Wertheim

Ungewöhnlicher Verlauf Die Mitgliederversammlung der Gesellschaft der Förderer und Freunde der Rotkreuzklinik Wertheim

Auf harsche Kritik folgt Versöhnung

Bestenheid.Sie begann mit harscher, in diesen Kreisen ungewöhnlich harter Kritik und endete nach weniger als einer Stunde eingedenk dessen überraschend versöhnlich: die Mitgliederversammlung der Gesellschaft der Förderer und Freunde der Rotkreuzklinik Wertheim am Montagabend in der Galerie der Volksbank Main-Tauber in Bestenheid.

Gerhard Schüder verabschiedet

In deren Verlauf wurde Dr. Michael Weber zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Fördergesellschaft gewählt und dessen Vorgänger, Dr. Gerhard Schüder vom Vorsitzenden Werner Thomann verabschiedet.

Es war ein emotionaler Moment, gehörte Schüder doch zu den Gründungsmitgliedern des Vereins und bildete sein Weggang aus dem Krankenhaus im Herbst vergangenen Jahres (wir berichteten) einen der Höhepunkte der Turbulenzen zwischen der Fördergesellschaft und der Klinik.

Auch darauf spielte Thomann an, als er in seinem Rechenschaftsbericht anmerkte, „der eine oder andere Personalwechsel sowie Gerüchte über einen geplanten Verkauf der Klinik haben die Öffentlichkeit, wie auch uns, intensiv beschäftigt und dem Vertrauen in die Klinik sehr geschadet“. Dies habe gravierende Spuren hinterlassen, die sich unter anderem im Austritt von 21 Mitgliedern zeigten.

Thomann warf den Verantwortlichen der Rotkreuzklinik vor, bei anhaltend roten Zahlen notwendige Kosteneinsparungen „auf dem Rücken des Personals“ vorzunehmen, das aber schon seit Oktober 2010 auf Gehaltserhöhungen verzichte.

„Vor diesem Hintergrund halte ich das Leitbild der Schwesternschaft ‚Wir für den Menschen’ nicht mehr in vollem Umfang für tragfähig. (. . .) Versteht sich die Mitmenschlichkeit so im Umgang mit den Mitarbeitern und den leitenden Ärzten? Wie gedenkt man das beschädigte Vertrauen der Bevölkerung und des Personals, aber auch bei uns, wiederherzustellen?“, fragte der Redner.

Er machte aber auch deutlich, dass die Fördergesellschaft nach wie vor bereit sei, entsprechend ihrer Satzung „Freunde und Förderer aus allen Kreisen der Bevölkerung zu gewinnen, um die Rotkreuzklinik Wertheim ideell und finanziell zu unterstützen (. . .) wenn sich die Verhältnisse in der Klinik, vor allem der Umgang der Klinikleitung mit dem Personal, der Ärzteschaft und unserer Gesellschaft entsprechend dem Leitbild der Schwesternschaft wieder verbessert haben“.

Mit scheinbar stoischer Ruhe und Gelassenheit hatte sich Marcus Plaschke die kritischen Anmerkungen angehört.

Der Geschäftsführer der Rotkreuzklinik war mit nahezu allen Chefärzten und der neuen Pflegedirektorin Christiane Rösch zur Mitgliederversammlung gekommen – wohl auch ein Zeichen dafür, dass das Krankenhaus bereit ist, zur Behebung der atmosphärischen Störungen beizutragen.

Plaschke: deutliche Lücken

In seinem Situationsbericht räumte er personelle Probleme, vor allem auf ärztlicher Ebene ein, sprach von „deutlichen Lücken“, die bereits 2016 gerissen worden seien und von den Schwierigkeiten, „einen würdigen Nachfolger für Dr. Schüder zu finden“. Zwei designierte Chefärzte, die bereits Verträge unterschrieben hatten, seien vor Dienstantritt aus persönlichen Gründen wieder abgesprungen. Der dann zur Überbrückung eingesetzte Honorararzt sei nach genau sechs Wochen, ebenfalls aus persönlichen Gründen, ausgeschieden. „Ohne Chef keine Fach- und keine Assistenzärzte mehr.“ Da es diesen an Ausbildungsmöglichkeiten fehlte, machte Plaschke auf das folgende Dilemma in der chirurgischen Abteilung aufmerksam.

Seit April ist mit Prof. Dr. med. Francisco Castañeda ein Chefarzt für die Allgemein-, Viszeral- und onkologische Chirurgie gefunden, nach wie vor suche man aber einen leitenden Oberarzt und einen Oberarzt. Mit Prof. Dr. Wilhelm Friedl und Dr. med. Stephan Vögeli als Chefärzten und Nachfolgern von Arne Bieling sei man in der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie so hochkarätig besetzt, „wie es unüblich ist für ein Haus dieser Größenordnung“.

Neben der Personalsuche an sich sei die Integration der neuen Chefs in die Klinik ein Schwerpunkt des zu Ende gehenden Jahres, bat Plaschke um „Verständnis, dass nicht immer alles reibungslos geklappt hat“. Zu bewältigen habe man nach wie vor auch noch „Umzugsnachwehen“ gehabt. Dazu gehörten „riesen Probleme mit der Gebäudeleittechnik“.

All dies führte dazu, dass die wirtschaftlichen Aussichten 2017 nicht rosiger seien als 2016. Man werde das Jahr wohl wieder mit einem Minus von rund 2,5 Millionen Euro abschließen.

Differenzen beigelegt

Im neuen Jahr aber gehe man von einem ausgeglichenen Ergebnis aus. „Wir werden nie Gewinne in schwindelerregender Höhe erzielen, wollen aber zumindest Kredite und Zinsen bezahlen können“, so der Geschäftsführer abschließend. Nachfragen aus dem Kreis der rund 40 Anwesenden gab es weder zum Bericht des Vorsitzenden noch zu dem Plaschkes.

Nach den üblichen Regularien beendete Thomann die Versammlung mit der Feststellung, „Die unangenehmen Differenzen, die früher bestanden, gibt heute nicht mehr. Die medizinische Behandlung und Betreuung durch das Pflegepersonal waren und sind einfach top“. ek