Wertheim

Amtsgericht 33-jähriger Mann muss sich zum wiederholten Mal wegen riskantem Verkehrsmanöver verantworten / Psychotherapeutische Behandlung wird fortgesetzt / Kein Führerscheinentzug

Autofahrer „erzieht“ andere Verkehrsteilnehmer und schreckt vor Straftaten nicht zurück

Wertheim.Ein Autofahrer aus Wertheim zeigt die Neigung, im Straßenverkehr über andere wütend zu werden und sie zu maßregeln. Dabei lässt er sich sogar zu Straftaten hinreißen. Geschehen ist dies zwischen 2013 und 2017 vier Mal. Nun musste sich das Amtsgericht Wertheim mit einem weiteren Fall befassen.

Der 33-Jährige hatte auf der Verbindungsstraße Bestenheid-Wartberg in der Haarnadel-Rechtskurve mit seinem PKW ein anderes Auto überholt, war noch in der Kurve nahe vor diesem wieder eingeschert und hatte dessen Fahrerin ausgebremst. Wegen Nötigung verhängte die Richterin jetzt eine Strafe von vier Monaten mit Bewährung, beließ es bezüglich des Führerscheins aber bei einem Fahrverbot von drei Monaten. Der Mann ist Berufskraftfahrer, verheiratet und wegen eines Hauskaufs mit drückenden Schulden belastet.

Er muss jedoch die aus eigener Initiative oder auf Anraten seiner Verteidigerin begonnene psychotherapeutische Behandlung zum Verhalten im Straßenverkehr fortsetzen, damit er lernt, „sich zu beherrschen“.

Gefährliche Maßregelungen

Im Mai befand sich der Angeklagte nach der Einmündung Breslauer Straße zunächst an dritter Position einer PKW-Dreiergruppe, dann an zweiter. Die Höchstgeschwindigkeit ist dort beschränkt. Die Geschädigte im ersten Wagen hörte ein Hupen und fühlte sich durch das nahe Auffahren des Beschuldigten sehr bedrängt. Das Kennzeichen seines Wagens sei im Rückspiegel nicht mehr sichtbar gewesen. Hätte sie in der Haarnadelkurve nicht abgebremst, wäre sie auf das Auto des Angeklagten gefahren, so die Zeugin in der Verhandlung.

Gleichgültig gegenüber dem Vorfall sei der Angeklagte weitergefahren. Der Mann räumte den Vorwurf ein und entschuldigte sich bei der Frau. Er habe einen schlechten Tag gehabt. Die Richterin merkte an:“Bei Ihnen geschieht das öfter!“

2013 hatte er auf der gleichen Straße Richtung Bestenheid einen Jäger am Überholen gehindert und seinen Wagen quer über die Fahrbahn gestellt. In Nürnberg beschimpfte er einen PKW-Fahrer als „Hurensohn“, weil dieser auf der linken Spur nicht, wie von ihm erwartet, abbremste, damit er ebenfalls nach links konnte. Bei anderer Gelegenheit warf der Beschuldigte einen Kieselstein durchs offene Schiebedach eines Fahrzeugs, das neben ihm unterwegs war.

Schließlich maßregelte er an der Kreuzung Schwarzwaldstraße in Bestenheid Motorradfahrer. Diese mussten ausweichen, da der Beschuldigte mit seinem PKW einen Schlenker in Richtung der Motorräder machte.

Das Verfahren wegen Nötigung wurde damals gegen Zahlung einer Buße von 2000 Euro eingestellt, da auch die Kradfahrer sich nicht korrekt verhalten hatten.

Im jetzigen Fall wies die Verteidigerin darauf hin, dass bei einem Fahrerlaubnisentzug die Kündigung des Arbeitsplatzes des Mandanten drohe. Die Richterin berücksichtigte das, verlangt aber Nachweise zum Fortgang der Psychotherapie. goe