Wertheim

"Museumsstücke" Exponat ist mit einer Ansicht der Burg geschmückt

Dekorative Fahrradklingel

Wertheim.Passend zur Ausstellung über die Wertheimer Eichelgasse (und zum Jubiläum 200 Jahre Fahrrad) brachte Gerhard Zembsch das heutige "Museumsstück" ins Wertheimer Grafschaftsmuseum. Es handelt sich um eine Fahrradklingel, die einst in der Eichelgasse 5 bei Friedrich Weingärtner erhältlich war.

Der gelernte Schlosser übernahm gegen 1887 den ehemaligen Laden seiner Eltern, die mit selbst hergestellten Kerzen und Seifen gehandelt hatten. Er eröffnete hier ein Geschäft für Nähmaschinen und Fahrräder und war selbst Mitglied im Wertheimer Velociped-Klub.

Die dekorative Klingel mit der Ansicht der Wertheimer Burg dürfte aus der Zeit um 1910 stammen. Der den Zahnrad-Mechanismus auslösende Schlägel ist noch mit einem Jugendstildekor verziert.

Als Friedrich Weingärtner sein Geschäft mit Fahrrädern begann, war er genau am Puls der Zeit: Das 1886 entwickelte Rad mit Kettenantrieb in der noch heute üblichen Form löste schnell das nur von wenigen Wagemutigen genutzte Hochrad ab und wurde zum populären Fortbewegungsmittel.

Das aus dem 17. Jahrhundert stammende schieferverkleidete Haus in der Eichelgasse gehörte seit 1810 der Familie Weingärtner. Nachfolger Friedrich Weingärtners war sein Schwager Hermann Adelmann, dann dessen Schwager Hans Distelhorst. 1952 wurde in dem Haus der erste Wertheimer Eissalon der Familie De Pellegrin eröffnet.

Genaueres über die Geschichte dieses und aller anderen Häuser der Eichelgasse erfährt man in der laufenden Sonderausstellung. Die hier vorgestellte Klingel spielt eine besondere Rolle bei den Führungen von Kuratorin Ursula Wehner. cn