Werbach

Walter Seubert wird heute 80 Aus einem Einmannbetrieb wurde „Feinkost Seubert“ mit 75 Mitarbeitern

Unternehmer mit Leib und Seele

Archivartikel

Wenkheim/Steinbach.Täglich trifft man Walter Seubert immer noch in seiner Firma in Wenkheim und das, obwohl er am heutigen Samstag 80 Jahre alt wird. Wochenende oder Feiertag sind dem umtriebigen Unternehmer fremd. Er lebt für seine Firma, die er zusammen mit seiner Frau Edith, sie starb 2010, 1970 gründete.

Bei der Firma Seubert Feinkostmanufaktur werden hochwertige Produkte für die Gastronomie gefertigt. Was anderswo als „Convienence Food“ mit „Fertigprodukt“ übersetzt wird, ist bei Seubert handgefertigte Spitzenware als Unterstützung von Gastronomie, Catering und Kantinen in kleineren und größeren Mengen.

Idee kam in den USA

Die eigentliche Idee zu diesen Produkten kam Walter Seubert bei seinem Aufenthalt in den USA. Dort wurden schon in den 60er Jahren in großen Hotels einzelne Produkte vorproduziert, tiefgefroren und bei großen Büfetts zeitgerecht aufgetaut und angerichtet. Diese Form der Unterstützung von Küchen muss man doch auch in Deutschland anbieten können, war damals die Idee des gelernten Konditors und Kochs, als er 1968 nach Deutschland zurückkam.

Zuvor hatte er sich den Wind um die Nase wehen lassen – wie man so schön sagt. Aufgewachsen im Altertheimer Ortsteil Steinbach, damals gab es dort nur eine Schulklasse für alle Schüler von der ersten bis zur achten Klasse mit einem Lehrer, lernte Seubert im Café Konrad in Tauberbischofsheim Konditor. Nach der Lehre wurde er von einem Kollegen angesprochen, ob er nicht auch noch Koch zusätzlich lernen möchte. Da sei man flexibler. Er lernte also weiter, dieses Mal im „Adler“ in Memmingen und als die Lehrzeit zu Ende war, ging es gleich in ein großes Hotel nach England.

Nicht die Auslandserfahrung trieben Seubert damals, sondern die „Flucht“ vor der Wehrpflicht. Er hatte den Zweiten Weltkrieg als Kind noch miterlebt und ist bis heute überzeugter Pazifist geblieben. In England lernte er neben einer Verfeinerung seiner Kochkenntnisse die Landessprache und qualifizierte sich damit für andere Länder, in denen Englisch gesprochen wird. Es zog ihn in die Karibik. Erste Station war Jamaika, damals noch englische Kolonie. Hier blieb er zwei Jahre, bevor es nochmals kurz zurück nach Deutschland ging.

1964 erreichte ihn der Ruf eines Unternehmers, der auf den Bermudas ein Hotel Princess mit 400 Betten eröffnen wollte. Seubert sollte dort Abteilungskoch für die kalte Küche werden. „Wir wurden alle nach London beordert und von da aus brachte uns ein Flugzeug in 22 Stunden auf die Bahamas, Direktflüge gab es damals noch nicht. Wir waren eine internationale Mannschaft, die Hausdame kam beispielsweise aus Frankreich und die Köche aus Deutschland oder der Schweiz“.

Küchenchef auf den Bermudas

Kurze Zeit später wechselte Seubert auf die Bermudas, dort wurde er Küchenchef. Mit weiteren Stationen über die USA, im Boston Sheraton, und Puerto Rico schloss er seine Auslandserfahrungen ab. Das war ihm damals aber noch nicht klar. Er wollte 1968 nur kurz in Neu-Isenburg in der „Gutsschänke Neuhof“ aushelfen. Doch da lernte er seine spätere Frau kennen. „Sie war Sekretärin eines echten Patriarchen“, erinnert sich Seubert. „Für mich wurde sie die beste Mitarbeiterin die man sich vorstellen kann“.

So stand man vor der Entscheidung, weiter durch die Welt zu ziehen oder in Deutschland zu bleiben. Seubert entschloss sich für Letzteres. In den USA hatte er die Vorfertigung von Gerichten für Stoßzeiten oder Büfetts schon kennengelernt und wollte das System nach Deutschland übertragen. In einer alten Metzgerei in Wenkheim entstanden die ersten Muster.

Seubert setzte sich in sein Auto und stellte die Produkte den regionalen Köchen und Hotels vor. Die zeigten anfangs wenig Interesse. Erst als die Hilton-Gruppe ihre Hotels in München, Düsseldorf und Mainz eröffnete, kam die Produktion von Walter Seubert ins Laufen. Er kannte die Küchenchefs aus seiner Zeit in Amerika und der Karibik. Es folgten Großaufträge für die Lufthansa oder in den letzten Jahren beispielsweise die Kantinen von Mercedes Benz oder BMW. „Wenn sie bei BMW ein Münchner Schnitzel essen, dann kommt das von uns“, spricht ein stolzer Unternehmer.

Seit 48 Jahren steht die Seubert Feinkostmanufaktur nun schon für Innovation und kontinuierliche Weiterentwicklung. Diese Innovationsfreude und das Hören auf die Wünsche der Kunden ist es, was Walter Seubert in all den Jahren von der Konkurrenz unterscheidet. Mittlerweile werden 250 Produkte serienmäßig in der Firma gefertigt. Hinzu kommen noch die speziellen Kundenwünsche, so wie aktuell 400 Stubenküken, die gehälftet und teilentbeint für den Kunden vorbereitet werden.

Stetig gewachsen

Der Betrieb ist stetig gewachsen und stößt nun an seine Grenzen am Standort in Wenkheim. Deshalb entschlossen sich Walter Seubert und sein Sohn Marcus, der seit 1995 ebenfalls in der Geschäftsleitung tätig ist, einen kompletten Neubau in Gerchsheim zu errichten. Dort entsteht aktuell der neue Firmensitz nach modernsten Gesichtspunkten und auch hier schaut Walter Seubert täglich vorbei, um die Arbeiten zu überwachen und notfalls eingreifen zu können.

„Ich bin Springer und erledige alles, was im Betrieb notwendig ist“, beschreibt Walter Seubert seine Tätigkeit. Er ist sich auch nicht zu schade, sich in ein Lieferauto zu setzen und die Ware zum Kunden zu bringen, wenn alle anderen Fahrer ausgelastet sind.

Walter Seubert lebt für seine Firma – und das hält ihn wahrscheinlich jung.

„Nie hätte ich gedacht, dass ich nach Steinbach zurückkehre“, fasst er seine Lebensreise zusammen. Er wohnt wieder in dem Ort, in dem er geboren wurde, und genießt an den Abenden das Sitzen auf der Terrasse bei gutem Essen und einem Glas Rotwein. Seubert ist eben auch ein Genussmensch. m ae