Wertheim

Internationaler Frauentag Kabarettistin Anna Piechotta überzeugte im Convenartis-Keller mit ihrem Programm „Schneewittchen ist tot“

Bissiges Vergnügen am Deprimiert-Sein

Wertheim.„Die Zusammenarbeit war die beste Idee, die wir je hatten“, freute sich Heide Fahrenkrog-Keller, Vorsitzende des Frauenvereins, bei ihrer Begrüßung zum 24. Wertheimer Frauenfest beim Convenartis Kleinkunstverein. Gemeinsam mit Lisa Schmidt,stellvertretende Vorsitzende von Convenartis, hieß sie die Frauen und einige Männer willkommen. Das Frauenfest wird jedes Jahr vom Frauenverein und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Wertheim, Natalja Mehler, am 8. März, dem Internationalen Frauentag, veranstaltet. In den vergangenen Jahren gab es unter anderem Lesungen und Vorträge, dieses Jahr hatte man sich für Frauenkabarett entschieden.

Und so waren alle gekommen, um Anna Piechotta zu genießen, die Gewinnerin des Wertheimer Affens 2015, die mit lieblichem Lächeln, atemberaubender Stimme und freundlichen Melodien das Leben mit bissigem Spott untersuchte. „Schneewittchen ist tot“, so der Titel ihres Programms.

Denn die zarte, zerbrechliche Frau des Märchens, die den sieben Zwergen den Haushalt führt, ist so gar nicht ihres. So musste sie sich wehren, als ein Journalist sie am Anfang ihrer Karriere als eben dieses Schneewittchen betitelte. Ist sie doch viel lieber das böse Mädchen, das unschuldig lächelnd den untreuen Liebhaber um die Ecke bringt – und damit das Publikum von Lachsalve zu Lachsalve führt.

Dabei ist ihr Ziel an diesem Freitag doch ein ganz anderes: Sie will ihr Publikum „so richtig runterziehen“ – was ihr bei allem Bemühen nicht wirklich gelingt. Viel zu ulkig sind die sprachlichen Bilder, die sie zeichnet, und viel zu fröhlich ihre Musik. Allerdings gelingt es ihr, das Publikum, mit dem sie gekonnt spielt und schäkert, am Ende dazu zu bringen, seiner Begeisterung nicht mit Applaus, sondern mit Buh-Rufen Ausdruck zu verleihen.

Überhaupt bricht die 37-jährige Kabarettistin gerne mit Konventionen. So beginnt sie das Konzert mit „dem letzten Lied“, um schnell Gage zu verdienen, und macht sich über das geneppte Publikum lustig. Die 18 Zugaben, die dann folgen, versöhnen allerdings schnell.

Da geht es um den rauchenden Lebenspartner, dem eine Röcheleinlage gewidmet ist, um ein nicht ganz jugendfreies Schlaflied oder um die Erfahrung, neu in einer Stadt zu sein. Viele ihrer Songs sind Eigenkompositionen, aber sie spielt auch mit bekannten Melodien, zum Beispiel einem Liebeslied von Beethoven, den sie zum „Ich hasse dich“-Song umfunktioniert. Oder es geht um das Kind Britta, das durch verschiedene Kinderlieder ganz gegen das Wunschbild ihrer Eltern aufwächst und schließlich als Bordsteinschwalbe endet.

Zwischendurch wird Schneewittchen neu erzählt, es beginnt mit ein paar Prisen Kokain und endet mit der internationalen Zwergentrauer, als Schneewittchen schließlich stirbt. Dabei schafft Piechotta es, mit verschiedenen bekannten Melodien die Eigenheiten verschiedener europäischer Länder herauszukitzeln.

Nachdem die Musikerin am Klavier es bis zum Schluss des Konzerts immer noch nicht geschafft hatte, die Zuschauer „runterzuziehen“, spielte sie noch zwei Zugaben zu den Zugaben aus ihrem neuen Programm „Leben leicht gelacht“, unter anderem ein Buckelwalgesang. Vielleicht hat sie ihre zweijährige Tochter sanfter gemacht.

Diese allein zu lassen, sei gar nicht so einfach gewesen, trotzdem habe sie sich gefreut, wieder in Wertheim aufzutreten, so die Künstlerin, die abseits von ihrem Bühnen-Ich eine hochsympathische Person ist. Dies zeigte sich in den langen Gesprächen, die sie nach dem Konzert im Vorraum noch mit ihren begeisterten und neugierigen Besucherinnen führte. nad