Wertheim

Kunstverein Convenartis Kabarettist und "Bluesdenker" Arnim Töpel brillierte mit Musik und geschliffenen Sätzen

Dinge mit nur einem Ton auf den Punkt gebracht

"Nur für kurze Zeit - alles gloffe?" Arnim Töpel spielte im voll besetzten Convenartis-Keller. Immer wieder durfte der Kabarettist zwischendurch den Beifall des Publikums genießen.

Wertheim. Arnim Töpel bedauert es selbst, dass es für "Blues" kein deutsches Wort gibt. Er gilt als "Bluesdenker am Piano". Er ist überhaupt kein "Haudrauf", er hebt sich deutlich als eine "feinsinnige Ausnahmeerscheinung" ab.

Zum Auftakt im Convenartis-Keller gibt es einen Herbstblues. Töpel setzt über zwei Stunden nicht nur Instrumente ein. Er klopft sich rhythmisch auf die Brust, auf die Backe, auf die Glatze. Doch es ist nicht nur die Musik, die fasziniert. Töpel brilliert mit geschliffenen Sätzen.

Sein Wechselspiel zwischen akkuratem Hochdeutsch und Kurpfälzisch lösen beim Publikum Lachsalven aus. Der Pfälzer macht nicht viele Sätze, manchmal nicht einmal ein Wort. O oft reicht bei ihm ein einziger Ton aus, um ganze Sachverhalte einleuchtend zu beschreiben.

"Pälzisch", das ist eine klangmächtige Sprache, die sich zwar von Dorf zu Dorf, von Beruf zu Beruf unterscheidet, aber charmant im Ton und präzise in der Sache die Menschen verbindet. "Pälzisch" das ist oft auch Melodie, eine sehr angenehme durfte das Publikum in Wertheim spüren.

Für Arnim Töpel, dessen Eltern aus Berlin stammen und der südlich von Heidelberg aufgewachsen ist, bedeutet Dialekt die Verwurzelung mit der Heimat. Gut, mit seinem Namen konnte niemand in der Pfalz etwas anfangen. Darum ist er dort schon seit Kindheitstagen der "Günda". Töpel, studierter Jurist, spricht sich dafür aus, in der Schule wieder mehr Dialekt zu sprechen. Das sollte dann auch fächerübergreifend sein. So könnte dann Physik auch als "Versücherles" bezeichnet werden. Töpel schwärmt vom Begriff Heimat. Dazu gehört aber auch geistige Reife, um sie zu begreifen.

Von Frauen erzogene Männer

Der Sprachkünstler hatte sich Gedanken zu vielen Themen gemacht: "Nicht die Russen und die Ufos greifen an, es sind die Märkte!" An den Schaltstellen der Macht, insbesondere in den Konzernen, sitzen Männer. Männer, die von Frauen erzogen worden sind. Die Wirtschaft läuft, es wird viel gearbeitet. Töpel fragte schmunzelnd die Zuschauer: "Gehören sie auch zu den Leuten, die morgens schon den Wecker anschreien? Na, endlich!" Alle freuen sich, wenn der Arbeitstag beginnt.

Zwischendurch immer wieder seine Songs, zeugend von musikalischer Extraklasse: "Du kannst nicht alles haben, aber du kannst alles verlieren." Arnim Töpel witzelte über die Gesellschaft und die zunehmende Singlewelt. Ganz genau hat er sich den Nachwuchs angeschaut und Horrorszenarien über Kindergeburtstage skizziert: "Gegen Wohlstand kann man sich nicht wehren."

Das Publikum johlte, als sich der Kabarettist die Pädagogen vorknöpft: "Die Lehrer werden nicht mehr auf die Praxis vorbereitet." Das fängt schon am ersten Schultag an. Der gleicht einer Bundespressekonferenz. Pro Kind sind es fünf Kameras, die Eltern führen Gespräche über die Hochbegabung des Nachwuchses und dem Lehrer drücken sie eine Visitenkarte ihres Anwalts in die Hand.

"Alle anderen wissen viel besser, was gut für uns wäre." - Töpel überzeugt auch mit leisen Tönen. Der Autor liest immer wieder aus seinen Krimis, die Zuhörer lachen viel an diesem Abend. Kommissar "Günda" ermittelt "uf pälzisch". Als er dann noch ein mundartliches Navigationssystem durch die Kurpfalz vorstellt, tobt der Saal.

Töpel beschreibt den Weg zum "Bachelor of Sprüchbeutel" und erzählt von einem Pfälzer, der eine Kontaktanzeige aufgeben will. Am Ende bleibt er dann doch bei seiner Gertrud. Passend dazu das Lied: "Du kannst nit alles hawe." Es ist einfach schön und erfrischend, dem Kurpfälzer sein Gebabbel. Dialekt als ein Bekenntnis zur Heimat.

Am Ende eines bemerkenswerten Kabarettabends wurde der Künstler mit viel Beifall belohnt. Arnim Töpel geizte nicht mit Zugaben. "Uf pälzisch" gab es ein letztes Lied: "Ham zus is der schönste Weg."