Wertheim

„Meine Sicht auf Wertheim“ Junge Talente halten in einem Kunstprojekt ihre Lieblingsorte auf Leinwand fest / Initiatorin Regina Pöhland freut sich über Resonanz

Begeisterung für die Malerei geweckt

Archivartikel

An vielen Tagen sind in und um die Wertheimer Altstadt zurzeit Kinder mit Leinwänden zu sehen. Sie sind auf Motivsuche für Regina Pöhlands Kunstprojekt „Meine Sicht auf Wertheim“.

Hofgarten. Voller Konzentration ziehen am Vormittag des Pfingstsonntags die 13-jährige Tanita Oberdorf und ihre zehnjährige Schwester Enya im Schlösschenpark mit Kohle Linien auf die Leinwand. Schnell sind erste Konturen zu erkennen. Strich für Strich werden die Lieblingsstellen der beiden Kembacher Mädchen deutlich. Regina Pöhland hält sich zurück und steht für Fragen bereit. Dabei staunt sie über die filigrane Darstellung auf den Leinwänden. „Die Kinder, die beim Projekt mitmachen, sind alle sehr talentiert, da geht mir das Herz auf“, lobt sie die jungen Kunstfreunde.

Großer Zuspruch

Innerhalb weniger Wochen haben sich mehr als die ursprünglich geplanten 40 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren für Pöhlands Kunstprojekt „Meine Sicht auf Wertheim“ angemeldet. Einige von ihnen kommen auch von außerhalb der Großen Kreisstadt. „Die Resonanz ist toll. Es ist noch besser eingetreten, als ich es mir gewünscht hatte“, schwärmt die Künstlerin im FN-Gespräch. Allen Kindern will sie auf jeden Fall die Möglichkeit geben, mitzumachen.

Tanita zeichnet schon immer gerne und malt zuhause hauptsächlich Tiere und Figuren. „Das Zeichnen macht mir Spaß“, sagt sie. Enya berichtet, sie sei über ihre Mutter dazu gekommen. Die Künstlerin habe ihr vorgeschlagen mitzumachen. Vorher habe Enya nicht so oft gemalt. Durch das Projekt wurde aber ihre Begeisterung dafür geweckt. Auch bei der Mutter der beiden weckte das künstlerische Engagement der Töchter wieder die Lust am Malen.

Das Zeichnen von Landschaften und Gebäuden ist für beide Mädchen eine neue Erfahrung. Tanita hat sich für eine Seitenansicht des Schlösschens entschieden. „Ich finde es schön, vor allem die Dachform“, begründet sie ihre Wahl. Enya malt die drei Statuen im Park. „Sie erinnern an frühere Zeiten, das finde ich toll“, erklärte sie. „Alle drei Figuren mit ihren Details auf die kleine Leinwand zu bekommen ist eine Herausforderung“, stellt Regina Pöhland fest, ist aber vom Erfolg ihres Schützlings überzeugt. Tatsächlich bannt Enya alle Statuen detailreich aufs Gemälde und fügt sogar noch einige Teile des Schlösschens hinzu.

Spannendes Bildelement

Der Motivsuche und dem Skizzieren vor Ort ging das Grundieren der Leinwand voraus. Für die zwei Mädchen und die meisten anderen Teilnehmer ist das etwas Neues. Pöhland gibt den Kindern dafür drei Werkzeuge zur Auswahl, einen Pinsel, eine Farbrolle oder einen Spatel. Enya und Tanita hatten sich für die Rolle entschieden, mit der sie ihre Lieblingsfarben Rot und Blau aufbrachten.

Regina Pöhland erläutert, es komme dabei nicht darauf an, dass alles gleichmäßig ist. „Auch die Grundierung kann ein spannendes Bildelement sein.“ Die Kohlezeichnungen werden später mit einem Acrylstift nachgefahren und so fixiert. Anschließend werden sie farbig gestaltet. Welche Technik die Mädchen dazu einsetzen werden, wissen sie noch nicht genau.

Unterschiedliche Motive

Begeistert sind sie von ihrer Begleiterin. „Regina ist nett, freundlich und hat ein offenes Ohr für unsere Ideen“, lobten beide einhellig. Letzteres ist Pöhland besonders wichtig. Sie gebe Tipps, greife aber nicht selbst ein, sondern lasse die Kinder ihre Werke alleine schaffen. Das gefällt dem Nachwuchs.

„Die Teilnehmer lobten, dass sie im Vergleich zum normalen Kunstunterricht völlig frei arbeiten können“, berichtet die Initiatorin. Es sei toll, dass die Kinder beim Malen ihrer Kreativität sich nicht einengen lassen.

Bisher haben 13 junge Maler ihr Werk begonnen. Die Maltechniken seien bunt gemischt. „Manche wissen genau, was sie wollen, andere freuen sich über Tipps.“ Auch die Motive, für die sich die Nachwuchskünstler entschieden, sind sehr unterschiedlich. Ihre ersten Ideen seien meist die klassischen Ansichten, wie Burg oder Spitzer Turm. „Frage ich aber nach dem persönlichen Lieblingsplatz, dann zählen sie viele andere Orte auf“, sagt Pöhland.

Gemeinsam ist den Teilnehmern bisher, dass sie alle konkrete Ideen haben, was sie darstellen wollen. Das Spektrum reicht dabei vom klassischen Wertheimer Postkartenmotiven über Geschäfte, Cafés und Eisdielen rund um den Marktplatz, das Schlösschen, bis hin zum Bahnhof.

Die Gründe für die Motiventscheidung sind sehr unterschiedlich. Einige Teilnehmer verbinden mit ihrem Ort schöne Erlebnisse. Andere wollen die Natur in der Stadt und um sie herum zeigen. „Ein Mädchen möchte unbedingt die Tauberbrücke bei Nacht malen, da ihr die Lichtstimmung so gut gefällt“, ergänzt Regina Pöhland.

Im Kunstprojekt werden nicht nur die künstlerischen Fertigkeiten gefördert. „Das Selbstwertgefühl der Kinder steigt und sie verbessern ihre Konzentration“, erklärt sie. Auch Kinder, die sonst unkonzentriert seien, blieben freiwillig stundenlang bei der Sache, beobachtet Pöhland. Sie freut sich, wenn Passanten stehenbleiben um zuzusehen oder nachzufragen.

Über manche Situationen hat sich die Künstlerin aber auch geärgert. „Manche sagen, die Kinder mit der Staffelei stören und sollen weggehen. Es gab sogar schon Personen, die die Kinder anrempelten.“ Beim Anblick der Begeisterung der jungen Talente vergisst sie ihren Ärger darüber aber schnell wieder. Die Kinder bekämen das Ganze oft gar nicht mit, so vertieft seien sie in das Zeichnen ihres Lieblingsmotivs.