Wertheim

Fußball Keiner kennt die Bedürfnisse „seines“ VfB-Grüns besser als er / Elmar Amend – ein Urgestein der Reicholzheimer Fußballer

Dieser „Elle“ ist ein echter Rasenzauberer

„Wow, euer Platz ist ja echt super gepflegt.“ – „Ja, das ist ja auch gewissermaßen Elles Wohnzimmer.“ Aufgeschnappt am Rande der Stadtmeisterschaft. Und das nicht nur einmal. „Elle“, ja, den kennt in Reicholzheim nun wirklich jeder. Voller Name und offizielle Bezeichnung: Elmar Amend, Platzwart. 65 ist er, aber das sieht man dem drahtigen Typen nicht an. Er kommt aus der Landwirtschaft, ist Knochenarbeit gewohnt und harkt als Rentner auch gern einmal riesige Rübenfelder bei einem befreundeten Bio-Bauern. Von Hand. Beim VfB pflegt „Elle“ den Rasen. Damit die „Stars“ in Trikots und Kickschuhen auflaufen können und so ein Spiel reibungslos über die Bühne geht, braucht’s die Jungs im Hintergrund. Da ist zum einen Oguzan Kalkan, der auch im dichtesten Gestrüpp oder in der Tauber selbst nach zu weit geschossenen teueren Bällen „taucht“ und sie zuverlässig wieder zurück zur Turnierleitung bringt. Oder eben „Elle“ Amend, der Rasenzauberer. 30 Mal muss das Grün im Sommer gemäht werden, damit’s so üppig sprießt wie in Reicholzheim. Einmal wöchentlich mindestens schwingt sich Elle auf den Mäher. „Übrigens in der dritten Generation die gleiche Marke“, wie Elle witzelt, der neueste „rote Blitz“ dröhnt seit fünf Jahren über die Halme und hat stolze 1,25 Schnittbreite. „Anderthalb Stunden brauchst du da trotzdem jedes Mal, bis alles so weit gemäht ist“, sagt der Pilot des Gefährts.

Viel mehr als „nur“ Mähen

Seit 1992 kümmert sich „Elle“ um all das. Wie’s angefangen hat? „Na ja, wie das halt immer so ist“, erinnert er sich, „erst will’s keiner machen“. Dann hat er schließlich Ja gesagt. Seine Erfahrung aus der elterlichen Landwirtschaft hat ihn quasi dafür prädestiniert. „Damals hatte der Mäher allerdings noch einen Seitenauswurf und keinen praktischen Grasfangsack wie heute.“ Das heißt, nach dem Schnitt kam früher das Rechen. Heute geht’s schneller, und dennoch: Gemütlich auf dem Bock sitzen und beschaulich ein paar Runden ziehen, damit ist’s in der Fußballrasenpflege längst nicht getan.

Nun hegt „Elle“ nicht etwa Bundesliga-Ansprüche, doch er macht sein Ding akkurat, eben richtig und verlässlich oder gar nicht. So kennen sie ihn beim VfB. Und jeder weiß: „Elle“ ist ein echter Fachmann. Ein solcher Rasen wird nicht nur schnöde gekürzt, wie der daheim im Vorgarten. Nein, der wird auch vertikutiert und aerifiziert. Während beim Vertikutieren der Hobbygärtner begriffstechnisch noch mithalten kann – richtig: das bedeutet, weg mit dem lästigen Moos und Beiwuchs – hört’s beim Aerifizieren wohl bei den meisten auf. „Das ist so etwas wie Lochen und tief Belüften“, erklärt „Elle“. Ein großer Schlepper besorgt dabei das Stechen von etwa 150 fingerdicken, rund 15 Zentimeter tiefen Löchern pro Quadratmeter Rasen. Wer je einmal daheim vom echten Golfrasen zu träumen wagte, der weiß auch: Bewässern ist ein Muss. „Einmal die Woche gründlich, mit 35 Liter pro Quadratmeter, das reicht bei uns auch bei der Hitze“, sagt „Elle“ stolz, denn: „Wir haben einen tollen, nur wenig steinigen Boden hier“. Aber auch das verschlingt gut und gern einmal sechs Stunden die Woche.

Ja, und dann das leidige Thema Düngen. Eher mehr – oder doch wenig? „Ich mach’ einmal im Jahr – und zwar im Spätjahr – eine Langzeitdüngung mit Kali“, erläutert „Elle“. Und dazu braucht der Fachmann keine Maschine. „Ich werf’ das einfach von Hand, noch so richtig mit dem Kunstdüngerblech vorm Bauch“, lacht er. Einmal im Jahr wird der Rasen auch „gesandet“. Eine Spezialfirma bringt 25 Tonnen Sand auf den Platz auf. Auch „Elle“ ist da natürlich dabei. Wie immer. „In der Natur sein, das ist halt einfach meine Lieblingsbeschäftigung“, schwärmt der rüstige Rentner. Und: Er kann auch Fußball. Seit 43 Jahren ist er als Schiedsrichter aktiv, und – man müsste es eigentlich gar nicht gesondert erwähnen, „Elle“ tut’s dann doch: „Ich bin ein begeisterter VfB-Anhänger. Einmal VfB – immer VfB“, betont er stolz und legt nach: „wegen der guten Kameradschaft“.

Um „Elles“ Engagement braucht sich der Verein keine Sorgen zu machen. Einer wie der „Elle“, der macht das so lang, bis er wirklich nimmer kann.