Wertheim

Beim Amtsgericht verhandelt Richterin glaubte die Aussage der Zeugin

Bewährungsstrafe für diebische 34-jährige Frau

Archivartikel

Wertheim.In einem Einkaufszentrum in Bettingen entwendeten im Januar 2017 drei mehrfach vorbestrafte und von Sozialunterstützung lebende Frauen aus dem Raum Offenbach Kleidungsstücke im Verkaufswert von 614 Euro. Im Februar 2018 verurteilte das Amtsgericht Wertheim zwei von ihnen wegen gemeinsamen Diebstahls und Körperverletzung zu Freiheitsstrafen.

Die eine erhielt sechs Monate mit Bewährung bei Ableistung von 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die andere neun Monate ohne Bewährung. Beide hatten Wachleute verletzt, die sie bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten hatten. In der Verhandlung gegen die dritte Frau erhielt diese nun wegen gemeinsamen Diebstahls eine Strafe von zwölf Monaten Gefängnis mit Bewährung. Sie muss 1500 Euro Buße an eine soziale Einrichtung zahlen.

Die 34-Jährige kam zur Verhandlung aus dem Gefängnis, wo sie sich wegen eines anderen Vorwurfs in Untersuchungshaft befindet. Sie räumte ein, dass sie zum Zeitpunkt des Diebstahls im Einkaufszentrum war, aber „nicht um zu klauen“. Eine der im Februar verurteilten Frauen belastete die Beschuldigte aber schwer. Sie habe „alles organisiert“, auch das Auto für die Anfahrt und die präparierte Tasche, die Sicherungsanlage abschirmte.

Während der Zeugenvernehmung wurde es im Saal turbulent: Die Angeklagte redete lautstark gegen die Zeugin, diese erwiderte ebenso. Zudem mischten sich Angehörige der Beklagten vom Zuschauerraum aus ein. Nach erfolgloser Verwarnung mussten einige Personen den Sitzungssaal verlassen. Sie durften später wieder hinein, da die Öffentlichkeit ein sehr hohes Gut bei Verhandlungen sei, so die Richterin.

Die Staatsanwaltschaft sah die Angeklagte überführt. Sie habe die Verkäuferin verbal abgelenkt, damit die anderen Frauen zugreifen konnten. Die Referendarin beantragte neun Monate ohne Bewährung. Der Pflichtverteidiger wollte eine Zusammenarbeit nicht ausschließen. Es gebe nur Indizien, keine Beweise. In ihrem Schlusswort meinte die Angeklagte, die Zeugin belaste sie nur aus Angst vor Abschiebung. Das Gericht glaubte der Zeugin, da ihre Angaben „einigermaßen konkret“ waren. In der Hoffnung, dass sich die Beschuldigte künftig bessert, gab die Richterin erneut Bewährung. goe