Wertheim

Brückenprüfung Alle sechs Jahre müssen Übergänge genau kontrolliert und benotet werden / In diesem Jahr war die Reicholzheimer Tauberbrücke an der Reihe

Ab Note 3,5 läuten die Alarmglocken

Bei einer Prüfung auf Sicherheit und Stabilität wurde die Tauberbrücke in Reicholzheim genau unter die Lupe genommen. Dafür wurde das Bauwerk gesperrt.

Reicholzheim. Wer am Freitag Nachmittag von einer Seite der Tauber auf die andere wollte, musste einen Umweg fahren. Für etwa drei Stunden war die Tauberbrücke gesperrt. Um die Stabilität und Sicherheit des Bauwerks zu gewährleisten, muss es in regelmäßigen Abständen bei einer sogenannten Brückenprüfung genau kontrolliert werden. Zuständig ist dafür das Landratsamt Main-Tauber-Kreis, genauer gesagt das Straßenbauamt.

Eine Hauptprüfung, wie sie am Freitag in Reicholzheim stattfand, müsse alle sechs Jahre vorgenommen werden, gibt Reinhold Ernst, Verantwortlicher vom Straßenbauamt, Auskunft. Anfang des Jahres wurde die Prüfung sämtlicher Brücken im Kreis als Gesamtpaket ausgeschrieben, im April wurde der Auftrag vergeben. In diesem Jahr übernimmt das Ingenieurbüro Balling aus Würzburg die Prüfung der etwa 80 Brücken.

„Handnah“ ist das Stichwort

„Bei der Hauptprüfung werden alle Teile der Brücke handnah kontrolliert“, erläutert der Diplom-Ingenieur Steffen Mitz den Vorgang genauer. „Handnah“ sei hierbei das ausschlaggebende Stichwort, denn die Prüfer müssen die Baustoffe direkt befühlen. Mit einem Hammer bewaffnet, werden sie von einem Brückenuntersichtgerät unter das Bauwerk gefahren.

Dort klopfen sie das Material vorsichtig ab und können Risse oder Hohlräume am Klang erkennen. Sämtliche dabei entdeckte Schäden müssen sorgfältig dokumentiert und fotografiert werden.

Kategorisierung

Für die Kategorisierung der Befunde gibt es einen bundesweit gültigen Katalog, in dem mögliche Schäden mit Beispiel und Bewertung der Gefährdung aufgeführt sind. Anhand dieses Katalogs erstellt das Ingenieurbüro nach abgeschlossener Prüfung einen Prüfbericht für das Straßenbauamt und errechnet außerdem eine Note zwischen eins und vier. Letztere gibt Auskunft über den Zustand der Brücke und zeigt, ob und in welchem Zeitraum Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Um die Brücke für den Zeitraum der Prüfung sperren zu können, musste im Vorhinein eine Genehmigung von der Verkehrsbehörde des Landratsamts eingeholt werden. Erst mit dieser verkehrsrechtlichen Anordnung darf die Straße für den benötigten Zeitraum abgesperrt werden. Auch die Uhrzeiten werden von der Behörde geregelt. So durfte die Brücke in Reicholzheim, als Hauptzugang zu den ansässigen Firmen, erst ab 13 Uhr gesperrt werden, um den Berufsverkehr nicht zu behindern.

2012 instand gesetzt

Das Besondere an Bogenbrücken aus Naturstein, wie die Buntsandsteinbrücke in Reicholzheim, ist die Konstruktion aus einzelnen Steinen. Falls das Material zwischen den Steinen durchlässig wird, könnte Wasser eindringen und die Steine würden sich lockern. Damit könnte die komplette Konstruktion instabil werden. Umso wichtiger ist es, die Brücke regelmäßig zu überprüfen.

Die Reicholzheimer Tauberbrücke besteht seit 1772 und wurde zuletzt 2012 in Stand gesetzt. Damals wurde ein neuer Pflasterbelag verlegt, nachdem die Brücke bei einer Prüfung die Note 3,5 erhalten hatte. „Aus langjähriger Erfahrung gehen bei uns ab einer Note von 3,5 die Alarmglocken an“, sagt Ernst. Nach der Instandsetzung erhoffen sich die Prüfer diesmal eine bessere Note.