirjam Pressler wurde als Tochter einer jüdischen Mutter 1940 geboren. Die Nazizeit überlebte sie in Pflegefamilie und Kinderheim. Nach der Schule studierte sie an der Frankfurter Akademie der Bildenden Künste, anschließend Philologie in München. In den 60ern lebte sie für einige Zeit in einem Kibbuz in Israel; 1964 heiratete sie und zog drei Töchter groß. Damals begann sie mit dem Schreiben. Bereits für ihren ersten Jugendroman „Bitterschokolade“ erhielt sie 1980 den „Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis“. In der Folge erschienen fast jährlich Romane. Seither ist sie eine der wichtigsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen und erhielt mehrfach den „Deutschen Jugendbuchpreis“.

Neben der Tätigkeit als Schriftstellerin erlangte Mirjam Pressler auch als Übersetzerin vor allem aus dem Niederländischen und dem Hebräischen große Anerkennung. Weltbekannte israelische Autoren wie Zeruya Shalev und Amos Oz wurden von ihr ins Deutsche übertragen. In fast 40 Jahren übersetzte sie mehr als 300 Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbücher und schrieb selbst über 30 Kinder- Jugend- und Erwachsenenbücher. Zu einer ihrer wichtigsten und für sie persönlich nachhaltigsten Arbeiten wurden ihre Übersetzungen für die kritische Ausgabe des „Tagebuchs von Anne Frank“. Für diese Gesamtausgabe übersetzte sie alle auffindbaren Tagebuchtexte, Geschichten und Gedichte von Anne Frank.

Die Familie Frank blieb eines ihrer großen Themen: 1992 publizierte Pressler mit „Ich sehne mich so“ eine eigene Biografie von Anne Frank, 2009 dann das Buch „Grüße und Küsse an alle. Die Geschichte der Familie von Anne Frank“.

Neben vielen literarischen Auszeichnungen erhielt sie 2013 auch die Buber-Rosenzweig-Medaille. In der Laudatio wurde betont, dass es ihr in ihrem Werk gelang, jüdisches Leben in der Zeit des Nationalsozialismus und danach den nachwachsenden Generationen, erzählerisch nahe zu bringen. Ihre mutige Darstellung „beschädigter Kindheiten“ kann immer als Plädoyer für eine offene und tolerante Gesellschaft begriffen werden. Im Mittelpunkt der Lesung am 8. Oktober um 19 Uhr steht das Buch „Grüße und Küsse an alle. Die Geschichte der Familie von Anne Frank“. Ein Büchertisch gibt Gelegenheit, die Autorin (wieder) zu entdecken. Der Eintritt ist frei. pm