Wertheim

VHS-Reihe Woody Allens Film „Wonder Wheel“ ist wie ein Theaterstück inszeniert

Doppelbödige Enthüllungen

Archivartikel

Wertheim.Der VHS-Film „Wonder Wheel“, der im Vergnügungspark Coney Island spielt, beschreibt einen spannenden Gefühls- und Beziehungsreigen im Amerika der 1950er Jahre:. Zu sehen ist er am heutigen Mittwoch um 20.30 Uhr im Wertheimer Roxy-Kino.

Ginny wollte mehr von ihrem Leben. Als hoffnungsvolle Schauspielerin kam sie vom Land in die große Stadt, verliebte sich in einen Musiker, bekam ein Kind. Doch dann nahm das Leben eine schicksalhafte Wendung – und nun ist Ginny Kellnerin in einem Muschellokal auf Coney Island und lebt mit ihrem Ehemann Humpty, der ein Fahrgeschäft betreibt, und ihrem Sohn oberhalb einer Wurfbude in einer kleinen Wohnung.

Die einzige Ablenkung von ihrem trostlosen Alltag erfährt Ginny in den Armen von Micky, dem Bademeister, mit dem sie eine leidenschaftliche Affäre hat. Als eines Tages Humptys Tochter vor der Tür steht und sagt, sie sei auf der Flucht vor ihrem Ehemann, beginnt sich für Ginny das Schicksalsrad erneut zu drehen.

Denn die soviel jüngere Frau spielt nun nicht nur im Leben ihres Ehemanns die erste Geige. Auch Micky der Bademeister ist von ihr begeistert – und verliert mehr und mehr das Interesse an seiner Geliebten.

Wie ein Theaterstück inszeniert Woody Allen seinen nunmehr 47. Film, „Wonder Wheel“, in dem er die Schicksale von vier Protagonisten auf geschickt raffinierte Weise miteinander verknüpft. Jede Handlung hat Konsequenzen, jeder Dialog ergibt einen neuen Konflikt oder vermittelt spannende doppelbödige Enthüllungen.

Unterstützt wird Allen von seinem Kameramann Vittorio Storaro, der kunstvolle, lichtdurchflutete und farbtrunkene Bilder – sowohl vom Inneren der Räume als auch von der Szenerie Coney Islands in den 1950er Jahren – schafft.

Wie es in der Ankündigung des Filmverleihs Warner Bros. weiter heißt, ist der Cast perfekt aufeinander abgestimmt, jeder der Darsteller spielt seinen Part mit Verve und Elan. Jim Belushi als cholerischer Ehemann und Vater, Juno Temple als unschuldige junge Carolina, die die Geschichte ins Rollen bringt, Justin Timberlake als aufstrebender Nachwuchsautor und charmanter Bademeister Micky – und natürlich Kate Winslet, die ihrer Darstellung der Ginny eine tiefe Traurigkeit verleiht. Um sie dreht sich alles in der Geschichte, sie ist die verlorene Seele, die in großen Monologen ihre ganze Tragik und somit auch ein Stück ihres Innersten offenbart. Doch stets umweht sie auch ein Hauch des ehemals großen Ruhms, was nun nur noch eine wehmütige Erinnerung ist.

Eine Erinnerung im Schatten des Riesenrads, welches sich beständig weiterdreht. So wie das Leben selbst.