Wertheim

Amtsgericht Strafe auf Bewährung und Therapie für Drogenabhängigen / Mann räumt die Vorwürfe im Wesentlichen ein

34-Jähriger aus Wertheim beleidigt und verletzt Polizisten

Wertheim.Ein „Mann mit zwei Gesichtern“ hatte sich beim Amtsgericht Wertheim wegen zahlreicher Straftaten zu verantworten. Nüchtern ist er ein einsichtiger Mensch und geht einer geregelten Arbeit nach. Unter Alkohol- und Drogeneinfluss neigt er zur Unberechenbarkeit.

In diesem Zustand bereitete er zwischen Mai und Juli 2017 der Wertheimer Polizei viel Arbeit. Es ging um Beleidigung, falsche Verdächtigung, den Verkauf von Haschisch, Körperverletzung und Widerstand. Deswegen verurteilte das Amtsgericht Wertheim den 34-jährigen Arbeiter aus der Main-Tauber-Stadt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr.

Diese wurde unter verschiedenen Auflagen zur Bewährung ausgesetzt. Der Mann muss die bereits bewilligte stationäre Suchttherapie antreten und nach Abschluss mit einer ambulanter Therapie weitermachen. Unangekündigte Aufforderungen, sich einem Drogentest zu unterziehen, dienen der Überprüfung.

Sturz ins Blumenbeet

Mitte Mai 2017 war der Angeklagte etwa um ein Uhr im Bereich des Wertheimer Neuplatzes gegenüber der Polizei aggressiv geworden. Die Beamten antworteten mit einem Platzverweis für die Altstadt. Das ärgerte den Mann derart, dass er die Polizisten beleidigte. Im Anschluss lief er weg und fiel in ein Blumenbeet. Hilfe der Beamten wehrte er ab.

Zwei Stunden später erschien der Angeklagte auf dem Polizeirevier und wollte die Polizisten, die den Platzverweis erteilt hatten, wegen Körperverletzung anzeigen. Er war von diesen aber nicht verletzt worden. Im Verlauf der nächsten Wochen verkaufte der Beschuldigte zwei Mal an eine Bekannte einige Gramm Haschisch.

Im Juli 2017, an einem Sonntag, verletzte der Angeklagte in einer Gaststätte in der Rathausgasse den Wirt, indem er ihm auf die Hand schlug und gegen einen Schrank stieß. Der Beschuldigte wurde aus dem Lokal geschoben und draußen kam die Polizei dazu. Er verweigerte die Angabe der Personalien, bekam Handschließen angelegt und verletzte trotzdem zwei Polizisten durch Tritte.

Im Streifenwagen spuckte er die Polizisten an und auf dem Revier wehrte er sich gegen das Verbringen in die Gewahrsamszelle. Ein Bereitschaftsarzt führte eine Blutentnahme mit Hilfe der Polizei gegen den Willen des Beschuldigten durch. Die Untersuchung ergab 2,6 Promille Alkoholkonzentration sowie Cannabis-Konsum.

Mann entschuldigt sich

Jetzt in der Verhandlung räumte der Mann die Vorwürfe im Wesentlichen ein und entschuldigte sich bei den Polizisten sowie dem Gastwirt. Laut dem Verteidiger hat nach den Vorfällen der Arbeitgeber den Kontakt zur Suchtberatung hergestellt, und dieser wolle nach der Therapie das seit zweieinhalb Jahren bestehende Arbeitsverhältnis fortsetzen. Außer dem Arbeitsplatz gebe es für den Mandanten keine positive Ablenkung. Bereits mit sechs Jahren habe er einige Zeit in der Jugendpsychiatrie verbracht und mit 14 Jahren Alkohol zu trinken begonnen.

Der Beschuldigte ist mehrfach vorbestraft und stand zum Zeitpunkt der jetzigen Taten unter Bewährung. Deshalb mahnten nun Verteidiger und Gericht eindringlich, die Chance erneute Bewährung und Therapie zu nutzen, Alternative sei Verelendung. Die Richterin sieht im Durchhalten ohne Drogen, insbesondere nach der Therapie, den Knackpunkt. goe