Wertheim

Comenius Realschule Schulleiter Hans-Peter Otterbach spricht mit Schülerin über seine Zeit als Rektor, die Veränderung der Schullandschaft und seine Zukunftspläne

„Das war die richtige Entscheidung“

Archivartikel

Es ist rum: Mit dem Ende des Schuljahres verlässt Schulleiter Hans-Peter Otterbach die Comenius Realschule und geht in den Ruhestand. Ein Rückblick.

Bestenheid. 15 Jahre lang war Hans-Peter Otterbach Rektor der Comenius Realschule. Zum Abschied wurde er von Neuntklässlerin Jennifer Agwu interviewt.

War es schon immer Ihr Wunsch, Lehrer zu werden?

Otterbach: Nein. Ich hatte eigentlich bis zum Abi gar keinen Plan und dann haben die Lehrer gesagt, dass ich Lehrer werden soll, weil ich gut in Mathe und Physik war. Das habe ich dann auch gleich gemacht. Sie haben mich und meine Interessen aber nicht geblickt. Ich fand es zwar völlig falsch, Mathe für Gymnasiallehramt zu studieren, aber ich bin froh, dass sich dann alles auf natürlichen Wege gefunden hat – zu dem Beruf, den ich jetzt habe. Ich hatte die Wahl zwischen Mathematiker oder Lehrer. Ein Kumpel von mir hat mich auf dem Weg zum Lehrer mitgenommen, und das war die richtige Entscheidung.

War die Zeit an der Comenius Realschule eine schöne Zeit für Sie?

Otterbach: In der Summe auf jeden Fall, denn Schulleiter sein, ist mein Ding. Aber das heißt nicht, dass es zu jeder Minuten Spaß gemacht hat, aber in der Summe, ja.

Freuen Sie sich auf Ihre freie Zeit, oder glauben Sie, dass Ihnen etwas fehlen wird?

Otterbach: Keine Ahnung. Das ist in der Zukunft. Ich weiß heute nicht, was im Herbst ist. Der Eintritt in den Ruhestand gehört für mich zu den unabwendbaren Dingen, auf die ich keinen Einfluss habe. Über solche Dinge mache ich mir keine Gedanken.

Was machen Sie jetzt mit Ihrer vielen freien Zeit?

Otterbach: Das wird sich finden. Es hat sich bei mir noch immer gefunden. Ich habe einige Dinge am Laufen. Wenn sich daraus was in der Zukunft ergibt, dann ist gut, wenn nicht, dann wird sich etwas anderes ergeben. Ich glaube nicht, dass ein Mensch in irgendeiner Form Freizeit hat, aber ich kann meine Zeit vielleicht besser gestalten.

Haben Sie sich Ihre Zeit als Rektor an der Comenius Realschule so vorgestellt, wie sie nun war?

Otterbach: In der Summe war sie einfach nur gut. Ich weiß nicht, was ich mir vor 15 Jahren vorgestellt habe. Ich hatte natürlich einen Plan vom Leben, aber der hat sich eben verändert. Insofern hatte ich einen guten Start. Ich wusste, was auf mich zukommt. Aber es war dann natürlich trotzdem ganz anders. Was an dem Job wahnsinnig spannend ist, ist, dass du morgens nicht weißt, was heute passiert. Das ist als Lehrer schon spannend, aber als Schulleiter noch viel mehr. Wenn man sich darauf nicht einlassen kann, dann ist man fehl am Platz.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Otterbach: Ich habe wirklich keine Ahnung, ob ich irgendwas vermissen werde. Bei den Brüchen bisher in meinem Leben habe ich noch nie zurückgeschaut. Der Job ist um. Erledigt. Ich werde meinen Schreibtisch nehmen und gehen. Das Einzige ist: Man braucht eine Struktur im Tag. Wenn man einen Job hat, ist die Struktur im Tag einfach vorgegeben. Man muss sich dann selbst eine Struktur geben, sonst ist es Mist.

Wird man Sie auch zukünftig bei Veranstaltungen der Schule sehen?

Otterbach: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen – weil es rum ist. Aber ich sage nie nie.

Gibt es etwas, das Sie an der Schule erreicht haben, worauf Sie besonders stolz sind?

Otterbach: Nö. Ich finde nur, es ist uns allen gelungen, der Schule ein gutes Image zu verpassen und das war am Anfang sicher nicht ganz einfach. Wir hatten Glück an einigen Stellen – ganz sicher. Mittlerweile stehen wir gut da, aber das ist einfach ein Gesamtkunstwerk. Das kann ein Schulleiter nicht allein. Er kann es beeinflussen sicher, aber er kann es nicht alleine.

Wie hat sich die Schule Ihrer Meinung nach verändert, während Sie Rektor waren?

Otterbach: So wie sich die Welt verändert hat. Wir waren eine Schule hinter den sieben Bergen in einem tiefen Tal, das von Stuttgart niemand gesehen hat und das habe ich denen auch gesagt. In der Zwischenzeit wissen sie, dass es in Baden-Württemberg eine Schule gibt, deren Vorwahl mit 093 beginnt. Das haben wir geschafft, dass sie in Stuttgart wissen, wo wir sind. Trotzdem ist es günstig, dass wir weit weg sind. Insgesamt hat sich die Schule massiv verändert, weil sich auch die Politik verändert hat. Als ich Schulleiter geworden bin, gab es an der Schule praktisch keinen einzigen Schüler, der nicht fließend Deutsch gesprochen hat. Und letztes Jahr hatten wir 50 bis 60 Kids, die in der Vorbereitungsklasse waren. So etwas verändert eine Schule ganz massiv. Wir sind wesentlich bunter geworden von den Lehrern und von den Schülern her.

Was sollte Ihrer Meinung nach an der Schule auf jeden Fall so bleiben wie es ist, auch wenn es nun einen Führungswechsel geben wird?

Otterbach: Da werde ich nichts zu sagen. Das soll die neue Führungsriege entscheiden. Es wird sich alles finden.