Werbach

Verein „die schul“ Am Montag, 23. April, wird der Film „Atomic Falafel“ gezeigt

Viele Klischees mit Intelligenz und Chuzpe

Wenkheim.Den Weltfrieden mit Kichererbsen-Bällchen retten? Das scheint zu klappen, zumindest während der anderthalb unterhaltsamen Stunden im Kino in der ehemaligen Synagoge in Wenkheim. Der Verein „die schul.“ zeigt den ersten Film der aktuellen SYNema-Reihe.

„Atomic Falafel“ ist eine bitter-scharfe Kriegstreiber-Satire von Dror Shaul, die angesichts der weltweiten Muskelspiele unfreiwillige Tagesaktualität erlangt hat. Iran und Israel stehen in der Komödie kurz vorm heißen Krieg. Das gibt Gelegenheit, sich Klischees vorzuknöpfen – und ein wenig Hoffnung zu verbreiten. „Ihr habt angefangen!“ – „Nein, Ihr habt angefangen!“ Wie kleine Kinder beschuldigen einander in einer absurden Internetkonferenz hohe Militärs auf iranischer und israelischer Seite. Je unversöhnlicher die Argumente hin- und herfliegen, umso unerbittlicher zählt die Uhr die Sekunden bis zum Zero.

Raketen der Israelis sind auf eine Plutoniumlagerstätte im Iran gerichtet. Der Weltfrieden ist gefährdet, aber die verfeindeten Militärs – kommentiert von Zuschauern Seiten – streiten erbost weiter. Doch Dror Shaul setzt zur Lösung des Konflikts nicht auf die Vernunft der Erwachsenen, sondern auf den gesunden Menschenverstand und Lebenswillen der nächsten Generation. Nofar zum Beispiel: eine romantische Teenagerin, die mit ihrer attraktiven Mutter Mimi einen Falafel-Truck durch die israelische Wüste bewegt und manövergeplagte Soldaten mit der orientalischen Leibspeise versorgt, natürlich mit ganz scharfer Soße. Die haut dann auch den smarten Deutschen Oliver Hahn um, der als Inspektor in einer internationalen Atomkommission einen Kontrollbesuch in Israel tätigt.

Alle nur denkbaren Klischees, das offizielle strikte Freund-Feind-Bild im verfeindeten Nahen Osten, die totale Identifikation der Militärs mit ihrem Land Israel, der strenge Sittenkodex von Muslimen, der jüdische Mythos des Erinnerns, werden mit Intelligenz und Chuzpe konterkariert. Die Sympathieträger und Garanten einer Zukunft im Nahen Osten bilden hier Liebende, die junge Generation und die Kunst – unglaublich schön die Songs der deutsch-iranischen Rapperin Bahar Henschel.

Frieden ist in diesem Teil der Welt zwar immer noch Utopie. Doch wer auf einem Pulverfass lebt, braucht künstlerische Fantasie. Und davon lebt diese ausgelassene, absurde und mutige Komödie. Unbedingt hingehen und den Nahen Osten neu erleben.

Der „Vorhang“ hebt sich am Montag, 23. April, um 19.30 Uhr bei freiem Eintritt. Des Jahresprogramms sowie detailliertere Informationen finden sich unter www.synagoge-wenkheim.de im Internet.