Wertheim

Auftakt „Orgelmusik zur Marktzeit“ in der Stiftskirche startet mit Bach, Händel, Alain und Eben in die neue Saison

Der Orgelkunst alle Ehre gemacht

Archivartikel

Wertheim.„Die Orgel ist super!“ konstatierte Regine Schlereth bereits bei ihrer Begrüßung. Bei dem dreiviertelstündigen Konzert übertrug sich die Begeisterung der Künstlerin auf das Publikum, das seinen Applaus nur mit Mühe bis zum letzten Stück zurückhalten konnte. In der Tat hätte jedes der abwechslungsreich ausgewählten Stücken einen individuellen Applaus verdient. So machte dieses Konzert der Erhebung der Orgelkunst in den Status des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes alle Ehre.

Verwobene Harmonien

Die Fantasie G-Dur von Johann Sebastian Bach begann manualiter („très vitement“- sehr schnell) und setzte sich mit einem fünfstimmigen Alla-breve-Satz fort, der den ganzen Reichtum Bachscher Kompositionskunst mit spannungsreichen Akkordverbindungen und dicht ineinander verwobenen Harmonien ausgiebig genießen ließ. Nach kurzer Kadenz löste sich die Spannung in einem strahlenden G-Dur-Akkord. Während bei Bach die monumentale Klangfülle der dreimanualigen Rensch-Orgel eindrucksvoll zu bewundern war, hatten bei den modernen Stücken von Jehan Alain und Petr Eben filigrane Klangfarben und ungewöhnliche Intervalle den Vorrang. Indisch-hinduistische, einem Feuergott gewidmete Tänze hatten den Komponisten zu seinem Werk inspiriert. Der im Zweiten Weltkrieg im Alter von 29 Jahren gefallene Jehan Alain war Bruder der legendären, 2013 verstorbenen „Grande Dame“ des Orgelspiels, Marie-Claire Alain.

Auch die assistierende Bezirkskantorin Katharina Wulzinger musste beim Umblättern und Registrieren stets aufmerksam und reaktionsschnell agieren, damit die im Voraus festgelegten Klangplanungen der Organistin effektvoll hörbar werden konnten.

Aus den „4 biblischen Tänzen“ des tschechischen Komponisten Petr Eben spielte Regine Schlereth den lyrischen „Tanz der Schulamit“ und die virtuose, mitreißende Tanztokkata „Hochzeit zu Kana“. Biblisch überliefert seien solche Tänze nicht, aber, so der Komponist, eine ansonsten so festliche beschriebene Hochzeit könne man sich ohne Tanz nicht vorstellen. Offensichtlich gab sich auch das Publikum gerne dieser Stimmung hin, denn nach den hochvirtuosen, vor Freude sprudelnden Tonsalven ließ sich der begeisterte Applaus kaum zurückhalten.

Doch erst nach den Sätzen aus Händels „Wassermusik“ konnte man sich bei der Organistin für ihr mitreißendes, präzises Spiel und für die abwechslungsreiche, hochkarätige Programmgestaltung bedanken. Neben dem bekannten „alla Hornpipe“ erklangen viele unbekanntere Sätze aus der insgesamt 21-teiligen Suite, wobei die barocktypische „Terrassendynamik“ durch häufigen Manualwechsel gut zur Geltung kam. Mit dem bekannten, tänzerischen „Menuett“ wurde das Konzert in Organo-pleno-Registrierung schwungvoll beschlossen.