Wertheim

Convenartis Kabarettistin Kathi Wolf unterhält ihr Publikum mit unterschiedlichen Rollen, Dialekten und Themen von Putin über Bayern bis zum Familienhund

Diverse Staatsmänner und Wutbürger bekommen ordentlich ihr Fett weg

Archivartikel

Wertheim.Heiter und ernst, alltäglich und politisch und dabei stets in launigem Kontakt mit dem Publikum. So gestaltete sich der Auftritt von Kathi Wolf, eine der drei Teilnehmer beim „Wertheimer Affen“ 2017, am Samstag im Convenartis Kleinkunstverein. Dabei schlüpfte sie am „Airport Wertheim“ in verschiedenste Rollen und beeindruckte mit ihrer Kunst, alle möglichen Dialekte zu sprechen.

Hinten an der Bühne prangt groß das Schild „Airport“, an dem sich bei „Kathistrophen around the world“ alles abspielt. Die 30-jährige Kabarettistin nutzt nur wenige Requisiten aus einem alten Koffer, um zu verschiedenen Personen zu werden, etwa der wodkaabhängigen Russin „Ludmilla“, die Regeln gerne mal durch Bestechung umgeht und heißt wie Putins Ex-Frau. „Zufall“, wie sie betont.

Doch zunächst tritt Wolf in der Rolle der schwäbisch-sparsamen Hausfrau auf, die Spartipps gibt. Dabei unterhält sie sich mit ihren Zuhörern und baut deren Antworten geschickt und spontan ein. Man hat nach kürzester Zeit das Gefühl, im Freundeskreis zu plaudern. Immer wieder wird es auch politisch, etwa, wenn die Künstlerin ein Lied gegen die Klimaerwärmung singt.

Oder wenn sie als Bayern-München-Fan und damit waschechter Bayer die Abschottung des Freistaats anprangert. Überhaupt – mit den Rechten hat sie große Probleme. „Intelligenzflüchtlinge“ nennt sie die Anhänger von AfD und Pegida. Gegen ihre Ängste helfe vor allem Bildung. Und so hat sie eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Nein, die Muslime werden Weihnachten und Ostern nicht wegnehmen. Jetzt aber die schlechte: „Osterhase und Weihnachtsmann hat es noch nie gegeben!“ Auf diese Weise nimmt Wolf charmant und doch satirisch-treffend die „Wutbürger“ aufs Korn. Auch vor großen Staatsmännern macht sie dabei nicht halt. So geht sie mit Angela Merkel, die sie bravourös kopiert, in Musiktherapie, um die Erlebnisse mit Putin, Trump und Konsorten zu verarbeiten.

Einfach Klamauk

Zwischendurch gibt es einfach Klamauk und befreiendes Lachen, etwa wenn die Künstlerin ein Selfie mit einem Besucher macht, weil man sowas ja heute braucht, oder als Berliner Göre hofft, dass jemand ihr Konto hackt und es damit endlich mal wieder aus den Miesen bringt. Familiär wird es, als sie von ihrem Hund erzählt. Da es ein Chihuahua ist, sei die Beseitigung seiner Hinterlassenschaften ganz einfach. Sie könne ihn schließlich kurz direkt in die Entsorgungstüte stecken. Oder wenn sie von ihren Eltern berichtet, der Mutter, die stundenlang für eine Whatsapp braucht, oder dem Vater, der bei dem Versuch versagt, eine Autogrammkarte von ihr zu erbitten.

Am Ende gehen die leider für das tolle Programm eher wenigen Zuschauer gleichermaßen mit guter Laune und dem ein oder anderen nachdenkenswerten Gedanken, genau die Mischung, die bei gelungenem Kabarett entsteht. Und mit einem positiven Blick auf die Welt, gepaart mit einem Appell. Denn in Wolfs Abschiedslied für das Wertheimer Publikum heißt es treffend: „Die Welt ist das, was du draus machst. Mache Liebe zu deiner Religion.“