Wertheim

Konzert Ausnahme-Pianistin Aleksandra Mikulska begeisterte mit Ihrem Konzert in der Burgarena

Brillante Hommage an Frédéric Chopin

Wertheim.Bessere Bedingungen für das Freilicht-Konzert in der Arena der Burg hätten gar nicht herrschen können: Traumhaftes Wetter, viele erwartungsvolle Zuhörer und eine international erfolgreiche Ausnahme-Pianistin.

Aleksandra Mikulska gilt als profunde Kennerin der Werke von Frédéric Chopin. Seit ihrer frühen Kindheit faszinierte sie der polnische Komponist und begleitete sie sowohl in ihrer Ausbildung als auch in ihrer Karriere. Viele internationale und nationale Auszeichnungen und Preise säumen inzwischen den Lebensweg der 1981 in Warschau geborenen Künstlerin. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Werke nicht nur zu interpretieren, sondern wie in einer Biografie die persönlichkeitsbezogene Essenz von Chopin herauszuarbeiten und hörbar zu machen.

An diesem frühen Abend gelang das beeindruckend gut. Zunächst stellte Mikulska ihr Programm und das charakteristische der Person des Komponisten vor. Der vor Ideen sprühende, witzige und weltgewandte Pole Chopin erstand buchstäblich in seinem ganzen Profil wieder auf. Mikulska verstand es, bei den „Mazurken“ den Charakter, die Eleganz dieses slawischen Gesellschaftstanzes aus dem 19. Jahrhundert sichtbar und hörbar zu machen. Schon Liszt schrieb, nur in Polen selbst könne man den stolzen und dabei verführerischen Charakter der Mazurken verstehen. Es muss wohl an den nationalen Genen liegen, dass die Interpretationen, ja – das Kolorit der ursprünglichen aus der Folklore entstandenen Mazurkas durch Mikulska nicht nur technisch brillant, sondern auch gefühlvoll transponiert wurde und so auch beim Publikum ankam.

Spürbar und erlebbar

Mit der Interpretation der „Fantasie-Impromtu cis moll, Opus 66“ schöpfte Mikulska tief in der teilweise widersprüchlichen Vita von Chopin, machte auch die Brüche und innere Zerrissenheit, die Hochs und Tiefs nacherlebbar.

Dias „Scherzo b-moll, opus 31“ gehört zu den bedeutendsten Klavierkonzerten Chopins. Leidenschaftlich und virtuos kommt es mit hohem Tempo daher und stellt zahlreiche pianistische Herausforderungen, denen Mikulska mit extremer Ausdrucksgestaltung und hoher Dramatik souverän gewachsen war – mal drohend unheimlich, mal mit wütenden Fortissimo-Akkorden.

Weich, fast romantisch beginnt das „Andante spinato & grande Polonaise, es-dur, Opus 22. Es baut eigentlich auf einem Jugendwerk Chopins auf, enthält viele Triller und Vorschläge, steigert sich zu einem extrem schwierigen „Tempo rubato“. Mikulska ließ hier die ganze Dramatik sich aufbauen, schaffte ein donnerndes Klangvolumen, in dem jeder Ton glasklar aufblitzt, nicht verwischt wird.

Nach der Pause schaffte Mikulska eine besondere, Atmosphäre. Und zwar mit dem berühmten „Nocturne in Es-Dur op.55 Nr. 2. Betörend langsam beginnt es, wirkt innig und getragen. Wie Wassertropfen perlen die Töne, die voll ausschwingen dürfen. Der letzte Teil des Abends gehörte Chopins Spätwerk, der Sonate in h-Moll op. 58. Hier richtet Chopin das Augenmerk erstmals stärker auf die klassische Sonatenform, lotet zugleich ihre Grenzen neu aus: Mikulska spielte das „Allegro maestroso“ majestätisch-getragen, gestaltete ein lebendig-bewegtes Scherzo mit perlenden Achtel-Figuren. Frei, intuitiv und gefühlsbetont. Dunkel, schwer, ja pathetisch kommt das „Largo“ daher. Ernste musikalische Figuren und zarte Melodielinien erzeugen eine geradezu meditative Stimmung. Doch im Finale am Ende lichtet sich die Schwermut dann doch. Mit dem ausdrucksvollen Spiel der Pianistin mündet die Sonate in einen ungezügelten, fast rauschhaften Ausbruch. Herzlicher Applaus belohnte die Pianistin für den wunderbaren Abend, den sie den Zuhörern mit ihrem Konzert schenkte.