Wertheim

Wehrkirche Trotz hoher Kosten hat sich der Kirchengemeinderat für die Anschaffung entschieden / Generalreinigung zu aufwendig

Dertinger bekommen neue Orgel

Archivartikel

Die Dertinger Wehrkirche bekommt eine neue Orgel. Darüber soll in der Gemeindeversammlung am Sonntag im Anschluss an den Gottesdienst informiert werden.

Dertingen. Es war eine Entscheidung, die sich der Kirchengemeinderat nicht leicht gemacht hat, die aber fällig war und getroffen werden musste. Und sie fiel so aus, wie sie schon aus Vernunftgründen wohl ausfallen musste: Die Dertinger Wehrkirche soll eine komplett neue Orgel bekommen, obwohl die Anschaffung mit voraussichtlichen Kosten von etwa 180 000 Euro um rund 100 000 Euro teurer wird als die Generalreinigung des vorhandenen Instrumentes, die ebenfalls möglich gewesen wäre.

Doch dagegen sprachen, so Kirchenführer Steffen Baumann im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten, vor allem zwei Gründe. Selbst eine Reinigung hätte die Qualität des Instrumentes nach Einschätzung aller Fachleute gerade noch auf „befriedigend“ gesteigert. Und danach wäre die 1967 von den Gebrüdern Mann aus Marktbreit eingebaute Orgel immer noch „für den sensiblen Kirchenraum deutlich zu groß“ gewesen.

Heizungsschaden

Im vergangenen Jahr ist das Innere der Wehrkirche renoviert worden (wir berichteten) und jedem war klar, dass spätestens nach dem Abschluss dieser Maßnahme die Entscheidung über das Schicksal der Orgel getroffen werden musste. Deren Generalreinigung war überfällig, denn unter anderem hatte um die Jahrtausendwende ein Heizungsschaden zu rußhaltigen Ablagerungen in den Pfeifen geführt.

Für die Reinigung hätten die Spezialisten das gesamte Instrument auseinander- und sich jede einzelne Pfeife vornehmen müssen. Mit dem erwartbaren, nicht wirklich zufriedenstellenden, Ergebnis.

Aus optischen Gründen war laut Baumann auch im Gespräch, die Holzpfeifen im linken Orgelbereich komplett hinter da Gehäuse zu versetzen, was jedoch ein Verschieben der gesamten Orgel um bis zu 80 Zentimeter in Richtung Emporenbrüstung und erhebliche Einschränkungen für die Beweglichkeit und die Mitwirkung kirchenmusikalischer Gruppen bedeutet hätte. „Die Alternative zur Generalreinigung ist der Einbau einer komplett neuen Orgel, die bedeutend kleiner ausfallen würde, allerdings den klanglichen und optischen Rahmenbedingungen optimal angepasst werden könnte“, schildert Baumann.

In die zu treffende Entscheidung waren sowohl der Orgelsachverständige der badischen Landeskirche, Dr. Martin Kares, als auch Bezirkskantorin Katharina Wulzinger eingebunden. Orgelbauer wurden zu Vor-Ort-Terminen eingeladen, außerdem besuchte der Kirchengemeinderat Gotteshäuser in der näheren und weiteren Umgebung in denen Instrumente der präferierten Orgelbauer gespielt werden.

Hohe Kosten

Nach langen Beratungen wurde die Entscheidung für den Neubau getroffen. Den Auftrag erhielt der Orgelbauer Tilman Trefz aus Kernen-Rommelhausen im Rems-Murr-Kreis. Von den voraussichtlichen Kosten in Höhe von etwa 180.000 Euro wird die Kirchengemeinde wohl 105 000 Euro selbst tragen müssen. Rücklagen im Haushalt sind gebildet, gleichzeitig steht noch nicht fest, ob und zu welchem Preis die „alte Orgel“ verkauft werden kann. Möglich ist auch noch, dass vorhandene Pfeifen in das neue Instrument eingesetzt und wiederverwendet werden. Bis die Gottesdienstbesucher die neuen Klänge genießen können, werden aber noch einige Jahre ins Land ziehen. Für 2023 ist der Einbau vorgesehen.