Wertheim

Ortschaftsrat tagte Gremium spricht sich in Stellungnahme einstimmig gegen Aufstellung eines neuen Bebauungsplans aus / Bürger befürchten höhere Verkehrsbelastung

Bettinger sagen Nein zu Möbelmarkt

Archivartikel

Der Ortschaftsrat sprach sich nach langer Diskussion gegen die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für die Errichtung eines Möbelmarkts im Bettinger Gewerbegebiet aus.

Bettingen. Die Firma Mömax plant einen Markt westlich der Autobahn auf einem Grundstück am Dertinger Weg. Auf 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche erwartet der Konzern rund 11,1 Millionen Euro Umsatz jährlich. In der Sitzung des Ortschaftsrats am Donnerstag erklärte Stadtbaumeister Armin Dattler für die Errichtung eines derart großen Einzelhandels in diesem Gebiet sei ein Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans notwendig.

Der bisherige Bebauungsplan für die Lage weist es als Gewerbegebiet aus. Aktuell befindet man sich für den Plan "Sondergebiet Möbel" im Stand der vorgezogenen Beteiligung. Deshalb sollte auch der Ortschaftsrat dazu Stellung nehmen.

"Alle eingehenden Anregungen werden vom Gemeinderat abgewogen", betonte Dattler. Bisher gehe es nur um eine Anfrage des Investors, was im fertigen Plan genehmigt werde, sei noch vollkommen offen. Laut Umwelt- und Schallbericht gebe es durch die Umwidmung des Gebiets keine zusätzlichen Auswirkungen.

Der Planentwurf erlaube eine Gebäudehöhe von maximal 15 Meter. Darüber hinaus dürfe zusätzlich sieben Meter Werbung am Bau angebracht werden, deren Fläche aber begrenzt ist. Außerdem sei ein Werbepylon mit etwa 30 Meter Höhe möglich. Damit möchte der Betreiber für den Markt in Richtung A 3 werben. Der Pylon war der erste Punkt, der zu Unmut bei den Bettingern führte.

Durch dessen Beleuchtung etwa befürchten wird eine massive Störung der Bewohner befürchtet. "Die Lichtverschmutzung des Dorfs ist jetzt schon extrem", hieß es. Durch den Möbelmarkt könnte diese zunehmen. Gefragt wurde, ob die maximale Helligkeit der Beleuchtung rechtlich vorzuschreiben sei. Dattler sagte zu, dies werde geprüft.

Er verwies außerdem auf die Gewerbesteuern und neuen Arbeitsplätze durch die Ansiedelung. Vom Grundstücksverkauf profitiere die Stadt nicht, denn es sei in Privatbesitz. "In Sachen Arbeitsplätze hätten wir von produzierendem Gewerbe mehr, bei weniger Belastung", ergänzten Bürger. Die Wohnqualität in Bettingen werde, auch durch die mögliche Verkehrsbelastung, immer schlechter. "Notfalls wehren wir uns per Bürgerinitiative gegen eine weitere Belastung", betonten einige.

Richard Baumert vom Bochumer Ingenieurbüro Brilon Bondzio Weiser stellte die Verkehrsanalyse für das Gebiet vor. 2011/12 hatte es zuletzt solch eine gegeben. Ausgewertet wurden acht Knotenpunkte, an Normaltagen. "Es sei Vorschrift, nicht die Spitzentage wie verkaufsoffenen Sonntag als Grundlage zu nehmen", erklärte der Ingenieur. Aber genaue dafür müssten besondere Lösungen gefunden werden, betonten Ortschaftsräte und Bürger.

Gemessen wurde im September an einem Freitag von 15 bis 20 Uhr und einem Samstag von 10 bis 17 Uhr. Ermittelt wurden zudem die Spitzenstunden mit dem meisten Verkehr. Laut Baumert kann in der derzeitigen Struktur der bestehende Verkehr aufgenommen werden.

Die erste Prognose ging davon aus, dass das Gewerbegebiet gemäß des bestehenden Bebauungsplans voll belegt sei. Hier kristallisiere sich an der Auffahrt von der L 2310 zum Almosenberg, sowie an der westlichen Rampe der A 3 Handlungsbedarf heraus. Er schlug vor, zwei Ampeln an diesen Punkten aufzustellen. Bürger sprachen dabei ein bisher unberücksichtigtes Problem an. Sei die Ampel am Autohof überlastet, würden die Fahrzeuge, die auf der Landesstraße aus Marktheidenfeld kommen, durchs Dorf fahren.

Baumert stellte weiter die Prognose vor, die eine Ansiedelung des Möbelmarkts berücksichtigt. Diese würde in Summe von Quell- und Zielverkehr eine zusätzliche Zunahme von werktags rund 670 Fahrzeuge und samstags 790 Fahrzeuge je 24 Stunden bedeuten. Umgerechnet auf die Spitzenstunde seien dies zwischen 96 und 104 Fahrzeuge. Dies sei kaum als zusätzliche Belastung spürbar. Etwa zwölf Prozent der Kunden kämen über die A 3, 65 Prozent über die L 2310 aus Richtung Wertheim und 16 Prozent über die Landesstraße aus Marktheidenfeld. "Gefühlt entsteht nicht mehr Verkehr wie bei der Ansiedelung eines Discounters." Man sollte allerdings ein Parken entlang des Dertinger Weg verhindern.

Die Bürger befürchteten, dass die Verkehrsbelastung wesentlich höher ausfallen werde als prognostiziert. Vonseiten der Räte sprach sich vor allem Esther Ulsamer-Beck vehement gegen die Ansiedelung aus. Das sei man den Bürgern schuldig. Solche Märkte müssten östlich der A 3 liegen, im westlichen Gebiet dürfe es nur Gewerbebetriebe geben, betonte sie.

Die Räte votierten schließlich in ihrer Stellungnahme einstimmig gegen den neuen Bebauungsplan und für Beibehaltung des bestehenden. Der neue Plan sei für Bettingen nicht vertretbar. Als Gründe wurden die Verkehrsbelastung von Hauptstraße und Homburger Weg und die Emissionen, die die Menschen massiv beeinträchtigen, genannt. Werbepylone lehnte man grundsätzlich ab. bdg