Werbach

Informationsabend Die Kontaktstelle „Frau und Beruf“ präsentierte gemeinsam mit der Leader-Aktionsgruppe das „Projekt Selbstständigkeit“

Wichtige Unterstützung auf einem langen Weg

Frauen aus der Region können auf dem Weg in die Selbstständigkeit über das Leader-Programm unterstützt werden. Zwei erfolgreiche Gründerinnen berichteten von ihren Erfahrungen.

Werbach. Frauen in der Selbstständigkeit – mittlerweile keine Seltenheit mehr. Fast ein Drittel aller Selbstständigen sind laut einer Statistik von 2014 Frauen. Auch im Main-Tauber-Kreis gibt es positive Beispiele hierzu.

Im Rahmen eines Informationsabends unter dem Motto „Projekt Selbstständigkeit – von der Idee zur Gründung“ berichteten zwei Frauen von ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Veranstaltet wurde der Abend von der Kontaktstelle „Frau und Beruf“ Heilbronn-Franken und der Leader-Aktionsgruppe Badisch-Franken.

Der Veranstaltungsort war mit dem Hotel „Belle Maison“ in Werbach gleichzeitig eines der beiden umgesetzten Unternehmensprojekte, die an dem Abend vorgestellt wurden. Michaela Baumann baute ein leerstehendes Haus zu einem Hotel um und finanzierte die Maßnahmen zum Teil über das Leader-Förderprogramm.

„Ich bin tausend Mal an dem Haus vorbei gegangen und dachte mir: Da könnte man sowas Schönes daraus machen.“ Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die gelernte Vermessungstechnikerin keinerlei Erfahrungen in der Hotelbranche. Trotzdem hielt sie an ihrem Weg fest.

Zuerst informierte sie sich bei der Bank über Finanzierungsmöglichkeiten und entwarf ohne einen festen Architekten die Pläne für das Hotel. „Es war ein langer Weg“, erinnert sich Baumann.

Von Werbachs Bürgermeister Ottmar Dürr erfuhr sie dann von der Leader-Fördermöglichkeit. Schriftlich reichte sie ihre Projektidee für das Leader-Förderprogramm ein und durchlief erfolgreich das Bewilligungsverfahren. „Ich hatte zuerst Angst, dass ein Berg an Bürokratie auf mich zukommt. Es hat aber alles prima geklappt und ich bin hellauf begeistert von dieser Möglichkeit.“

Begegnungsstätte geschaffen

Auch Madeleine Weiß profitierte vom Leader-Förderprogramm und verwirklichte sich so den Traum von der Selbstständigkeit. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und unter tatkräftiger Unterstützung beider Elternteile baute sie auf einem Grundstück in Freudenberg eine über 100 Jahre alten Scheune und einem ehemaligen Kuhstahl zu einer Begegnungsstätte mit einem vielfältigen Angebot um. Im „Heimarthof“, wie sie ihr Projekt tauften, gibt es einen Hofladen, der regionale Lebensmittel, Backwaren, Wild und Fleisch von Erzeugern anbietet, denen sehr an der Nachhaltigkeit gelegen ist. In Seminarräumen können Kurse der unterschiedlichsten Art und Vorträge stattfinden, die sich mit den verschiedenen Lebensbereichen wie Gesundheit, persönliche Entwicklung oder auch Fragen der Unternehmensführung beschäftigen. „Holen Sie sich Freunde und die Unterstützung Ihrer Familie dazu“, riet Madeleine Weiß den Teilnehmerinnen. Es sei ein langer und manchmal nicht einfacher Weg von der Idee bis zur Umsetzung des Projektes, aber es lohne sich, bis zum Ende durchzuhalten.

Silke Diehm von „Frau und Beruf“ informierte die Frauengruppe über Beratungsmöglichkeiten der Kontaktstelle. Zu ihr kämen Frauen aus unterschiedlichen beruflichen Situationen, zum Beispiel nach einer beruflichen Auszeit aufgrund der Pflege eines Angehörigen oder einer Elternzeit. „Wir haben eine Art Lotsenfunktion“, beschrieb Diehm die Arbeit der Kontaktstelle.

„Wir schauen, wo stehen die Frauen, wo wollen sie hin und wie kommen sie dahin.“ Ziele der Anlaufstelle seien zudem die Förderung der Gleichstellung von Frauen im Berufsleben, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Erschließung des Fachkräftepotenzials von Frauen für Unternehmen.

Marktanalyse und Businessplan

Wer über eine Selbstständigkeit nachdenkt, sollte „das Für und Wider“ gut abwägen“, riet Diehm. „Sie müssen ehrlich zu sich selbst sein und bewerten, ob Ihre Idee Potenzial hat.“

Hierfür sei es wichtig, eine Marktanalyse vorzunehmen und dann einen detaillierten Businessplan zu erstellen. Außerdem müssten Gründer Eigenschaften wie Branchenkenntnis, Risikobereitschaft, Selbstdisziplin und Zielstrebigkeit mitbringen.

Unternehmensgründungen im Main-Tauber-Kreis können über das Leader-Programm der Europäischen Union gefördert werden. Lena Marie-Schindler von der Leader-Aktionsgruppe Regionalentwicklung Badisch-Franken informierte die teilnehmenden Frauen über das Förderprogramm und ging auch auf verschiedene Fragen aus der Runde ein. Leader unterstütze Projekte auf Grundlage eines regionalen Entwicklungskonzepts, das sich über insgesamt fünf Handlungsfeldern, wie Innenentwicklung, regenerative Energien und Bürgerengagement, erstreckt. „Der Fördersatz kann je nach Handlungsfeld bis zu 50 Prozent der Nettokosten betragen, eine Vorfinanzierung muss aber sichergestellt sein“, stellte Lena-Marie Schindler klar.

Bewerbungen für das Förderprogramm sind noch bis Ende 2019 möglich. Neben Privatpersonen können auch Verbände, Vereine und Unternehmen einen Antrag stellen. Nach Antragstellung entscheidet ein Ausschuss aus verschiedenen Bereichen wie Wirtschaft, Bildung, Naturschutz, und Kultur über die Vergabe der Gelder.