Wertheim

Weinlese Winzer sind „insgesamt zufrieden“ und freuen sich über ein „richtig schönes Rotweinjahr“ / Öchslegrade fallen sehr hoch aus

„Abgerechnet wird ganz am Ende“

Die Weinlese 2018 ist in vollem Gange. Insgesamt sind sowohl die Winzer als auch der Winzerkeller in Reicholzheim mit den Ergebnissen des „Supersommers 2018“ zufrieden.

Reicholzheim/Dertingen. „So einen Duft hatte ich schon lange nicht mehr“ beschreibt Joachim Krumrey, Kellermeister beim GFW Winzerkeller im Taubertal in Reicholzheim, seine Wahrnehmung der Trauben für Müller-Thurgau und Bacchus. Er freut sich in diesem Jahr auf viele geschmacksintensive Weine.

Auch Lothar Klüpfel, Direktvermarkter und Inhaber des Weingut Oesterlein in Dertingen, zeigte sich insgesamt zufrieden. Dank des heißen Sommers sei es eine entspannte Lese. Die Trauben wiesen keine Fäulnis auf und sind nicht aufgeplatzt. „Außerdem haben wir entspanntes Lesewetter“, stellte er bei der Handlese am Donnerstag fest.

Nachtschicht für den Auxerrois

Die Winzer, die den Winzerkeller in Reicholzheim beliefern, haben am 3. September mit der Sektgrundlese begonnen, kurz darauf folgte der Regent. In dieser Woche wurden bereits große Mengen im Keller verarbeitet. Aktuell kümmert man sich dort beispielsweise um den Reicholzheimer Müller-Thurgau und den Tauberschwarz. Aber auch Besonderheiten wie der Auxerrois und der Traminer werden verarbeitet. Deren Weinherstellung sei aufwendig, so setzte man zum Beispiel spezielle Kammerfilterpressen ein. Für den Auxerrois hatte man sogar eine Nachtschicht eingelegt. Insgesamt hat das Team im Keller viel zu tun. „Es werden auch schon Sorten wie der Grau- und Spätburgunder angeliefert, die sonst später dran sind“, so Krumrey.

700 Tonnen Trauben

Letztes Jahr hatte die Lese am 8. September begonnen. Dies sei schon relativ früh gewesen. Wegen des langen Sommers startete man 2018 noch früher. Bis Freitag wurden rund 700 Tonnen Trauben angeliefert. „Diese müssen schonend und schnell ausgepresst werden.“ Im Vergleich zum Vorjahr ist die Fläche der Winzer die an den Winzerkeller liefern auf 186 Hektar leicht angestiegen. Das Anliefergebiet umfasst Boxberg, Impfingen, Werbach, Külsheim, Uissigheim, Reicholzheim und Bronnbach, Kembach, Lindelbach, Dertingen, Königheim, Dietenhan, sowie Großrinderfeld. Die Weinlese wird wohl noch den gesamten September andauern.

Die Lese beim Weingut Oesterlein begann am 31. August mit einer kleinen und kompakten Parzelle mit Spätburgunder. „Insgesamt sind wir bei den meisten Sorten zehn Tage früher dran als sonst“, stellte Lothar Klüpfel fest. In diesem Jahr konnte er ein besonderes Phänomen beobachten. „Die Reifereihenfolge der einzelnen Rebsorten ist komplett durcheinander gewürfelt.“

Die Hauptlese des Weinguts begann am 9. September. Mit jeweils einem Tag Pause dazwischen wurde seither in den Weinbergen oberhalb Dertingens gelesen. Bisher nahm man sich den Sorten Muskateller, Schwarzriesling, Grauburgunder, Sauvignon Blanc und Chardonnay an. Die letzten drei Sorten seien sonst erst bis zu drei Wochen später reif, so der Winzer.

Bisher hat man auf dreieinhalb Hektar rund 25 Tonnen Trauben gelesen. An einem Tag wurde der Vollernter für einen Hektar genutzt. Von den insgesamt 13 Hektar des Weinguts müssen neun per Hand gelesen werden. „Ob der Vollernter eingesetzt werden kann, ist sorten- und lageabhängig.“

Bei der Handlese müsse man sehr penibel vorgehen und faule und essigstichige Trauben aussortieren. „Mit der Lese legt man die Weinqualität fest“, betonte Klüpfel. Gelesen wird an eine Handlesetag rund vier bis sechs Stunden mit acht bis 16 Helfern. Anschließend wird der Ertrag im Keller des Weingut Oesterlein verarbeitet. Die Lesehelfer unterstützen auch im Laufe des Jahres das Weingut. Sie wohnen alle in Dertingen. „Wir pflegen sie gut und fördern die Gemeinschaft“, erklärte Klüpfel, warum sie dem Weingut treu bleiben. Die Lese des Weingut Oesterlein wird wohl noch bis Anfang Oktober andauern. „Danach kommen eventuell noch einige Spezialsorten.“ Mit den Mengen liege man, so Klüpfel, knapp unter den geplanten Werten. Der Ertrag sei auf die Niveau des Vorjahrs. Noch offen sei, wie groß die Saftausbeute sein wird, da die Beeren kleiner sind. „Über die letztendliche Qualität des Weins kann man momentan noch nichts sagen.“

Viel Wasser und Wärme

Aus Sicht von Krumrey begann das Jahr für die Winzer gut. Das Frühjahr habe ausreichend Wasser und Wärme geboten.

Dann folgte der sehr heiße Sommer mit Trockenheit. Dieser habe die Trauben kleiner ausfallen lassen. „Das Aroma sitzt hauptsächlich in der Beerenhaut“, erklärte der Kellermeister. Weniger Fruchtfleisch bedeute weniger Saft und damit mehr Aroma.

Ob die Winzer größere Ernteeinbußen hatten und wie stark diese ausfielen, sei sorten- und lageabhängig. Während man beispielsweise in Lindelbach und Dietenhan mit Problemen durch Trockenheit kämpfen mussten, sei Werbach mit der Wassermenge von oben besser weggekommen.

Geschmacksintensiv

Zudem spielten die Möglichkeiten der technischen Bewässerung eine Rolle. „Bei einigen Sorten wird es weniger Wein geben, dieser wird dafür aber geschmacksintensiver.“

Insgesamt betrachtet, habe es durch das Wetter bisher keine großen Ausfälle gegeben. „Abgerechnet wird aber am Ende“, ergänzte er.

Sehr hoch fallen in diesem Jahr die Öchslegrade aus. „Beim Schwarzriesling und Regent erreichen wir über 90 GradÖchsle, das hatten wir noch nie.“ Durchschnitt seien 85 Öchsle.

Die nun teilweise vorliegenden 95 Grad Öchsle seien toll für einen Kellermeister. „Es wird ein richtiges schönes Rotweinjahr.“ Aber auch Weißweinfreunde könnten sich auf sehr aromatisch Weine freuen. „Insgesamt bin ich zufrieden“, fasste Krumrey zusammen.