Wertheim

Amtsgericht Wertheim Streiterei auf polnisch, russisch und türkisch endet nach einer Anzeige vor Richterin

Bilaterale Beleidigungen bestraft

Wertheim.An der Tankstelle Wartberg kam es zur verbalen Auseinandersetzung zwischen einem Polen, wohnhaft im Main-Spessart-Kreis, und einem türkischstämmigen Deutschen aus Wertheim.

Der Pole äußerte Ausdrücke in polnisch und russisch, und der Deutschtürke verstand einige russische Ausdrücke durch die Beziehung zu einer Russlanddeutschen.

Der Deutschtürke erstattete Anzeige wegen Beleidigung, und das Amtsgericht Wertheim verurteilte jetzt den 30-jährigen Polen zur Strafe von 70 mal 30 Euro.

Zwischen den Bekannten des Polen und denen des Deutschtürken hatte es im Vorfeld Auseinandersetzungen gegeben, die sogar zu einer Verhandlung beim Landgericht Mosbach mit dem Vorwurf eines Verbrechens führten. In einem anderen Verfahren machte der Deutschtürke gegen einen Bekannten des Polen eine belastende Aussage.

Herabwürdigung gewollt

Das war vermutlich der Grund für die Beleidigung im Mai, mit der laut Staatsanwaltschaft der Angeklagte herabwürdigen und seine Verachtung ausdrücken wollte. Die Kontrahenten kannten sich vorher nicht persönlich.

Nach der Anzeige sichtete die Polizei Aufnahmen der Überwachungskamera der Tankstelle, und nach Vorlage von Fotos verschiedener Personen identifizierte der Deutschtürke den Angeklagten. Er verwies auch auf dessen Tätowierungen am linken Oberarm.

In der Verhandlung zeigte der Beschuldigte nach Aufforderung seine Tätowierungen, wenn auch etwas widerwillig, und bestritt die Vorwürfe.

Der Deutschtürke erklärte, es waren Beleidigungen auf polnisch und russisch, verstanden habe er aber nur einige der letzteren.

Wem ist zu glauben ist

Dem Gericht lag das polnische Strafregister des Angeklagten vor mit vier Einträgen, unter anderem wegen eines Drogendelikts. Eine Dolmetscherin übersetzte den Text. Im Bundeszentralregister (Berlin) hat der Beschuldigte einen Eintrag wegen Diebstahls, Amtsgericht Nürnberg.

Im jetzigen Fall stellte sich die Frage, wem zu glauben ist. Staatsanwaltschaft und Gericht entschieden sich für den Belastungszeugen und nannten seine Angaben als konkret und anschaulich.

Dagegen, so die Richterin, habe der Angeklagte, zur Zeit ohne Arbeitsstelle, schon zu Beginn der Verhandlung mit der Behauptung gelogen, er lebe derzeit von Ersparnissen und gelegentlichen Geldüberweisungen der Mutter.

Angaben wichen ab

Dem stehe entgegen, dass er in Polen zu einer Schadenwiedergutmachung verurteilt ist. Auch wichen seine Schilderung des Vorfalls, die er bei der Polizei machte, von den Angaben hier bei Gericht ab. goe