Werbach

Waldbegehung Forstfachleute machten im Distrikt auf den starken Befall bei den Eichenbeständen aufmerksam / Vielfalt des Waldes erhalten

Schwammspinner bereitet sehr große Sorgen

Archivartikel

Zur traditionellen Waldbegehung trafen sich der Werbacher Gemeinderat zusammen Forstamtsleiterin Dagmar Wulfes und Revierförster Martin Sauer am Freitagnachmittag im Distrikt Hardt.

Werbach. Der Distrikt Hardt mit rund 50 Hektar Fläche, rechts der Tauber zur Gemarkung Böttigheim hin gelegen, biete eine Menge an interessanten Fakten, um einen Überblick über den Wald zu geben, erklärte Forstdirektorin Dagmar Wulfes. Hier befinden sich vor allem große Eichenbestände mit zehn bis 20 Jahren alten, aber auch bis zu 100-jährigen Bäumen sowie zahlreiche Douglasien.

Große Sorgen bereite vor allem der Schwammspinner, der bereits jeden dritten Baum befallen habe, sagte die Forstamtsleiterin: „Wir stehen am Beginn einer Massenvermehrung und am Anfang einer Katastrophe.“

Der Schwammspinner sei der wichtigste forstliche Schädling und könne die Bäume kahl fressen. Der Schwammspinner sei ein Profiteur des Klimawandels, da er ein wärmeliebender Schmetterling sei. Schwerpunkte des Schädlings seien der Wald in Külsheim und Werbach.

Bereits 1990 habe man eine Pandemie erleben müssen. Die Folgeschäden seien fünf Jahre spürbar gewesen bis hin zur Auflösung von Eichenbeständen. Sekundär kämen der Eichenmehltau, Prachtkäfer und Eichenprozessionsspinner hinzu, der eher gesundheitlich problematisch für die Menschen einzustufen sei. Andererseits gebe es auch eine Parasitierung, die etwas für Entspannung sorgen könnte.

Überlebenskünstler

Man stehe mit der forstlichen Versuchsanstalt Freiburg hinsichtlich einer Bekämpfung des Schwammspinners in engem Kontakt, informierte die Forstamtsleiterin weiter. So gebe es die Möglichkeit, das Mittel Mimic, ein Häutungsbeschleuniger, einzusetzen. Vor dem Jahr 2020 werde man das Mittel jedoch nicht spritzen. Zum Glück sei die Eiche aber auch ein Überlebenskünstler mit ihrer Fähigkeit zu Nach- und Ersatztrieben. „Wir dürfen die Eichen nicht verlieren“, unterstrich Dagmar Wulfes. Dazu gehöre, dass man Jungbestandspflege im vorhandenen 20- bis 30-jährigen Eichenbestand betreibe, wie Revierförster Martin Sauer erklärte. Die letzte Maßnahme sei 2011 auf einer Fläche von 0,4 Hektar erfolgt. In diesem Jahr entnehme man dazu Bäume, die „sehr protzig sind und den Eichen das Leben schwer machen“, so der Forstamtsmann. Hier werden Kosten von 200 bis 300 Euro anfallen. „Wir wollen einen wertvollen Wald und nehmen deshalb die Bedränger heraus“, ergänzte Wulfes. „Denn wir brauchen eine große Vielfalt im Wald auch im Hinblick auf den Klimawandel .“ Und die Eiche komme mit trockenem Wetter gut zurecht.

Ebenso lege man Wert auf die Verjüngung der Weißtannennaturen. Gefährdet sei die Weißtanne durch Verbissschäden, „denn das Rehwild geht gerne an die Weißtanne, das ist ein richtiger Hot-Spot“, so Martin Sauer. In den Jahren 2015 und 2017 habe man unter anderem chemische Verbissschutz- und Streichmittel eingesetzt. Dadurch erreichte man weniger Verbiss und damit eine gute Entwicklung der Leittriebe. Zu viel Wild im Wald bedrohe den Aufbau von klimastabilen Wäldern, wiesen die Forstverantwortlichen auf den PEFC-Standard hin, der auch für den Werbacher Wald gelte. Angepasste Wildbestände seien Grundvoraussetzung für eine naturnahe Waldbewirtschaftung im Interesse der biologischen Vielfalt. Deshalb müsse man darauf hinwirken, dass in bewirtschaftetem Waldgebiet möglichst viel Wild geschossen werde, betonte Wulfes. Entsprechend könne man auch die Jagdverpachtverträge gestalten.

Naturverjüngung

Im weiteren Verlauf der Waldbegehung wurde im Distrikt Hardt eine Abteilung besichtigt, in der Douglasienbestände angelegt und gepflegt werden. Auch hier werde eine Naturverjüngung und Kultursicherung durch verschiedene Maßnahmen angestrebt, die ebenso der Wirtschaftlichkeit des Waldes zugute kommen sollen.

In diesem Zusammenhang informierte Martin Sauer, dass sich auf dem Holzmarkt ein Wandel vollzogen haben. So würden die Sägewerke ungeastete Douglasien oft nur noch bis zu einem Durchmesser von 40 bis 50 Zentimeter annehmen. Stärkeres Holz würde ansonsten schlechter bezahlt. Das sei eine neue Entwicklung auf dem Holzmarkt. Deshalb müsse man rund 200 Festmeter zügig herausnehmen, um das Holz schnell auf den Markt bringen.

„Die Gemeinde Werbach weiß, was sie an ihrem Wald hat“, wies Bürgermeister Ottmar Dürr auf die Erholungsfunktion und die Bedeutung des Waldes im Hinblick auf die klimatischen Veränderungen hin. Zum Glück sei man gut über das Sturmtief „Fabienne“ hinweggekommen.

Bei der Waldbegehung habe man einen tollen Einblick in den kommunalen Wald erhalten, dankte Dürr den Forstleuten für die gute Betreuung und Unterstützung: „Unser Wald ist bei Ihnen in besten Händen.“