Wertheim

Westernschießen Gerhard Heilmann aus dem Hofgarten gewinnt die Deutsche Meisterschaft und erreicht einen fünften Platz bei der EM

Der Dreifach-Erfolg ist nun perfekt

Archivartikel

Gerhard Heilmann hat allen Grund zu strahlen. Kürzlich ist er zum dritten Mal in Folge Deutscher Meister im Westernschießen geworden.

Hofgarten. Die Freude über den dritten Meistertitel ist Gerhard Heilmann deutlich anzusehen. Der 72-jährige hat sich mit Haut und Haaren dem Sport verschrieben. Früher erfolgreicher Sportschütze und beim Reservistenschießen aktiv, schoss er teilweise auf 200 Meter Distanz und wechselte dann aufgrund schwächer werdender Sehkraft zum Westernschießen.

„Wenn man sich über die Ergebnisse ärgern muss, ist das ja nicht erfüllend“, erklärt Gerhard Heilmann den vor Jahren erfolgten Wechsel. Bereits 2016 und 2017 konnte er in der Kategorie „1890“ mit original Waffen aus dem Jahr 1890 und in der Altersklasse „Elder Statesman“ die Deutsche Meisterschaft für sich entscheiden. Und damit war das Ziel für 2018 klar: das Triple perfekt zu machen.

Viel trainiert

Das bedeutete im Vorfeld natürlich entsprechend viele Trainingseinheiten. Vier Mal pro Woche wird „trocken“ geübt. Dabei werden Abläufe und Handgriffe immerzu wiederholt, ohne wirklich zu schießen. Einmal die Woche geht es auf den Schießstand der Sportschützen nach Mainbullau, einem Stadtteil von Miltenberg.

Das Training hat sich gelohnt: Heilmann schafft, was bisher so noch nicht da gewesen ist, er wird in Philipsburg zum dritten Mal in Folge Deutscher Meister. Nur Tage später stand er wieder im Parcours. Dieses Mal in Oparany in der tschechischen Republik. Hier fanden die Europa-Meisterschaften statt. Über 200 Schützen waren angetreten. Einer von ihnen: Gerhard Heilmann. Drei Tage Wettkampf, 16 Stationen, 26 Schuss pro Station – wer dabei an Wildwest, großen Spaß und „wilde Rumballerei“ denkt, liegt völlig falsch.

Denn laut Aussage Gerhard Heilmanns ist es ein Sport, bei dem Fitness, Können und Konzentration ähnlich gefordert sind, wie beispielsweise bei den Sportschützen.

Den EM-Titel hielt Heilmann übrigens nach der vorletzten Station eigentlich schon in beiden Händen.

Mit 485 Sekunden lag er ganze 14 Sekunden vor seinem Gegner. Dieser trat zum ersten Mal 2017 in Erscheinung und konnte Heilmann um vier Sekunden schlagen. „Dieses Mal habe ich alles minutiös aufgeschrieben und wusste am letzten Tag, dass ich die EM gewinnen kann.“ Gerhard Heilmann zeigt zum Beweis sein Buch, in dem alle seine Zeiten und die seines direkten Gegners für jede Station erfasst sind. Vor der letzten Station führte Heilmann das Feld an und liegt mit besagten 14 Sekunden vor seinem Gegner.

Für die letzte Station brauchte er nur 31,9 Sekunden, in denen er die 26 Schuss mit allen vier Waffen abgab – somit hatte er den Sieg in der Tasche.

Doch dann passiert es: Anstatt die Waffe entsichert zur Nachkontrolle in einem genau vorgeschriebenen Winkel auf den Tisch zu legen, stellte er sie, wie sonst üblich, entsichert in seinen Wagen. Das gab 160 Strafsekunden und kostete Heilmann am Ende den Europameister-Titel. Immerhin reichte es trotzdem noch für den fünften Platz. Damit ist das Ziel für nächstes Jahr klar: Neben dem Meistertitel in Deutschland will er gleichzeitig auch den Europameistertitel holen. Zur Weltmeisterschaft nach Arizona allerdings zieht es ihn gar nicht.

Als Grund gibt er zu große Schwierigkeiten für den Transport der Waffen an. „Außerdem ist es dort sehr staubig, sodass man da nicht einmal Urlaub in der Nähe machen möchte“, winkt er ab.