Wertheim

Wechsel in der Geschäftsführung Nach dem Abschied des Ex-Chefs Bernhard Mittelmann bekommen Leute aus der zweiten Reihe die Chance

Duo übernimmt das Ruder bei Alfi

Archivartikel

Die neuen Geschäftsführer Stephan Schulz und Petar Popovic wollen sich auf die Stärken von Alfi konzentrieren. Der Betriebsrat klagte zuletzt über „Respektlosigkeit“ des Ex-Chefs.

Wertheim. Der Wertheimer Isoliergefäßehersteller Alfi stellt seine Unternehmensspitze neu auf. Stephan Schulz und Petar Popovic werden künftig die Geschäfte führen. Wie bereits gestern berichtet, musste Bernhard Mittelmann, seit 2005 im Unternehmen, am Freitag vergangener Woche seinen Hut nehmen. Er wurde nach Informationen der Fränkischen Nachrichten mit sofortiger Wirkung freigestellt und musste binnen kurzer Zeit seinen Schreibtisch räumen.

„Für die Zukunft alles Gute“

In einer gestern verbreiteten Mitteilung von Alfi heißt es nur, dass der bisherige Geschäftsführer das Unternehmen verlasse. Das neue Alfi-Führungsduo bedanke sich bei seinem „Vorgänger für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute.“

Über die genauen Gründe für das Ausscheiden Mittelmanns werden keine Angaben gemacht. Auch die sonst üblichen Formulierungen wie „im gegenseitigen Einvernehmen“ oder „Trennung wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Strategie des Unternehmens“ fehlen. Mit Stephan Schulz und Petar Popovic habe die Thermos-Group zwei neue Geschäftsführer berufen, die beide bereits dem Alfi-Management-Team angehören, heißt es. Stephan Schulz gelte als ausgewiesener Experte in den Bereichen Finanzen, Informationstechnologie, Personalwesen und Logistik. Petar Popovic verfüge über langjährige Managementerfahrung in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Produktentwicklung.

„Auf die Stärken konzentrieren“

Ziel der neuen Führungsriege sei es, „sich wieder klar auf die Stärken des Unternehmens zu konzentrieren.“ Das neue Management habe „erwiesene Restrukturierungserfahrungen und wird diese entsprechend einbringen, um die Marke Alfi wieder erfolgreich zu machen.“ Für den Misserfolg in den vergangenen Jahren gibt es unterschiedliche Erklärungen. Einerseits sind es die Veränderungen am Markt, die dem Unternehmen mit einst über 200 Mitarbeitern zu schaffen machten. Der Einzug der Kaffeeautomaten in die Haushalte entzog der Thermoskanne teilweise den Zweck. In ihr wird gewöhnlich der Kaffee aus der Brühmaschine warmgehalten.

Auf der anderen Seite fand das Management offenbar keine Antwort auf diesen Trend. Der Markenkern von Alfi wurde zudem zusehends verwässert: Das hochwertige Design samt entsprechender Marketingaktivitäten im Hochpreissegment geriet in den Hintergrund. Sparen war angesagt.

Nicht geholfen haben dürfte dem bisherigen Geschäftsführer Mittelmann auch, dass er im laufenden Sanierungsprozess wenig Fingerspitzengefühl zeigte.

Der Betriebsrat beklagte sich jüngst in einem offenen Brief an den Geschäftsführer, der den Fränkischen Nachrichten anonym zugespielt wurde, darüber, dass Mittelmann mit einem Immobilienmakler während einer Gebäudebesichtigung unangekündigt in das Betriebsratsbüro eingedrungen sei.

Dieses Verhalten sei „respektlos gegenüber der gesamten Belegschaft“, heißt es in dem Schreiben, das innerbetrieblich aushing. Harald Gans, Sekretär der IG Metall, sprach gegenüber den FN diesbezüglich von „ null Respekt und Höflichkeit.“ Der Betriebsrat forderte denn auch von Mittelmann, „ein Mindestmaß an Achtung gegenüber den Menschen, mit deren Hände Arbeit auch Ihr Geschäftsführergehalt bezahlt wird, zu wahren.“