Werbach

Ehemalige Synagoge Wenkheim Gedenkfeier zur Reichspogromnacht am Freitag, 9. November / Ökumenischer Gottesdienst und Textlesungen

Zeichen für eine friedliche Gesellschaft setzen

Archivartikel

Wenkheim.Die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht findet am Freitag, 9. November, ab 19.30 Uhr inder verschont gebliebenen Wenkheimer Synagoge statt. Alle Interessierten können in die ehemaligen Synagoge kommen, um zum Gedenken und zur Mahnung beizutragen und ein Zeichen für eine friedliche Gesellschaft zu setzen.

Am 9. November 2018 jähren sich die als „Reichspogromnacht“ in die Geschichte eingegangenen und von den Nationalsozialisten als „Reichskristallnacht“ verherrlichten Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich. Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30 000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, wo Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben. Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in den Holocaust mündete.

Bis Oktober 1938 waren die drei bisher größten deutschen Konzentrationslager in Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen stark ausgebaut worden, so dass sie nunmehr zehntausende Gefangene aufnehmen konnten. Obwohl in Dachau bis dahin keine Juden inhaftiert waren, erhielt die Lagerleitung dort am 25. Oktober den Befehl, 5000 Judensterne auf Häftlingskleider zu nähen. Zusätzliche Matratzen und Stroh wurden angeliefert.

Die NSDAP nutzte das am 7. November 1938 in Paris durch Herschel Grynszpan verübte Attentat auf den Legationssekretär Ernst Eduard vom Rath als Anlass, um der unzufriedenen Parteibasis Gelegenheit zum Handeln gegen jüdisches Eigentum zu geben und die Juden beschleunigt dann auch gesetzlich aus dem deutschen Wirtschaftsleben auszuschalten. Propagiert wurde das Wüten von SA und Mitläufern als „spontaner Volkszorn“.

Über 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört.

Die Wenkheimer Synagoge überstand diese Nacht ohne Brandanschlag, weil die Gefahr eines Feuerübergriffs auf Nachbargebäude als zu groß eingeschätzt wurde. Das Gebäude selbst wurde so gerettet. Gleichwohl wurde auch in Wenkheim die Inneneinrichtung zerstört, die Thora-Rolle geschändet und eine weitere Nutzung als Gotteshaus beendet.

Der Verein „die schul. Gedenkstätte Synagoge Wenkheim“ will die Erinnerung an diese Zeit wach halten und hat in der ehemaligen Synagoge eine Stätte gefunden, in der mit Veranstaltungen zu den Themen jüdisches Leben in Dialog, Musik und Kino stattfinden.

Ein Höhepunkt war in diesem Jahr sicher die Beteiligung am Mahnmal Neckarzimmern durch die evangelische Jugendgruppe Wenkheim und das Setzen des Gedenksteines in Wenkheim. Die Inschrift „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es ist aber deine Schuld, wenn sie so bleibt“ zeigt die Verantwortung der heutigen Generation für den Umgang der Menschen untereinander auf. Dieser Verantwortung dürfe man sich mit Blick auf die Zukunft nicht entziehen, heißt es weiter in dem Bericht des Vereins.

Und so findet zum Andenken an die Opfer, deren Leidensweg oft schon vor dem 9. November 1938 begann, und zur Mahnung gegen jede Form von Gewalt, in den Räumen eben dieser vom Feuer verschonten Synagoge eine Gedenkfeier statt. Der Abend wird von einem ökumenischen Gottesdienst eingeleitet, den Pfarrer Habiger von der evangelischen und Pfarrer Konrad von der katholischen Kirchengemeinde gestalten. Im Anschluss werden die Geschehnisse von 1938 in Form von Textlesungen erfahrbar gemacht, die konkrete Schicksale unserer näheren Heimat dokumentieren.