Wertheim

Katholische Kirchengemeinde Neue Ministranten in Wertheim haben zahlreiche Aufgaben während der Messe / Gemeinsame Freizeitgestaltung

Dienen am Altar will wohl vorbereitet und gelernt sein

Archivartikel

Wertheim.Die Aufgaben der Ministranten in der katholischen Kirche bei Messen, Andachten, aber auch bei Beerdigungen sind vielfältig.Es beginnt mit dem Altardienst, also der Unterstützung des Pfarrers bei der Gabenbereitung, dem Klingeln der Schellen bei der Wandlung oder dem Abräumen des Altars nach der Reinigung von Kelch und Hostienschale. Daneben sind Ministranten auch als Fackel-, Kreuz-, oder Rauchfassträger sowie als Lektor im Gottesdienst tätig. Außerdem sammeln die Ministranten auch die Kollekte ein oder halten das Buch, aus dem der Pfarrer die liturgischen Texte liest.

Ministranten sind in normalen Gottesdiensten anwesend, bei Prozessionen, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen, also immer dann, wenn ein Gottesdienst mit Pfarrer oder eine Andacht zelebriert wird. In der Nachweihnachtszeit sieht man Ministranten meist als „Sternsinger“ und in der Karwoche als „Klapperer“ durch die Straßen ziehen.

Einheitliche Kleidung

Sie sind meist einheitlich gekleidet mit einem Chorgewand, entweder mit einem einfarbigem Leinen- oder Baumwollgewand, gerne mit einem Untergewand aus einem farbigen Stoff – dem Talar. Dieser ist meist grün, rot, violett oder in seltenen Fällen auch schwarz. Zum Dienst als Ministrant kann sich jeder Gläubige melden, der die Erstkommunion abgeschlossen hat. Meist sind es Kinder und Jugendliche, die sich als Ministranten bewerben, aber auch ältere Ministranten sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Vor allem in Gegenden mit wenig Kindern ist der erwachsene Ministrant schon Alltag. Insbesondere in Bischofskirchen wird das Amt von Erwachsenen ausgeübt.

Kein Nachwuchsproblem

In Wertheim ist dies noch nicht der Fall. In den Pfarreien im Stadtgebiet und den Ortsteilen finden sich immer noch genügend junge Ministranten. In St. Elisabeth in Bestenhaid und in St. Venantius in der Kernstadt werden aktuell mehrere neue Ministranten in ihr Amt eingeführt.

Dabei ist dieses Ehrenamt nicht mehr nur auf Knaben beschränkt so wie es in früheren Jahren üblich war, auch Mädchen interessieren sich sehr stark für den Dienst in der Kirche. Sie stellen in manchen Pfarreien schon die Mehrzahl der Ministranten und sind seit 2004 nach einem Erlass von Papst Johannes Paul II. endgültig vollwertig zum Dienst in der Kirche bestellt. Dies sehen einige Pfarrer als Zeichen der Veränderung einer Gesellschaft, andere als Bereicherung. Im allgemeinen sind die Probleme der Anfangszeit heute aber europaweit überwunden.

Ab dem achten Jahrhundert war der Ministrantendienst in der heiligen Messe unerlässlich, da es für Priester üblich wurde, täglich die heilige Messe zu feiern. Weil dies durch wachsende Priesterzahlen als Feier mit der Gemeinde kaum noch möglich war, kam es zur Einführung der Privatmessen (missa privata), bei denen der Priester allein „die Messe las“. Das Konzil von Mainz 813 verordnete, dass bei der Feier einer Messe wenigstens zwei andere Gläubige anwesend sein mussten. Das Konzil von Paris 829 nannte diese „ministri. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde verfügt, dass kein Priester die Messe feiern dürfe ohne die Anwesenheit eines anderen Klerikers, der die Antworten gebe. So entstand der Dienst des Chorknaben oder Messdieners.

Im Jahr 2009 gab es in Deutschland mehr als 400 000 Ministranten bei steigender Tendenz.

Neben dem liturgischen Dienst der Ministranten sollte der Dienst in früheren Jahren auch auf das Priesteramt vorbereiten. Etliche spätere Pfarrer waren in ihrer Jugend Ministranten.

Gemeinsame Erlebnisse

Manche Pfarrer rühmten sich, dass aus ihrer Pfarrei besonders viele Priesterschüler hervorgingen. Dies ist heute nicht mehr übliche Praxis, wird aber trotzdem immer noch gerne gesehen. Neben den kirchlichen Diensten sind es Freizeitaktivitäten, die das Leben eines Ministranten bereichern können. Gemeinsame Gruppenstunden, Fahrten oder Grillabende sind nur einige Aktivitäten außerhalb des Gottesdienstes. Hier wird echte Gemeinschaft, meist angeführt von den Oberministranten oder vom jeweiligen Pfarrer selbst, erlebt.

Gegenseitige Hilfe

Für Max aus Bestenhaid war es Ehrensache direkt nach der Erstkommunion Ministrant zu werden. Er freut sich richtig auf das Dienen am Altar und bei den anderen kirchlichen Veranstaltungen. Was er alles zu erledigen hat, darauf wurden sie und die anderen Neulinge bei einem Vorbereitungskurs trainiert. Er hofft, dass nichts schieflaufen wird und wenn doch, hat er ja noch die Hilfe seiner Mitministranten, die ihm schon rechtzeitig Zeichen geben werden.

Das sieht auch Hanna so. Sie hat sich ebenfalls gleich nach der Erstkommunion entschlossen, Ministrantin zu werden. Zusammen mit ihren Freunden und Freundinnen will sie immer bereitstehen, um den zelebrierenden Pfarrer zu unterstützen. Max und Hanna sind nur zwei von insgesamt gut 20 Kindern, die als Ministranten in der Pfarrei St. Elisabeth tätig sind. Ihre Anzahl ist seit Jahren konstant, auch wenn es in den einzelnen Jahrgängen naturgemäß Schwankungen gibt. mae