Wertheim

Arbeit macht das Leben süß

Archivartikel

Arbeit macht das Leben süß.“ Stimmt das wirklich? Ich finde schon. Eine Arbeit zu haben, die mir Freude macht, bedeutet mir sehr viel. Religionsunterricht halten oder den Garten pflegen, eine Predigt schreiben oder einen Kuchen backen, eine junge Kollegin beraten oder eine alte Bekannte im Pflegeheim besuchen. Das alles macht mein Leben süß.

Es verleiht ihm Sinn und bringt mir auch Wertschätzung. Tätig sein gehört zu meinem Menschsein. Und nicht nur zu meinem. Jeder Mensch will sich betätigen und in irgendeiner Form arbeiten. „Selber machen!“ fordern schon kleine Kinder.

Und Alte wollen sich so lange wie möglich selbst versorgen. Langeweile macht unzufrieden, manchmal sogar krank. Viele arbeiten daher auch ehrenamtlich, um ihre freie Zeit sinnvoll zu nutzen.

„Arbeit macht das Leben süß.“ Sie ist Teil unserer Menschlichkeit. So hat es Gott selbst bestimmt. Auf den ersten Seiten der Bibel lesen wir, wie Gott die Erde erschaffen hat und mit ihr die Menschen. Als alles fertig ist, bekommen sie den Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Die guten Möglichkeiten, die Gott in diese Erde hineingelegt hat, sollen wir zur Entfaltung und zum Wachstum bringen. Wenn wir arbeiten, gestalten wir die Welt. Und wenn es gut geht, arbeiten wir dabei mit Gott Hand in Hand.

„Arbeit macht das Leben süß.“ Manchmal aber auch sauer. Dann nämlich, wenn sie über meine Kraft geht, wenn es einfach zu viel wird, wenn sich die Papierberge auf meinem Schreibtisch stapeln, die Termine dicht gedrängt sind oder auch, wenn etwas gründlich schief geht.

Und das ist noch harmlos im Vergleich zu den Bedingungen, unter denen viele andere arbeiten müssen, zum Beispiel in Doppelschichten auf unterbesetzten Krankenstationen oder als Leiharbeiter mit Mindestlohn. Es läuft etwas verkehrt, wenn ich zum Arbeitstier werde, wenn die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt.

„Arbeit macht das Leben süß.“ Vor allem aber ist Arbeit notwendig. Sie sichert unseren Lebensunterhalt. Schon der Garten Eden war kein Schlaraffenland. Adam und Eva mussten arbeiten, um sich zu versorgen. Umfragen zeigen: Eine der größten Ängste von Menschen heute ist es, arbeitslos zu werden. Andauernde Arbeitslosigkeit macht arm. Ganz schnell kann man sich viele Dinge nicht mehr leisten, verliert Kontakte, gerät ins Abseits.

Aus all den Gründen muss immer wieder auf den Wert von Arbeit und auf ihre Bedeutung für unser Menschsein hingewiesen werden. Die Gewerkschaften tun es jedes Jahr am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, auch diese Woche wieder. Sie setzen sich ein für menschliche Arbeitsbedingungen und fairen Lohn - nicht nur bei uns, sondern in ganz Europa.

„Arbeit macht das Leben süß.“ Zur Arbeit gehört auch die Pause, der Feierabend, der Ruhestand. Gott hat am siebten Tag geruht und uns Menschen aufgetragen, diesen Ruhetag auch unbedingt einzuhalten, damit wir menschlich bleiben.

Unser Leben erschöpft sich eben nicht in Müh’ und Arbeit. Unser Wert als Menschen hängt nicht davon ab, wieviel wir leisten. Entscheidend ist, dass Gott mit seiner Liebe uns trägt vom ersten bis zum letzten Tag. „Arbeit macht das Leben süß.“ Stimmt. Gottes Liebe aber macht es wertvoll.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen

Cornelia Wetterich, Schuldekanin