Wertheim

Tag der Menschenrechte Drama „Styx“ am Montag um 19.30 Uhr im Wertheimer Roxy-Kino

Eigenes Handeln hinterfragen

Wertheim.Wolfgang Fischers Drama „Styx“ mit Susanne Wolff, den Amnesty Wertheim und das Roxy Kino anlässlich des Tages der Menschenrechte zeigen, erzählt auf eindringliche Art von einer starken Frau, die allein auf hoher See einem kenternden Boot mit Flüchtenden begegnet – und nun die schwierigste Entscheidung ihres Lebens treffen muss.

Ganz alleine auf hoher See, unterwegs zu einer fast einsamen Insel: Das ist der Traum von Rike, den sie sich nun endlich erfüllt. Sie mietet ein Segelboot und begibt sich von Gibraltar aus auf die lange Reise nach Ascension Island. Bis auf ein paar Funksprüche hier und da ist sie dabei nur auf sich gestellt. Doch Rike fühlt sich stark und gegen die Widrigkeiten gewappnet.

Bis sie eines Tages durch ihr Fernglas blickt und in nicht allzu großer Entfernung ein kenterndes Boot mit Flüchtenden entdeckt. Viele Menschen drohen zu ertrinken, einige springen ins Wasser, sie winken und schreien um Hilfe. Als mehrere Notrufe an die Küstenwache ins Leere laufen oder abgeblockt werden und keines der umliegenden Schiffe zur Hilfe eilt, muss Rike eine Entscheidung treffen: Soll sie helfen und dabei riskieren, selbst in Gefahr zu geraten? Oder soll sie nach Anweisung der Küstenwache Abstand halten und dabei zusehen, wie Menschen sterben?

Authentisch und nah

In seinem Film „Styx“ wählt Regisseur Wolfgang Fischer einen ungewöhnlichen Einstieg. Noch bevor wir der Protagonistin Rike begegnen, sehen wir ihren Alltag in Deutschland als Notärztin. Ein Verkehrsunfall unter Rasern geschieht, scheinbar aus dem Nichts kommt Hilfe. Alles ist laut, Hilfe ist sofort da.

Dann der harte Schnitt und der Zuschauer begibt sich mit Rike an Bord ihrer Segeljacht. Von nun an bestimmen die Geräusche des Schiffs und des Meeres die Szenerie. Und die Präsenz der Hauptdarstellerin Susanne Wolff, die eine ungeheure darstellerische Leistung an den Tag legt. Der Zuschauer leidet mit Rike gemeinsam. Der Film selbst wertet nicht und lässt genügend Zeit, kritisch zu hinterfragen, wie man selbst gehandelt hätte. Und obwohl die dargestellte Situation fiktiv ist, so erzählt Fischer sie doch so authentisch und nah, dass sie sich absolut realistisch vermittelt.

Die Kamera leistet Großes und verschmilzt mit dem Boot, auf dem man sich als Zuschauer mit Rike befindet. Am Ende des Films trifft Rike eine Entscheidung - und ein letzter Blick in ihr Gesicht verrät eine Erschütterung, die ihr Leben für immer verändert. Und die als Kino im Kopf mehr Schrecken über die Ausweglosigkeit der Situation vermitteln als Bilder es je vermögen. „Styx“ ist starkes deutsches Kino, wie es aktueller, brisanter und ausdrücklicher nicht sein kann.