Wertheim

Naturschutzgruppe unteres Aalbachtal „Sondergebiet Golf“ war Ziel der Maiwanderung / Besonders schützenswerte Landschaft

„Bettingen komplett eingekesselt“

Archivartikel

Bettingen.Die Teilnehmer der Maiwanderung der Naturschutzgruppe unteres Aalbachtal waren erstaunt über die Dimension des „Sondergebietes Golf“, welches dieses Jahr das Ziel war. „Dann ist Bettingen ja komplett eingekesselt“, ist die erschreckende Erkenntnis der über 30 Interessierten auf der Wanderung rund um das Sondergebiet. Ins Detail ging der zertifizierte Naturführer Harald Hilbig, welcher die Tour begleitete.

Die Übergänge der verschiedenen Landschaftsarten seien von großer Artenvielfalt geprägt und besonderes schützenswert. Die Landschaft wie man sie hier vorfinde, mit den Übergängen vom Ufer des Mains über Streuobstwiesen und Magerrasen bis zum bewaldeten Bergrücken, seien reich an Artenvielfalt und ein Musterbeispiel von Biodiversität. „Statt eines Sondergebiets ,Golf’ sollte man es lieber zu einem Schutzgebiet erklären“ meinte Hilbig. Bei jedem zweiten Schritt konnte er seltene und durchaus schützenswerte Pflanzen zeigen, wie Silber-Fingerkraut, Dreifinger-Steinbrech oder Acker-Krummhals, und erklären, warum sie nur in dieser besonderen Umgebung anzutreffen seien.

Immer wieder bückte er sich, um die wunderbare Vielfalt der verschiedenen Insekten zu zeigen. Bockkäfer, Weichkäfer, Rosenkäfer, und diverse Wanzenarten tummelten sich da. Dazu eine Vielzahl von Spinnen- Schmetterlings- und Schreckenarten. Über dem Gelände kreisten Rotmilane und an den Heckenrändern huschten Zauneidechsen umher. Harald Hilbig konnte mit seinem nahezu unerschöpflichen Wissen über die heimische Pflanzen- und Tierwelt begeistern.

Bei einem Picknick mit selbst gebackenem Brot und deftigen Leckereien wurde die Diskussion um Nutzen und Ziele eines „Sondergebietes Golf“ intensiv geführt. Beim Blick auf die mitgeführte Übersichtskarte war deutlich zu sehen, dass dieses Gebiet der einzige noch freie Bereich in Bettinger Nähe ist, und man war sich einig, dass es nicht zumutbar wäre, hier eine wie auch immer geartete Nutzung zuzulassen. Die Umwandlung dieser einzigartigen Landschaft in ein Schutzgebiet müsse das Ziel sein, um ein Einkesseln Bettingens zwischen Gewerbegebiet Almosenberg, Autobahn, Main und Sondergebiet Golf zu verhindern.

Dabei äußerten die Anwesenden große Hoffnung in Markus Herrera Torres, den neuen Oberbürgermeister der Stadt Wertheim, welcher sich mehrfach aufgeschlossen gegenüber der Förderung von Biodiversität gezeigt hat und von dem ein neuer Politikstil der Stadt erwartet wird. Hier könnte die Stadt etwas Positives für Bettingen bewirken, waren sich alle Anwesenden einig.