Wertheim

Industrie- und Handelskammer Wirtschaftslagebericht über die Situation der regionalen Unternehmen zeigt gemischtes Bild

Die Konjunktur verliert an Tempo

Ein gemischtes Bild der Situation der regionalen Unternehmen weist der Wirtschaftslagebericht der IHK Heilbronn-Franken auf.

Heilbronn. Seit knapp zehn Jahren befindet sich die Konjunktur der gesamten Region Heilbronn-Franken im stetigen Aufschwung. Daran hat sich auch im vierten Quartal 2018 kaum etwas geändert, wie die Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, Elke Döring, bei der Präsentation der neuesten Wirtschaftsdaten unterstrich.

In der Industrie hat die Konjunktur im ersten Quartal 2019 allerdings angesichts der schwächeren Weltwirtschaft spürbar an Tempo verloren. Das trifft auch auf den Dienstleistungssektor zu, während der Bausektor nach wie vor sein hohes Niveau hält. Und auch aus dem Handel liegen gute Zahlen vor. Diese Gesamtsituation schlägt sich auch in den erwarteten Geschäftsentwicklungen nieder, die etwas weniger Zuversicht ausstrahlen.

Die dennoch insgesamt positive Lage in der Region Heilbronn-Franken wird vor allem durch die funktionierenden binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte getragen, wobei das Baugewerbe seine unangefochtene Spitzenstellung behauptet. In ihrem Fazit geht die Hauptgeschäftsführerin davon aus, dass sich in der zweiten Jahreshälfte das Bild der regionalen Wirtschaft wieder aufhellen könnte.

Die Wirtschaft brummt

Was sich bei den Konjunkturumfragen der letzten Quartale abzeichnete, setzte sich auch bei der Erhebung der Daten für das erste Quartal 2019 fort: Die regionale Wirtschaft brummt nach wie vor. Die leichten Eintrübungen zeigen aber auch, dass das handelspolitische Klima rauer wird. Der weltweite Handelskonflikt mit den USA und vor allem die verschärften Interessensunterschiede zwischen den USA und China setzen den exportorientierten Unternehmen der Region zu. Beeinflusst wird die aktuelle Lage auch durch den ungewissen Ausgang der verschobenen Brexit-Bestrebungen, und auch die Zweifel an der finanzpolitischen Stabilität Italiens führen zunehmend zur Verunsicherung der Unternehmen.

Vor allem die Einschätzungen zum Weltwirtschaftsgeschehen werden auch von den jüngsten Beobachtungen des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) gestützt. In einer aktuellen Konferenz beschäftigte sich dieses Gremium mit den administrativen Verordnungen des US Präsidenten Donald Trump, an die man sich auch in Zukunft gewöhnen müsse. Eine gravierende Änderung der Außenhandelspolitik der USA sei vorerst nicht zu erwarten, auch wenn Präsident Trump offenbar zu neuen Gesprächen mit der chinesischen Seite bereit sei, hieß es.

Die gute konjunkturelle Lage in der gesamten Region Heilbronn-Franken wird neben der starken Binnenkonjunktur ganz wesentlich von der Weltwirtschaft getrieben. Hinsichtlich zukünftiger Geschäfte ist der Optimismus der regionalen Industriebetriebe zurückgegangen. 45 Prozent der Betriebe (Vorquartal 59) melden eine gute Geschäftslage. Die Aufträge sind allerdings weiter zurückgegangen.

Sinkende Investitionsbereitschaft

In den kommenden Monaten ist eine verhaltene Entwicklung der Ausfuhren zu erwarten. Damit einher geht auch die sinkende Investitionsbereitschaft.

Nur noch ein Drittel (Vorquartal 40 Prozent) der Unternehmen planen mit zunehmenden inländischen Investitionen.

Deutlich verschlechtert hat ich auch das Klima auf dem Dienstleistungssektor. Nur noch 34 Prozent (Vorquartal 48 Prozent) halten die aktuelle Lage für gut. Stabil hält sich dagegen der Großhandel. Die Betriebe sind mit dem Geschäftsverlauf zufrieden und auch der Blick in die Zukunft fällt optimistisch aus.

Auf einem Topniveau präsentiert sich der Einzelhandel. Die Lagebeurteilung in diesem Bereich erreicht den höchsten Stand seit Herbst 2014. Steigende Einkommen und ein anhaltender Erwerbstätigenzuwachs sorgen für eine rege Konsumnachfrage der privaten Haushalte. Die weitere Umsatzentwicklung wird pessimistischer als im Vorquartal eingeschätzt und auch hinsichtlich des Geschäftsverlaufes überwiegt im Einzelhandel die Skepsis.

Weiterhin positiv fällt die Beurteilung der Arbeitsmarktentwicklung aus. Nach wie vor bremsen Fachkräfteengpässe das Beschäftigungswachstum. 62 Prozent sehen den Fachkräftemangel als größtes Geschäftshemmnis.

Prekäre Situation

Bei diesem Bild stechen vor allem die Umfrageergebnisse im Main-Tauber-Kreis ins Auge, denn hier scheint die aktuelle Situation besonders prekär. Trotzdem beurteilen 63 Prozent der Unternehmen an Tauber und Main die aktuellen Geschäfte und die Gesamtkonjunktur als gut. 31 Prozent sind zufrieden und nur sechs Prozent sprechen von einer schlechten Situation.

Als größtes Risiko für die künftige wirtschaftliche Entwicklung sieht der Großteil der Unternehmen den Fachkräftemangel, die hohen Arbeitskosten und die nachlassende Inlandsnachfrage.