Wertheim

Amtsgericht In Wertheim ohne Führerschein gefahren / Angeklagter lieferte sich nach Kontrolle eine Verfolgungsaktion mit der Polizei

29-Jähriger muss 1800 Euro Strafe zahlen

Wertheim.Die Polizei kontrollierte im September 2017 in Bestenheid einen Autofahrer. Dieser konnte keinen Führerschein vorweisen, und es gab bei ihm Anzeichen für Drogenkonsum. Als der Mann zur Entnahme einer Blutprobe mitkommen sollte, floh er. Die Beamten holten ihn ein und schlossen ihn an den Händen. Bei der Aktion verletzte sich ein Polizist an der Oberlippe.

Wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und fahrlässiger Körperverletzung verurteilte jetzt das Amtsgericht Wertheim den 29-jährigen Trockenbauer aus Kitzingen zur Strafe von 45 mal 40 Euro.

Die Verfolgungsaktion fand in der Nähe der Volksbankfiliale statt. Der eine Beamte hatte den Verdächtigen bereits gefasst, doch als beide in ein Gebüsch stolperten, ließ er ihn wieder los. Das ermöglichte dem Mann ein Entkommen, aber nur kurzfristig. Hinterher blutete die Lippe des Polizisten.

Der Angeklagte ist zwei Mal vorbestraft. Im zweiten Fall hatte er in Würzburg aus Ärger über seine (ehemalige) Freundin die Glastür eines Wohnhauses eingetreten, Schaden 5700 Euro.

Als die Polizei kam, beleidigte er sie und wehrte sich aktiv gegen die Festnahme mit körperlichen Folgen für die Beamten. Die verwirklichten Tatbestände waren Sachbeschädigung, Beleidigung Widerstand und Körperverletzung.

Im Wertheimer Fall ergab die Laboruntersuchung der Blutprobe den Konsum von Amphetamin. In der Anklageschrift beschränkte sich die Staatsanwaltschaft auf die Tatbestände Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Widerstands gegen die Polizei und Körperverletzung. Bezüglich des Drogenkonsums stellte sie das Verfahren ein, da eine zusätzliche Verurteilung nur unerheblich ins Gewicht gefallen wäre.

Jetzt in der Verhandlung war Hauptdiskussionspunkt, ob eine Widerstandshandlung vorlag. Die Referendarin blieb dabei und beantragte eine Gesamtstrafe von 120 mal 40 Euro.

Der Verteidiger erwiderte, beim gemeinsamen Fallen habe sich der Griff des Polizisten gelöst, und das habe beim Mandanten den Fluchtreflex ausgelöst. Die Richterin sah im Wegrennen aus einem lockeren Polizeigriff keinen Widerstand und stützte sich dabei auf Entscheidungen des Bundesgerichtshofs.

Wenn sich aber der Beamte bei der Verfolgung verletze, gehe das zu Lasten des Fliehenden, fahrlässige Körperverletzung. Kein Widerstand und weil der Angeklagte sich tatnah bei den Polizisten entschuldigte, sowie bereit ist, ein Schmerzensgeld zu zahlen, führten zu der niedrigeren Strafe. goe