Wertheim

„22 aus 113“ für den neuen Gemeinderat

Von unserem Mitarbeiter Elmar Kellner

Einen schönen guten Tag möchte ich Ihnen, liebe Leser, heute einmal wieder in klassischer „Passiert, notiert, glossiert“-Manier wünschen. Haben Sie die eine Stunde weniger Schlaf inzwischen verkraftet? Und sich nicht allzu häufig in den „April schicken“ lassen? Gut. Rein wettertechnisch soll uns ja ein Wochenende und ein Wochenbeginn voller Frühlingsgefühle bevorstehen, ehe es dann wieder kühler werden könnte.

Damit wäre das ein weiterer Vorgeschmack auf Ostern. Das Fest „beginnt schön und endet kalt“ lauten erste Vorhersagen. Mit all den Vorbehalten, die Prognosen zwei Wochen im Voraus so an sich haben. Noch dauert es ja noch ein Weilchen, bis Markus Herrera Torrez sein Amt als Oberbürgermeister antritt.

Aber er schreibt schon von „unserer Stadt“, wenn er etwa in den sozialen Netzwerken davon berichtet, dass er, am vergangenen Wochenende, von der Friedrich-Ebert-Stiftung zu einer kommunalpolitischen Konferenz nach Dortmund eingeladen wurde, um dort zu erzählen, wie es „in Wertheim gelungen ist im Wahlkampf ganz viele Bürger on- und offline zu begeistern“. In der Stadt an Main und Tauber hat das ja auch tiefe Spuren hinterlassen.

Unzweifelhaft zu sehen an der gerade begonnenen Kampagne der hiesigen SPD, die eindeutige Züge des „HT“-Wahlkampfes trägt. Und auch die CDU scheint sich das eine oder andere abgeschaut zu haben. „Eine umfassende Bürgerbeteiligung im Vorfeld wichtiger kommunalpolitischer Entscheidungen muss in Zukunft elementarer Bestandteil der Kommunalpolitik sein.“ Haben wir das nicht ganz ähnlich erst irgendwo gelesen und gehört? Was ja durchaus legitim ist.

Warum soll man nicht aus Fehlern lernen wollen und versuchen, es bei nächster Gelegenheit besser zu machen? Der Slogan „neues, starkes Miteinander“ ist sicher nicht ungeschickt gewählt. Man wird allerdings unter Beweis stellen müssen, dass das nicht nur leere Worte sind. Nicht nur innerparteilich.

Offensichtlich einigermaßen verkraftet hat Wolfgang Stein das, was da am 3. Februar über ihn hereingebrochen ist. Seit ein paar Tagen ist der Bürgermeister wieder im Dienst, auch wenn es sicher und verständlicherweise noch nicht leichtfällt, zur Normalität zurückzukehren.

Das Treffen zwischen ihm und „HT“ kann man vielleicht als ein zart positives Zeichen für das künftige Miteinander der beiden ersten Männer in Stadt und Verwaltung werten. Schließlich müssen sie ab dem 1. Mai zusammenarbeiten, ob sie wollen oder nicht. „HT“, das Kürzel wird übrigens auch vom künftigen Oberbürgermeister selbst verwendet – und (zumindest gedanklich) von so manchem in der Stadt, für die die höfliche Anrede „Herr Herrera Torrez“ (noch) einen Zungenbrecher darstellt. Der Rucksack, der ab dem nächsten Monat von ihm zu schultern ist, wurde in den vergangenen Tagen nicht leichter, sondern noch mit ein paar Steinen mehr beladen.

Ich sage nur „Kleiner Weg“ in Bestenheid oder die Anbindung des Gewerbegebiets Reinhardshof an die Landesstraße vor Vockenrot. Zu beiden Themen hat sich jede Menge Unmut aufgestaut. „Vielleicht kann ja der neue OB etwas bewegen. Da kann er sich gleich mal beweisen“, wird eine Anwohnerin bezüglich der Situation in Bestenheid zitiert.

Und spricht damit wahrscheinlich die (überzogenen?) Erwartungen vieler aus. Die zu erfüllen nicht an ihm alleine liegt. Sondern auch an den „22 aus 113“, die den neuen Gemeinderat bilden. Wenn ich mich nicht verzählt habe, dann unternehmen 23 der 26 amtierenden Mandatsträger einen neuen Anlauf. Eine(r) von ihnen muss im künftigen Gremium also auf jeden Fall noch „ins Gras beißen“ – mindestens.

Beim Blick auf die jetzt zugelassenen Listen überrascht vielleicht mit am meisten, dass die Grünen inzwischen die an Lebensjahren im Durchschnitt zweitälteste ins Rennen schickt. So ändern sich die Zeiten. Eine in der Berichterstattung am Donnerstag fehlende Information sei hier noch nachgetragen: Bei der SPD kommen sieben von 22 Bewerbern aus den Ortschaften.

Das sind knapp 32 Prozent, womit sich die Sozialdemokraten in dieser Statistik hinter den Grünen und vor den FDP einreihen.