Wertheim

Convenartis „Totales Bamberger Cabaret“ zog es mit ihrem Programm „Wann, wenn nicht wir“ in die Wertheimer „Pampa“

Absurditäten mit bissigem politischem Witz

Wertheim.Eine Paartherapie mit seinem Computer? Die Überfremdung Deutschlands mit Schweden, deren Vorposten das blau-gelbe Möbelhaus ist? Oder der Fernseh-Brennpunkt, weil in China ein Sack Reis umgefallen ist? Hört sich erstmal alles absurd an. Aber gerade mit diesen Absurditäten gelingt es dem Totalen Bamberger Cabaret, kurz TBC, seit Jahrzehnten, ihr Publikum nicht nur zum Lachen zu bringen, sondern auch zum Nachdenken – also die perfekte Mischung für einen gelungenen Abend des politischen Kabaretts.

Das wissen die Wertheimer und so war die Veranstaltung mit dem Programm „Wann, wenn nicht wir“ im Convenartis Kleinkunstverein schon vor einigen Wochen ausverkauft. Und die, die eine Karte ergattert hatten, wurden nicht enttäuscht. Auch wenn sie ersteinmal beschimpft wurden, als sich die drei Künstler von TBC, Georg Königer, Michael A. Tomis und Florian Hofmann als Mexikaner verkleidet musikalisch beschwerten, dass sie heute „in der Pampa“ spielen müssten.

Doch man kennt sich, und das Publikum nimmt dies nicht krumm und klatscht bereits nach ein paar Minuten begeistert mit – und schon schlüpfen die drei Kabarettisten ins nächste Kostüm, werden zu Politikern, Bienen und Raumfahrern.

Allein die wechselnden Kostümierungen, Szenen und liebevoll zusammengestellten Requisiten lohnen das Zuschauen, etwa das Schild von der „Gaststätte zur Eintagsfliege“, die nun schon in 347. Generation geführt wird. Doch vor allem sind es die Texte und Lieder, die das Programm so lebendig, bissig und politisch machen. Etwa, wenn in einem Selbsthilfetraining für angehende Wutbürger Sätze fallen wie: „Sie wollen sich aufregen, können aber nicht, weil sie die Fakten kennen.“

Manchmal bewegen sich die Künstler hart an der Grenze, etwa wenn es beim Treffen des Elferrats darum geht, was denn nun Spaß ist und was die politische Korrektheit verbietet. Oder wenn ein Priester mit seinem Bischof einen Homosexuellen-Club gründet.

Doch gerade diese Provokationen schärfen das politische Bewusstsein, was sich ein Ziel der engagierten Truppe ist. Manchmal sind die Beiträge aber natürlich nur spaßig, etwa wenn es um das ekstatischste Lob des Franken geht. „Passt scho“, mit der Steigerungsform „Respekt“. Oder wenn im „Liederzyklus für Menschen, für die es keine Lieder gibt“, der Mathematiker sein Leben mit Pi besingt. Der Höhepunkt hierbei war sicher, als Tomis die Schlager der 50-er Jahre in neuer Version zeigte und etwa „Pack die Badehose ein“ im Rammstein-Stil erklang.

Überhaupt verstehen es die drei, Personen zu imitieren. Etwa bei ihrem Brennpunkt. Da wurde auf Grundlage eines umgefallenen Sacks Reis die ganze Prozedur aufgezeigt: Live-Schalte, Expertenbefragung, Terrorismus-Verdacht, Auswirkungen auf Deutschland und die Frankfurter Börse. Und damit gezeigt, wie die Sensationsgier der Menschen am eigentlichen Leid der Bevölkerung vor Ort im Katastrophenfall vorbeigeht.

Im Zentrum steht dabei oft Bayern mit seinem selbst ernannten König „MS“ – Markus Söder. Und die Rebellion der Franken dagegen, in diesem Fall der FFF – Fränkische Folksfront – die als Reaktion auf die Bavaria 1 nun einen Menschen zum Mars schicken möchte.

Szene für Szene, Gag für Gag, Impuls für Impuls wurde den Besuchern ein toller Kabarettabend geboten, der sicher nachklingt und an den in der einen oder anderen echten Lebenssituation fröhlich und mahnend erinnert wird.