Wertheim

Volksbank-Forum in der Main-Tauber-Halle Blogger Sascha Lobo referierte über die Digitalisierung / Hardware wird zur Software

Digitale Ungeduld erzeugt „Sofortness“

Archivartikel

Über Chancen und Risiken der Digitalisierung referierte der Blogger Sascha Lobo beim Volksbank-Forum in der Main-Tauber-Halle. Digitale Ungeduld gebe es auch im Finanzmarkt.

Wertheim. „Digitalisierung verstehen“ und „Nachhaltig investieren“ waren die beiden großen Themen beim Volksbank-Forum am Dienstagabend in der Main-Tauber-Halle. Michael Schneider, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Main-Tauber, sagte zu Beginn, dass diese Themen die Volksbank schon lange beschäftige – Investition in die Energie- und Umweltbranche und natürlich Onlinebanking und digitales Bezahlen.

Bevor es dann zu den beiden Vorträgen ging, ergriffen Georg Stemmler und Madeline Knop das Wort. Der noch amtierende Regionalmarktleiter dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen der letzten Jahre. Madeline Knop wird dann in einiger Zeit seine Stelle übernehmen.

Neue Dimension der Investments

„Nachhaltigkeit ist nicht erst seit Greta Thunberg mit der Friday-for Future-Bewegung ein Thema“, erklärte Dr. Thomas Deser von der Union Investment. Bereits 2015 beschäftigte sich die Staatengemeinschaft mit den 17 Zielen der nachhaltigen Entwicklung, zu denen zum Beispiel Hunger, Armut, Gesundheitsversorgung oder die Reduzierung der CO2 Emissionen gehören.

So werde Kohle zum großen Verlierer, während die Branchen Wind, Solar und Wasserstoff und weitere wachsen. Nachhaltigkeit beziehe sich aber auch auf die soziale Komponente, betonte Dr. Deser. Neben Rendite, Liquidität und Risiko bildet die Nachhaltigkeit nun die vierte Dimension bei der Geldinvestition.

Bei allen Investitionen ginge es auch darum, Risiken zu minimieren. Daher arbeite man beim Investitionsprozess mit einem „zwei-Ampel- Prinzip“. Nur wenn beide Ampeln – klassische Analyse und Nachhaltig- eitszeugnis – grün zeigen, würde man investieren. Abschließend betonte er, dass nachhaltig investieren bedeute, sich mit Umwelt-, sozialen und wirtschaftlichen Themen zu befassen, aber auch eine verantwortungsbewusste, aktive Mitsprache erfordere.

Es verbessere das Risikomanagement ohne Renditeverzicht und sorge für ein gutes Gefühl.

Mit einem kurzen Vortrag über nachhaltiges Geldanlegen in der Praxis leitete Jürgen Grimm zum zweiten Thema des Abends über: Digitalisierung.

Nachteile für ländlichen Raum

Hierfür hatte die Volksbank den Blogger, Buchautor, Journalist und Werbetexter Sascha Lobo eingeladen. Mit viel Witz brachte er den zahlreichen Zuhörern das Thema näher.

Digitalisierung zeige sich vor allem durch die Glasfaserverkabelung. Doch Deutschland suche man auf der Liste der am besten vernetzten Länder vergeblich. So sei die Aussage von Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung), dass 5G nicht an jeder Milchkanne nötig sei, falsch. Die Wertschöpfung Deutschlands komme aus der Fläche und somit seien auch die 23 Weltmarktführer des Main-Tauber-Kreises benachteiligt.

Exponentieller Fortschritt

Wir befinden uns in einer „Zeit des exponentiellen Fortschritts“, betonte Lobo. Erst seit zwölf Jahren gebe es Smartphones und damit sei stieg die Digitalisierung rasant vorangekommen. Klar, ess mache auch Angst, dass es manche Jobs in zehn Jahren nicht mehr geben werde. Aber es biete auch unvorstellbare Entwicklungen.

Nicht die Technologie verändere die Welt, sondern die Nutzung der Technologie. Hier führte Lobo etliche Beispiele auf. So die App Pokemon Go, die als guten Begleiteffekt, die Menschen wieder nach draußen brachte, um sich bei der Monsterjagd zu bewegen. Diese Begleiteffekte seien oftmals wichtiger, als der eigentliche Zweck.

Datenströme hätte in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. „Sensorenflut und Datenbegeisterung“ nannte der Blogger den Trend. Der Mensch liebe es, Daten einzustellen. Das ginge sogar so weit, dass es Plattformen gebe, auf denen man seine Geschlechtskrankheiten registrieren kann oder eine App mit der man seine Geldtransaktionen mit allen teilen kann. „Datenbegeisterung hat keine natürlichen Grenzen.“

Weiter gebe es auch eine „Social. Mobile. Revolution.“ Am 1. November hätte erstmals mehr Menschen Internetseiten über ein mobiles Gerät aufgerufen als über den Desktop.

Dies führe zu „Sofortness. Digitaler Ungeduld.“ Man merke das auch beim Finanzmarkt.

Während eine normale Überweisung ein paar Tage dauere, gebe es Plattformen, bei denen dies mit ein paar Klicks sofort geschieht. Hier komme der Trend vor allem aus China. Plattformen würden immer wichtiger, da in diesen digitalen Ökosystemen Kundenbeziehungen aufgebaut werden, so Lobo.

Vernetzte Software

Was früher Hardware etwa wie eine Kamera war, sei zu Software (Fotografie mit einer App) geworden und eine Software wie Instagram, mit der die meisten Bilder gemacht und sofort geteilt werden, stelle vernetzte Software dar.

Wer früher gegen die Volkszählung gewesen sei, habe heute mit einem Smart Speaker eine „Standwanze“ daheim.

Nun gelte es, all diese Datenströme auszuwerten und so dem Kunden entsprechende Angebote zu machen. „Wir müssen die Digitalisierung offen und unternehmerisch mitgestalten“, schloss Lobo ab.