Wertheim

„Böhmisch-mährischer Abend“ Eiersheimer Musikanten drehten mit Erfolg an der Stimmungsschraube

„Blasmusik ist die Sprache des Himmels“

Bettingen.Für Begeisterungsstürme sorgten die Eiersheimer Musikanten beim „Böhmisch-mährischen Abend“ in der Mainwiesenhalle in Bettingen.

„Blasmusik ist die Sprache des Himmels“, schwärmte Janina Rückert, Moderatorin der Musikkapelle. Am ersten Tag des Jahres, an dem milde Temperaturen bis in den frühen Abend angenehme Sommergefühle weckten, gaben die fidelen Tonkünstler aus dem Külsheimer Stadtteil ihr Frühlingskonzert zur Saisoneröffnung für 200 Musikfreunde.

Die Musikanten waren in Lederhosen und weiße Hemden gewandet, die musizierenden Damen im Dirndl mit lindgrünen Schürzen bildeten Farbtupfer im Bühnenbild. Lindgrün symbolisiert gerade im Frühling wie keine andere Farbe das lebensbejahende, freundliche und sonnige Gemüt. Viele in der Fangemeinde taten es den Musikern gleich: Schneidige Tracht, karierte Hemden über der kurzen Krachledernen wurden in den Publikumsreihen bei Jung und Alt mit Stolz getragen.

Den musikalischen Auftakt bildete die „Rottenbucher Jubiläumspolka“. Das Programm mit über 30 Stücken war in drei Abschnitte gegliedert. Böhmisch-mährisch wurde aufgespielt, dabei dominierte die Polka. Dirigent Eddy Hauck und seine Musikanten präsentierten sich als eine eingespielte Truppe. Manche Stücke erklangen fast andächtig, andere stimmungsvoll und mitreißend.

Moderatorin Janina Rückert hatte mit ihrer leutseligen und herzlichen Art ein leichtes Spiel. Nach nur wenigen Minuten festigte sich der Eindruck, dass sie so ziemlich jeden im Saal kannte. Sie begrüßte Musikfreunde unter anderem aus Dertingen, Höhefeld, Kembach und aus Wörth am Main. Letztere sind eigentlich immer dabei, wenn die Eiersheimer ihre blinkenden Instrumente auf den Bühnen der Region auspacken.

„Nächtliche Tränen“, ein Solo für Trompete und Blasorchester, markierte einen ersten Programmhöhepunkt. Stücke des slowakischen Ausnahmemusikers Vlado Kumpan lösten Entzücken aus. Gespielt wurde aber auch „Alte Freunde“, erinnernd an Ernst Mosch, den Tausendsassa der gepflegten und niveauvollen Blasmusik, unvergessen und für seine Anhänger gar unsterblich.

Lebensfreude

„Blasmusik ist Lebensfreude und gute Laune pur“, schwärmte Janina Rückert und die Eiersheimer drehten weiter an der Stimmungsschraube. Stehend klatsche das Publikum bei der „Südböhmischen Polka“. Und weil es so gut ankam, wurde die lange Version gespielt. Besonders der Tubist zog die Blicke auf sich. Der begnadete Musiker mit dem größten Instrument, gut gebaut und mit stattlicher Leibesfülle, brillierte mit einer artistischen Einlage auf einem Stuhl stehend.

Zwischendurch wurden immer wieder Stücke an die Fans verschenkt, so der „Schwarze Peter“ an einen gleichnamigen Verehrer. Instrumental erklang „Auf der Vogelwiese“, für den Gesang sorgte der Saal. Der Walzer „Böhmisch-Katholisch“ ging an den „Batschi“ aus Bettingen, für die Freunde aus Wörth wurde der „Böhmische Traum“ gespielt. Die Klarinetten ließen dabei aufhorchen. Kaum einen hat es dabei auf seinem Sitzplatz gehalten, es wurde geklatscht, gelacht und einige haben sogar das Tanzbein geschwungen.

„Träumende Trompete“, was für ein klangvoller Name. Begeisterungsstürme lösten die Interpreten mit der „Königin der Instrumente“ aus. Musik als Medizin, spätestens bei der „Sorgenbrecher Polka“ war klar, was das bedeutet. Viele haben darauf gewartet. Zum Finale hin erklang „Dem Land Tirol die Treue“, die „heimliche Tiroler Landeshymne“. Verzückt war ein jeder vom Tuba-Solo „King Kong“. Mit „Wir Musikanten“ sollte eigentlich Schluss sein. Doch Eddy Hauck und seine Eiersheimer Musikanten waren großzügig mit Zugaben und verwöhnten ihre Freunde mit böhmisch-mährischen Polkas, Ländlern und Walzern, mundgemacht und aus dem Herzen gespielt.

Janina Rückert war sichtlich zufrieden mit dem Auftaktkonzert ihrer Eiersheimer Musikanten und lud in einer mütterlichen Art die Blasmusikfamilie für die weiteren Auftritte in den kommenden Monaten ein. Besonders erwähnte sie das Ende des Musiksommers: „Wir sehen uns auf der Werdemer Mess“.

Sehr zufrieden über den „Böhmisch-mährischen Abend“ war Heiko Weidmann, der Vorsitzende der Närrischen Sandhasen Bettingen, die zu diesem bemerkenswerten Frühlingskonzert eingeladen hatten: „Ich bin überrascht über die vielen Fans und auswärtigen Gäste.“