Wertheim

Das letzte Wort hat Gott

Wie hoch stehen eigentlich die Chancen . . .

. . . dass Ihr Lieblingsfußballverein einen Meisterschaftstitel holt?

. . . dass Sie von Ihrem Chef eine Gehaltserhöhung bekommen?

. . . dass Sie im Winter von der Grippe verschont werden?

. . . dass alle Blumenzwiebeln, die Sie schon gesteckt haben, auch Blüten tragen werden?

Wie hoch stehen eigentlich die Chancen? Und wie hoch stehen die Chancen, dass jemand von den Toten aufersteht?

Jedes Jahr um die Osterzeit sind wir mit dieser Frage konfrontiert. Wie hoch stehen eigentlich die Chancen? Es liegt uns ja doch kein Vernehmungsprotokoll der Zeugen und Zeuginnen vor, kein gerichtsmedizinisches Gutachten, sondern nur die Glaubenszeugnisse der Bibel.

Und doch: Jahr für Jahr feiern wir die Auferstehung Jesu Christi, die Auferweckung von Gottes Sohn, der die Macht des Todes bricht, der aus dem Tod zu neuem Leben kommt.

Und? Wie hoch stehen jetzt die Chancen, dass das tatsächlich und historisch und medizinisch so war?

Wissen Sie was? Mich interessiert die Antwort auf diese Frage gar nicht. Mich interessiert nicht das „Wie“. Mich interessiert nicht die Wahrscheinlichkeit und ich habe keine Lust auf medizinisch-biologische Auseinandersetzungen. Da halte ich es mit dem Apostel Paulus, der sich auch gar nicht in Diskussionen verstricken lassen will über das „Wie“ und „Ob“.

Er schreibt im 1. Brief an die Korinther, Kapitel 15,12f: Wenn aber von Christus verkündigt wird, dass er von den Toten auferweckt worden ist, wieso sagen dann einige unter euch: „Es gibt keine Auferstehung der Toten?“ Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, so ist unsere Predigt leer, leer auch euer Glaube.

Wichtig für mich ist, wie für Paulus, die Tiefe des Glaubens, die diese Erzählungen über die Auferstehung in mir erweckt. Die Freude, die sich unter den Jüngern und Jüngerinnen ausbreitet, die soll auch meine Freude sein. Die Hoffnungen, die sich darin ausdrücken, die sollen auch meine Hoffnungen sein: Dass eben nicht alles aus ist. Dass etwas bleibt. Dass die Trauer nicht das Einzige ist für den Rest meines Lebens.

Aus den Geschichten von der Auferstehung Jesu ziehe ich Kraft für mein Leben: Wenn Krankheit, Leid und Tod mein Leben verdunkeln und nur noch Trauer und Tränen übrig scheinen, dann glaube ich dagegen an: Ich vertraue darauf: Krankheit und Leid und Tod haben nicht das letzte Wort. Das letzte Wort, das hat Gott, und er spricht es und ruft seinen Sohn aus dem Tod zu neuem Leben.

Und mit seinem Sohn da ruft er auch mich: Mich in all meiner Dunkelheit, mich in all meiner Trauer, mich in all meiner Hoffnungslosigkeit, auch mich ruft Gott aus dem Dunkel ins Licht.

Königshofen-Grünsfeld Laura Breuninger, Pfarrerin der Kirchengemeinde